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155 Frauen aus dem Kreis Herford haben sich gemeldet

Beratung für Prostituierte

Herford (WB). Mit Jahresbeginn endete in NRW die Übergangsfrist für das Prostituiertenschutzgesetz. Seither müssen Sexarbeiterinnen angemeldet sein und eine Gesundheitsberatung erhalten haben. Bislang trifft das OWL-weit aber nur auf die Hälfte von geschätzten 1000 Prostituierten zu. Viele von ihnen kommen aus dem Kreis Herford.

Jan Gruhn

Seit Anfang des Jahres müssen Prostituierte eine Gesundheitsberatung in Bielefeld erhalten haben. 155 Frauen aus dem Kreis Herford haben dieses Angebot wahrgenommen. Foto: dpa

Insgesamt 433 Frauen (Stand März 2018) aus OWL haben seit Juli 2017 die obligatorische Beratung im Bielefelder Gesundheitsamt wahrgenommen.

Die Behörde regelt das Anmeldeverfahren zentral für die Kommunen der Region. Etwa 155 der Prostituierten kamen aus dem Kreis Herford, wie das Gesundheitsamt auf Anfrage mitteilte. Allerdings ist der Kreis auch erst seit September an der Initiative beteiligt. Für Silke Vahrson-Hildebrand, Amtsleiterin Sicherheit und Ordnung in der Kreisverwaltung, ist das eine zufriedenstellende Quote.

»Es zeigt, dass die Frauen – anders als im Vorfeld befürchtet – den Weg nach Bielefeld finden.« Zudem hätte man das Level der Professionalität, mit der das Verfahren in Bielefeld durchgeführt werde, kaum in den jeweiligen Kommunen erreichen können. Selbst auf Seiten der Bezirksregierung hätten sich Bedenken gelöst, erklärt Vahrson-Hildebrand. Das habe sich auf einer OWL-weiten Konferenz Mitte April gezeigt.

Kontrollen hat es noch nicht gegeben

Allerdings betrifft das Prostituiertenschutzgesetz nicht nur die Sexarbeiterinnen, sondern auch die Betreiber. Bislang seien beim Kreis, der für die Betriebe zuständig ist, 20 Erlaubnisanträge eingegangen. »Bei einigen warten wir noch auf Ergänzungen«, sagt Vahrson-Hildebrand. Ende 2017 hatte es von Seiten des Kreises allerdings geheißen, dass 35 bereits bekannte Betriebe angeschrieben werden sollten.

Kontrollen hinsichtlich des Schutzgesetzes hätten noch nicht stattgefunden. »Es ist ein schwieriges Thema, wir wollen es professionell angehen«, erklärt die Amtsleiterin. Das heißt: Die Anträge würden entsprechend unaufgeregt behandelt, Ortstermine würden angekündigt. Deshalb seien die Razzien der Bundespolizei, bei denen Mitte April unter anderem Bordelle in Löhne untersucht wurden, aus behördlicher Sicht zu einem unpassenden Zeitpunkt gekommen.

Baurechtliche Probleme für Wohnungsprostitution

Laut Prostituiertenberatungsstelle Theodora habe das Gesetz bislang nicht dazu geführt, dass deutlich mehr Frauen aus der Branche aussteigen wollen. »Die Ängste waren da«, sagt Sozialpädagogin Katharina Hontscha. Viele Frauen hatten angekündigt, bei Anmeldepflicht aus dem Job aussteigen zu wollen. »Aber wir haben in unserer aufsuchenden Arbeit nicht das Gefühl, weniger Frauen in den Clubs zu treffen.«

Im nächsten Schritt will die Kreisverwaltung die Anträge der Betreiber abarbeiten. Laut Vahrson-Hildebrand könnte danach ein mittelfristiges Ziel sein, die Dunkelfelder aufzuarbeiten. »Das, was auf dem Papier steht, sieht in der Realität vielleicht ganz anders aus«, sagt sie. Zudem könnte vor allem die Wohnungsprostitution in den Fokus rücken: Denn vielen dieser Etablissements könnten baurechtliche Probleme drohen, schätzt Vahrson-Hildebrand.

Von 433 Sexarbeiterinnen in der Gesundheitsberatung kamen 100 aus Rumänien. Die weiteren Herkunftsländer: Deutschland (70 Frauen), Thailand (67), Bulgarien (55), Polen (38), Lettland (24), Litauen (22), weitere Nationen (57).

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