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Herforder Maler hat Ausstellungen in Gütersloh und Lemgo

Das Jahr des Weizenfeld

Herford (WB). Ein Besuch im Atelier von Weizenfeld gleicht einer Lehrstunde über den Zustand der Welt. Überall erkennt der Maler Kritikwürdiges, er schimpft oft – und hat zum Glück ein Ventil: Er bannt den Schrecken auf Leinwand.

Hartmut Horstmann

Der Weizenfeld-Kosmos: »Verletzt und Spaß dabei« will er eine Arbeit nennen, die mit diesem Schaubild zu tun hat: »Die Abgebildeten müssen totale Schmerzen haben und lächeln dabei. Das finde ich irre.« Das Gemälde im Hintergrund trägt den Titel »Grillstudie«, das nicht zu erkennende heißt »Ungeziefer«. Wer mit Weizenfeld über Malerei reden will, hat dazu am Samstag beim Gütersloher Kunstverein Gelegenheit. Foto: Hartmut Horstmann

Es läuft gut

Doch so sehr der 64-Jährige sich auch ereifert über gesellschaftliche Krankheiten, über Leistungsdenken und Karrieresucht: Für den Maler, der einst in einer Punkband spielte, läuft es augenblicklich richtig gut. In Gütersloh hat er bis zum 28. Mai an zwei Orten (Sparkasse und Kunstverein) die Ausstellung »Andeutungen über Malerei«. Hinzu kommt im Oktober eine Präsentation im Lemgoer Eichenmüllerhaus – initiiert vom dortigen Kunstverein.

Dank an verstorbenen Galeristen

Zudem ist anlässlich der Werkschau in Gütersloh ein umfangreicher Katalog erschienen. Wer mit dem Maler darüber ins Gespräch kommen will, hat dazu am kommenden Samstag Gelegenheit. Im Rahmen der langen Nacht der Kultur ist er ab 18 Uhr beim Gütersloher Kunstverein zu Gast. Dass der 64-Jährige derzeit gefragt ist, hat viel mit dem Engagement des im Frühjahr verstorbenen Galeristen und Sammlers Claus Tholen zu tun: »Claus war ein toller Typ, er hat viel für mich getan.« So stellte Tholen auch die Kontakte nach Gütersloh her, aus der dessen Familie stammt.

»Herford ignoriert mich«

Für bemerkenswert hält Weizenfeld angesichts des gestiegenen Interesses an seiner Kunst, dass er ausgerechnet in seiner Heimatstadt nicht stattfinde: »Ich male hier seit 40 Jahren, aber Herford ignoriert mich.« Von seiner Reputation her könnte der Maler über lokale Befindlichkeiten lächeln, doch das Nichtinteresse schmerzt. Er fügt hinzu: »Wenn mich jemand fragen würde, würde ich eine Ausstellung machen. Es ist ja meine Heimatstadt.«

Teil des kritisierten Systems

Unentwegt ist er hier künstlerisch aktiv, die Malerei dient ihm als Tagebuch, um Dinge festzuhalten oder zu bewältigen. Unter dem thematischen Oberbegriff »Krankheit« will er der Gesellschaft den Spiegel vors Gesicht halten – doch nicht als einfacher politischer Künstler. Der Begriff sei abgedroschen, sagt Weizenfeld. Zudem weiß er, dass er selbst Teil des Systems ist, das er kritisiert: »Ich bin darin verstrickt, aber ich reflektiere darüber.«

»Das Malen ist ein Fest«

Vor Jahren startete er eine Serie, zu der ihn Röntgenbilder mit ihren Grüntönen inspiriert hatten – auch hier Krankheit als Thema. Aber trotz aller grausigen Befunde, die Weizenfeld auf die Gesellschaft überträgt, sagt er: »Das Malen ist immer auch etwas Schönes. Es ist ein Fest.«

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