Herford schneidet beim ADFC-Fahrradklimatest schlecht ab – Kritik an Fahrradförderung in jüngster Zeit

Bei Radwegen auf hinteren Plätzen

Herford (WB)

Platz 94 von 110 bundesweit (bei Städten mit 50.000 bis 100.000 Einwohnern) und Platz 37 von 46 in NRW. Beim ADFC-Fahrradklimatest liegt die Stadt Herford auf den hinteren Plätzen.

Ralf Meistes

Seit Jahren in der Kritik ist die Situation für Fahrradfahrer an der Mindener Straße. Hier soll es im Zuge einer Umgestaltung der Straße zu Verbesserungen kommen. Wann die Straße umgebaut wird, ist aber noch unklar. Daten einer Verkehrszählung soll die Stadt mittlerweile vorliegen haben. Foto: Moritz Winde

Besonders kritisch wird dabei der Zustand der Radwege (Oberfläche) sowie die Fahrradförderung in jüngster Zeit gesehen. Positiv sei, dass es verhältnismäßig wenige Fahrraddiebstähle gebe. Die Wegweisung für Radfahrer wird mit befriedigend bewertet.

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) hat im vergangenen Jahr vom 1. September bis zum 30. November Radfahrende in Deutschland gebeten, über das Fahrradklima in ihren Städten und Gemeinden abzustimmen. 112 Radfahr-Interessierte haben an der Abstimmung für Herford teilgenommen. Generell liege der Anteil der ADFC-Mitglieder, die an der Befragung teilnehmen, bei 15 Prozent, heißt es im Fahrradklima-Test. Zugleich betont der Fahrradclub, dass es sich um eine nicht repräsentative Umfrage handele.

Die Bewertungskurve für die Stadt Herford zeigt für den Zeitraum von 2012 bis 2020 nach unten. Ein Dorn im Auge sind den Radfahrern die falsch geparkten Autos auf den Radwegen. Hier kritisieren die Teilnehmer auch eindeutig die Stadt, die zu wenig überwache. 50 der 112 Teilnehmer geben der Stadt Herford in diesem Punkt die Note ungenügend.

Kritisiert wird auch die Breite der Radwege sowie deren Oberfläche. In beiden Fällen wird die Note mangelhaft vergeben. Entsprechend schlecht schneidet die Stadt auch bei der Frage ab: Wurde in jüngster Zeit besonders viel für den Radverkehr getan? Gerade einmal 12 Prozent meinen ja, in dem sie die Noten 1 bis 3 verteilen. 55 Prozent der Befragten geben der Stadt hier die Noten 5 und 6.

Wobei berücksichtigt werden muss, dass die 230.000 Radfahrenden, die sich bundesweit an der Befragung beteiligt haben, eher einen kritischen Blick auf die Si­tuation der Radfahrer haben. So wird das Fahrradklima insgesamt mit der Durchschnittsnote 3,9 angegeben und damit gerade noch befriedigend.

Wirklich gut schneidet Herford trotzdem in keiner der Kategorien ab. Immerhin befriedigend wird die Wegweisung für Radfahrer bewertet. Gleiches gilt für die Erreichbarkeit des Stadtzentrums mit dem Fahrrad (3,2) sowie die vorhandenen Abstellanlagen (3,8).

Am wichtigsten seien für Fahrradfahrer ein gutes Sicherheitsgefühl und ein konfliktfreies Miteinander von Fahrrad- und Autoverkehr. Weitere Informationen gibt es im Netz.

Kommentar von Ralf Meistes

Selbstverständlich ist eine Umfrage nicht repräsentativ, an der sich nur 0,17 Prozent der Herforder Bevölkerung beteiligt haben. Und doch spiegelt die Kritik des ADFC, in puncto Fahrradförderung sei in Herford in jüngster Zeit viel zu wenig geschehen, die Stimmung wider, die auf Fahrrad-Demos und in Sitzungen des Verkehrsausschusses zuletzt zum Ausdruck kam. Es rächt sich, dass die Stelle des Fahrradbeauftragten zunächst häufige Personalwechsel erfahren hat und dann über einen längeren Zeitraum gar nicht besetzt war. Die Stadt hatte Mühe, jemanden zu finden. Das bedeutet im Umkehrschluss: Will die Stadt Herford wirklich den Fahrradverkehr fördern und Projekte voranbringen, dann darf sie nicht am falschen Ende sparen.

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