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Post von der Stadt: Frau (83) soll Mülltonne 60 Meter bis zur Sammelstelle schieben

„Das schafft meine Mutter nicht mehr“

Herford (WB). Eine 83-jährige, herzkranke Frau, die in einer der Straßen am Hamscheberg wohnt, soll ihre Mülltonnen ab 2. September bis zur Sammelstelle an der nächsten Stichstraße bringen. „Das schafft meine Mutter gar nicht mehr alleine“, ärgert sich Martina Hesse. 43 Jahre lang habe ihre Mutter in dem Haus gewohnt, immer sei der Müll vor der Haustür abgeholt worden. Jetzt muss er 60 Meter weiter gebracht werden.

Kathrin Weege

In einigen Herforder Straßen ist es erforderlich, dass die Anwohner ihre Tonnen zu Sammelplätzen bringen – die können bis zu 300 Meter vom Haus entfernt liegen. Gerade für ältere Menschen stellt das dann ein Problem dar. Foto: Moritz Winde

„Am 16. August hatte sie plötzlich Post im Briefkasten, in der sie aufgefordert wird, ab September ihre Tonnen zur nächsten Stichstraße zu bringen. Als Grund wird angegeben, dass in Herford Müllfahrzeuge nicht mehr rückwärts fahren dürfen “, so Hesse weiter. Es werde auf Paragraph 18.4 der Satzung über Abfallentsorgung verwiesen. „Diese Satzung stammt übrigens schon vom 17. Dezember 2017“, sagt Hesse. Und nun werde sie Jahre später plötzlich so umgesetzt, hinterfragt Martina Hesse. Sie ärgert sich, dass die Stadt einfach ein Schreiben schickt, statt mit den Betroffenen zu sprechen und vielleicht gemeinsam zu einer Lösung zu kommen. Schon nächste Woche muss die 83-Jährige zusehen, wie sie ihren Müll an die Sammelstelle bekommt. Dieses Problem dürften wohl noch weitere Bürger haben.

Kleineres Fahrzeug angeschafft

Einige haben sich tatsächlich bereits an die Stadt gewandt. Das bestätigt Dr. Peter Böhm, Technischer Beigeordneter, auf Anfrage. „Wir setzen die Satzung nach und nach um. So hat sich beispielsweise auch ein Rollstuhlfahrer gemeldet, der seine große Tonne nicht selber an die Sammelstelle bringen kann“, so Böhm. Er habe dann die SWK kontaktiert. Gegen Bezahlung sei in dem Fall eine Lösung gefunden worden. „Wir dürfen nicht mehr rückwärts mit den Müllfahrzeugen in die Straßen fahren. Wir haben deshalb schon ein kleineres Fahrzeug angeschafft, kommen aber dennoch leider nicht in alle Straßen“, erklärt Böhm.

Kooperation in der Nachbarschaft

Wer seine Tonne nicht selber an die Sammelstelle bringen könne, müsse sich selber um eine Lösung bemühen. „In den meisten Fällen kommt es dann zu einer Kooperation in der Nachbarschaft“, weiß Peter Böhm. Es sei der Stadt durchaus bewusst, dass der weitere Transport der Tonnen gerade für ältere Menschen schwierig sei. In einigen Fällen müssten die Tonnen sogar bis zu 300 Meter weit zur Sammelstelle gebracht werden. Aus Gründen des Unfallschutzes gäbe es keine Ausnahmen, Fahrzeuge dürften nicht rückwärts in kleinere Gassen fahren. Sei keine Hilfe über die Nachbarschaft zu finden, könne es zu kostenpflichtigen Lösungen über die SWK kommen, so der Technische Beigeordnete.

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