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Inzidenzwert ab 35 hätte große Auswirkungen

Corona-Erlasse prägen Theaterleben

Herford (WB). Der Blick geht nach Düsseldorf zur Landesregierung. Wie viele Plätze im Theater besetzt werden, entscheidet nicht so sehr der Kartenvorverkauf als vielmehr der jeweils aktuelle Erlass zu Corona-Pandemie.

Hartmut Horstmann

Blick in den Theatersaal: Würde der Inzidenzwert 35 überschritten, hätte das große Auswirkungen auf das Platzangebot. Foto: Moritz Winde

„Große Kundenzufriedenheit“

Sehr genau verfolgt Andreas Kornacki, Geschäftsführer der Kultur gGmbH, derzeit das Geschehen. Jedes Erreichen eines Schwellenwertes hat Auswirkungen auf das Theater – zum Beispiel wenn der Inzidenzwert von 35 überschritten wird und Gefährdungsstufe eins gilt.

Deutlich überschritten wird diese Marke gerade im Kreis Lippe – so dass das Landestheater Detmold jetzt nur noch Plätze im Abstand von anderthalb Metern vergibt. Dadurch reduziert sich die Besucherzahl deutlich.

Im Kreis Herford sieht es derzeit noch anders aus, so dass der Kartenvorverkauf ganz normal weiterläuft. Wobei normal bedeutet, dass maximal 300 Plätze im Stadttheater besetzt werden können.

Man müsse von Tag zu Tag schauen, sagt Andreas Kornacki. Er wird nicht müde zu betonen, dass das Theater den Spielbetrieb, so lange es möglich ist, aufrechterhalten wird. Und dass man kein Risiko eingeht, was die Gesundheit der Besucher und Schauspieler angeht.

Derzeit sieht die Regelung vor, dass Plätze nebeneinander besetzt werden dürfen, wenn die Personen namentlich nachvollziehbar sind. Falls jemand individuelle Platzwünsche wegen des Abstands habe, komme man ihm entgegen, so Kornacki. Sein Fazit: „Wir stellen eine extrem hohe Kundenzufriedenheit fest.“ Es gebe eine Minderheit im Publikum, die sich nicht wohlgefühlt habe.

Kontaktdaten sind bekannt

Der größte Teil der Theaterbesucher besteht derzeit aus Abonnenten. Von ihnen haben die Theaterverantwortlichen die Kontaktdaten, so dass sie gegebenenfalls kurzfristig informiert werden können – am besten per E-Mail, aber auch das gute, alte Telefon komme zum Einsatz, so Kornacki.

Für den Geschäftsführer bedeutet das Ganze einen Spagat. Einerseits will er nicht den Eindruck erwecken, als sei es unsicher, ob eine Veranstaltung überhaupt stattfinden könne – andererseits muss er darauf verweisen, dass verlässliche Theater-Prognosen wegen der Entwicklung der Corona-Zahlen nicht möglich sind.

Der gestrige Inzidenzwert für den Kreis Herford betrug 32. Wird die 35er-Marke überschritten, muss auch im Theatersaal eine Maske getragen werden. Ferner gilt der NRW-Mindestabstand von 1,5 Metern. Beim 50er-Wert kommt hinzu, dass nicht mehr als 100 Personen in einem geschlossenen Raum sein dürfen. Eine Bestimmung, die fürs Herforder Theater aber vergleichsweise unerheblich ist. Da wegen des Brandschutzes nur der untere Saal zur Verfügung steht, greift die 100er-Regelung schon bei einem Inzidenzwert von 35. Schließlich gilt es, den Mindestabstand einzuhalten.

„Sicherheit nicht gefährdet“

„Was passiert, wenn?“: Dies ist im Augenblick nicht unbedingt die Lieblingsfrage von Andreas Kornacki. Aber er weiß: Kommt es zu einer weiteren Reduzierung des Platzangebotes, kann nicht mehr jeder Kartenwunsch erfüllt werden. Dabei sind einzelne Aufführungen mit vielen Abonnenten bereits jetzt ausverkauft. Doch noch will der Geschäftsführer nicht die Pferde scheu machen: „Wir müssen Entscheidungen treffen, wenn es soweit ist.“ Alles andere sei unseriös.

Eine „sehr unschöne Situation“, wie Kornacki dezent formuliert. Da wird das aktuelle Brandschutzproblem fast zur Nebensache. Der Bauantrag sei eingereicht worden und werde gerade geprüft, so der Geschäftsführer. Danach kann die Ausschreibung erfolgen. Wann mit den Arbeiten, bei denen unter anderem Garderobe- und Foyerbereich durch eine feuersichere Tür getrennt werden sollen, zu rechnen ist, steht noch nicht fest.

Aber auch hier gelte, so Kornacki: „Die Sicherheit der Besucher ist nicht gefährdet.”

Kommentar von Hartmut Horstmann

Es bereitet im Augenblick keine echte Freude, übers Theater zu schreiben. So unbestritten die Bedeutung der Einrichtung für das Kulturleben und das menschliche Miteinander ist, so fragil sind die Rahmenbedingungen.

Jeder Hinweis auf Szenarien, die eintreten können, voraussichtlich auch eintreten werden, kann zur Verunsicherung der Theatergänger beitragen. Und diese Verunsicherung wirkt sich negativ auf die Kartennachfrage aus.

Dabei geht es doch gerade darum, die Kultur – wie überhaupt die gesamte Veranstaltungsbranche – in diesen schwierigen Zeiten zu unterstützen. Denn unabhängig von Corona-Ängsten ist nach dem Lockdown auch eine gewisse Lethargie zu spüren.

Der Appell in puncto Theater kann daher nur lauten: Wenn verlässliche Planungen gerade nicht möglich sind, geht es darum, sich kurzfristig für einen Theaterbesuch zu entscheiden. Seien Sie spontan! Die Abendkasse ist geöffnet.

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