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Corona belastet das Klinikum-Personal in Herford und führt in Einzelfällen sogar zur Verlegung von Intensiv-Patienten

Bis ans Limit

Herford (WB)

Das Klinikum spricht von einem „Marathon mit hoher Belastung, sowohl physisch als auch psychisch“ für die Belegschaft auf der Infektions- und Intensivstation. Die Behandlung der Pandemie-Opfer hat erhebliche Auswirkungen auf den Klinikalltag.

Bernd Bexte

Drei der neun OP-Säle werden derzeit nicht genutzt. Das Personal hilft bei der Versorgung der Corona-Patienten, planbare Eingriffe werden verschoben. Foto: Moritz Winde

Wegen deutlich weniger Patienten bleiben OP-Säle geschlossen, wird Personal zur Versorgung von Covid-19-Patienten umgeschichtet. In Einzelfällen müssen Intensivpatienten sogar in andere Häuser verlegt werden.

Peter Hutmacher, Vorstandssprecher Klinikum Herford. Foto: Ralf Meistes

Auch wenn die Zahl der Neuinfektionen im Kreis sinkt, gibt Landrat Jürgen Müller keine Entwarnung. Eine Überlastung der Krankenhäuser müsse unbedingt verhindert werden. Und dies gilt vor allem für das Klinikum, wo die mit Abstand meisten stationär versorgten Corona-Patienten im Kreis behandelt werden.

Wie angespannt ist also die Situation vor Ort? „Zurzeit sind 45 Patienten mit einer Covid-19-Infektion im Klinikum, davon elf auf der Intensivstation“, sagt Klinikum-Chef Peter Hutmacher. Der Durchschnitt pro Tag in den vergangenen drei Wochen habe zwischen 44 und 52 Patienten gelegen. Zum Vergleich: Derzeit werden kreisweit insgesamt 73 Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern behandelt. Höchststand war kurz nach dem Jahreswechsel mit 89.

Eine gute Nachricht gibt es aber auch: Die Lungenstation (5A) ist seit dem 4. Januar wieder „am Netz“. Sie war Mitte November wegen dreier Corona-Fälle geschlossen worden – ein Patient sowie zwei Krankenschwestern hatten sich unabhängig voneinander infiziert.

Aktuell seien jedoch eine operative Station und ein weiterer Teilbereich nicht in Betrieb. Grund sei aber nicht ein Corona-bedingter Personalausfall. Aufgrund der insgesamt geringeren Patientenzahl und damit auch der planbaren Operationen seien die Stationen „zurückgefahren“ worden.

„Die Mitarbeitenden unterstützen in den Bereichen, in denen Covid-Patienten betreut werden, da wir dort einen höheren Personalbedarf haben.“ Dies gelte sowohl für Pfleger/innen als auch Ärzte und Ärztinnen. Denn die Versorgung von Patienten mit Covid-19 sei sehr herausfordernd, sowohl hinsichtlich der Behandlung als auch der hohen Sicherheitsvorkehrungen. Mit der anlaufenden Impfkampagne gebe es aber eine Perspektive für die Zukunft, die Mut mache.

Zu Spitzenzeiten stößt das Klinikum aber offenbar an die Kapazitätsgrenze. So konnte dort nach Informationen dieser Zeitung vor wenigen Tagen ein internistischer Notfall nicht aufgenommen werden. Der Rettungsdienst brachte ihn ins Herzzentrum (HDZ) nach Bad Oeynhausen.

Dazu das Klinikum: „Anlass der Verlegung ins HDZ war, dass wir zu diesem Zeitpunkt sehr viele Patienten mit Covid-19 auf der Intensivstation behandelt haben, während im HDZ noch freie Intensivplätze zur Verfügung standen.“ Man tausche sich regelmäßig über vorhandene Intensivkapazitäten mit den Krankenhäusern im Kreis Herford, aber auch mit denen in Bielefeld, Minden oder eben dem HDZ aus. Andererseits behandele das Klinikum regelmäßig Covid-Patienten aus anderen Häusern, „wenn es unsere Kapazitäten ermöglichen“.

Von den neun OP-Sälen seien nur noch sechs in Betrieb, da OP-Personal die Intensivstation unterstütze. „Alle notwendigen Operationen können aber weiterhin stattfinden“, betont Hutmacher. Lediglich planbare Operationen würden aufgeschoben. Zudem sei die Nachfrage nach diesen Eingriffen auf Patientenseite weiter geringer, „da natürlich Ängste im Rahmen der Pandemie vorhanden sind“.

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