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37-Jähriger läutet Kuhglocke – Polizei erteilt Platzverweis – Ditib verbietet Pressefotos

Demonstrant stört Muezzin-Ruf

Herford (WB). Zwischenfall vor der Ditib-Moschee an der Bielefelder Straße: Als der Muezzin am Freitag um 13.30 Uhr erstmals per Megafon zum Friedensgebet ruft, läutet ein Demonstrant eine Kuhglocke.

Moritz Winde

Die Ditib-Gemeinde in Herford möchte von der Presse nicht spontan besucht werden. Foto: Stephan Rechlin

Der ganz in schwarz gekleidete Mann mit kurz rasierten Haaren steht auf dem Bürgersteig vor dem Tor des eingezäunten Geländes und will den Aufruf zum Gottesdienst stören. „Ich möchte so etwas nicht in meinem Land hören“, sagt der 37-Jährige sinngemäß.

Der Ausruf dauert übrigens lediglich ein paar Minuten und nicht wie von einigen kolportiert eine ganze Stunde. „Und wir halten die vorgeschriebene Dezibelzahl ein“, betont ein Gemeindemitglied. Auf der anderen Straßenseite ist der islamische Gesang kaum noch zu hören.

Die Ordner der Gemeinde reagieren aufgebracht auf den Störenfried. Einige Männer eilen zum Zaun, es folgt ein wildes Wortgefecht. Irgendjemand ruft die Polizei. Die trifft wenig später mit drei Streifenwagen ein, die Beamten erteilen dem Protestler einen Platzverweis. Behördensprecher Uwe Maser: „.Wir leiten diesen Vorfall an den Staatsschutz in Bielefeld weiter und klären die Hintergründe.“ Der 37-Jährige soll den Strafverfolgungsbehörden nach Informationen dieser Zeitung nicht bekannt sein.

Pressezutritt nur mit Anmeldung

Der Nachmittag verläuft ohne weitere Komplikationen. Der Parkplatz des Gotteshauses ist voll belegt. Mehrere Dutzend Männer, darunter auch einige Jugendliche, strömen zum Eingang, wo sie sich registrieren müssen. Viele tragen einen zusammengerollten Gebetsteppich unterm Arm – und eine Maske im Gesicht.

Ein Türke sagt, er verstehe die Aufregung um den Muezzin-Ruf in Herford nicht. „Da wird wieder aus einer Mücke ein Elefant gemacht.“ Es sei ja auch nicht das erste Mal, dass zum Freitagsgebet gerufen werde. Die Genehmigung der Verwaltung hatte eine Debatte ausgelöst. Kritiker – darunter CDU-Bürgermeisterkandidatin Anke Theisen – sprechen von fehlender Transparenz , da die Angelegenheit nicht in politischen Gremien diskutiert worden sei. Eine Ratsmehrheit sieht den Gebetsruf als Grundrecht.

Gerne hätte das WESTFALEN-BLATT die Geschehnisse vor Ort dokumentiert. Doch Sprecher der Ditib-Gemeinde verweigerten nicht nur ein Betreten der Moschee, sondern außerdem Foto- und Filmaufnahmen. Auf einen spontanen Besuch sei man nicht vorbereitet. Gerne könne der Reporter per E-Mail Fragen und Wünsche formulieren und einen Termin vereinbaren. „Dann zeigen wir Ihnen gerne alles. Aber heute geht das nicht.“

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