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Wie die Recyclingbörse seit gut 35 Jahren „Brauchbares“ wiederverwendet

„Das ist doch noch gut“

Herford (WB). Seit gut 35 Jahren gibt es den Arbeitskreis Recycling, der die Börsen in und um den Kreis Herford betreibt. Die vom 10. bis 15. August laufende Klimawoche endete mit einem Angebot zur Fahrradwartung und einer Führung durch die Hallen des Recycling-Betriebes.

Niklas Gohrbandt

Der Verkaufsraum der Recyclingbörse und die Warenannahme liegt in den Gebäuden an der Heidestraße 6 und 7. Foto: Niklas Gohrbandt

Hans Engels, „Öffentlichkeitsarbeit“ der Recycling Börse Herford, wie er sich selbst mit einem Grinsen vorstellt, erklärt, wie Second-Hand funktioniert, und wie es die Umwelt und das Klima schont. Das Prinzip der Recycling Börsen ist kein Geheimnis: Alles „noch gute und brauchbare“ kann dort abgegeben werden. In Herford, Spenge und Bielefeld werden dazu Cityläden – parallel zu den großen Börsen – in den Innenstädten betrieben. Auch in Bünde, Löhne und Bad Salzuflen-Schötmar gibt es sie mittlerweile. Abgegeben werden kann eigentlich fast alles. Egal ob Elektronik, Fahrräder, Kleidung oder Hausrat. Was nicht mehr weiterverwendet werden kann, wird fachgerecht entsorgt.

Kleider aus zweiter Hand

Recycling ist gut für die Umwelt, da es die Anschaffung von neuen Produkten ersetzt. So sparen zum Beispiel Kleider aus zweiter Hand CO², da Lieferwege umgangen werden können. „Damit Kleidung in der Recycling Börse verkauft werden kann, muss kein Containerschiff von Asien nach Europa reisen“, betont Hans Engels. Für eine gebrauchte Stereo-Anlage müssten die in ihr verbauten Edelmetalle, sogenannte Metalle der seltenen Erden, kein zweites Mal aus dem Boden gefördert werden. Das geschehe meistens in Entwicklungsländern der Südhalbkugel und werde oft wegen schlechter Arbeitsbedingungen und mangelnder Nachhaltigkeit kritisiert. Wer sich entscheidet, Elektronik aus der Wiederverwertung zu beziehen, umgehe dies.

„Second-Hand spart also Lieferwege, Produktionskosten und vieles mehr“, sagt Engels. Das locke pro Tag gut 200 Kunden in die Verkaufsstelle der Recycling Börse Herford. „Wiederum werden hier in der gleichen Zeit 150 Abgaben abgefertigt.“ Für Haushaltsauflösungen und sperrige Sachspenden rückt das Team aus insgesamt 160 Mitarbeitern in allen Niederlassungen auch gerne aus. Unter dem Motto „Aus alt mach Arbeit“ schafft der Verein so auch noch Arbeitsplätze zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt.

Immer wichtiger wird die Fahrrad-Börse. „Vor drei Jahren haben wir begonnen, intensiv die Social Media Accounts der Recycling Börse in Betrieb zu nehmen. So interessieren sich auch immer mehr junge Leute für unser Angebot,“ erklärt Engels.

Umfangreiches Ersatzteillager

Ein Blick in das Ersatzteillager offenbart: Für so ziemlich jede Art von Fahrrad sind Ersatzteile auf Lager. „Mittlerweile können wir uns sogar die Mühe machen, Fahrrad-Oldtimer fachgerecht wieder flott zu machen, falls wir mal eines in die Hände bekommen,“ erklärt Hans Engels. Gemeinsam mit dem Allgemeinen deutschen Fahrrad Club (ADFC) förderten die Recycling Börsen so den klimaneutralen Individualverkehr im Kreis.

Prinzip Upcycling

Es werde aber nicht nur aktiv Recycling betrieben, sondern auch Upcycling. Dabei werde aus alten Gebrauchsgegenständen etwas Neues hergestellt, das auch eine ganz andere Nutzung haben kann, als die Teile aus denen es vorher bestand. Seit 2006 vergibt die Recycling Börse für solche Erfindungen Design-Awards.

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