1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Herford
  6. >
  7. Demonstranten ketten sich in Herford fest

  8. >

Heftiger Protest gegen AfD-Veranstaltung im HudL – Polizisten räumen Bürgerzentrum

Demonstranten ketten sich in Herford fest

Herford (WB). Von heftigen Protesten begleitet, fand am Dienstagabend eine Veranstaltung der Partei Alternative für Deutschland (AfD) im Haus unter den Linden (HudL) in Herford statt. Die Vorstellung des AfD-Landtagskandidaten Markus Wagner (Wahlkreis 90) begann mit erheblicher Verspätung, weil sich etwa 30 Demonstranten im HudL festgekettet hatten.

Ralf Meistes

Mehrere Polizisten bändigen einen jungen Mann, der sich weigert, das Bürgerzentrum zu verlassen. Foto: Moritz Winde

Nach Angaben der Polizei hatten sich etwa 30 Personen außerhalb der Öffnungszeiten Zutritt zum Begegnungszentrum verschafft. »Die Personen aus dem linksautonomen Bereich haben sich an der Treppe hinauf zur 1. Etage und in einigen Räumen im ersten Stock angekettet«, sagte Polizeisprecher Uwe Maser.

Die Polizei Herford, die von Kräften einer Hundertschaft aus Dortmund verstärkt wurde, transportierte die Demonstranten einzeln ab. Drei Polizisten wurden bei dem Einsatz verletzt, einer trug eine Bisswunde davon, zwei erlitten Prellungen durch Schläge.

Begleitet wurde die Szenerie von etwa 50 AfD-Anhängern, die zum Teil mit ihren Handys den Polizeieinsatz filmten. Draußen, vor dem HudL, wurden die abgeführten Protestler von etwa 100 Gegendemonstranten bejubelt.

Wie kamen Linksautonome ins Gebäude?

Eigentlich sollte ab 20 Uhr Markus Wagner als AfD-Direktkandidat zur Landtagswahl im Wahlkreis 90 (Herford I/Minden-Lübbecke III) zu seinen Anhängern sprechen. Doch auch um 20.30 Uhr trug die Polizei noch Linksautonome aus dem Gebäude. Die AfD hatte den Saal im ersten Stock gemietet und wollte offenbar auch nicht auf das HudL-Café im Erdgeschoss ausweichen. Die Versammlung musste mit einer Stunde Verspätung stattfinden.

Unklar war am Abend noch, wie die Demonstranten außerhalb der Öffnungszeiten ins Gebäude gelangen konnten. Türen wurden nicht aufgebrochen. »Wir wollen auf jeden Fall wissen, wer die Störer hier reingelassen hat«, sagte Hans-Ulrich Kalb von der AfD in Herford. Am Nachmittag hatte eine HudL-Gruppe noch einen Raum benutzt.

»Es gab von Seiten einiger Demonstranten, die wir aus dem Gebäude entfernt haben, heftigen Widerstand gegen Polizeibeamte. Davon wird einiges zur Anzeige gebracht«, sagte Uwe Maser. Strafverfahren wegen Hausfriedensbruch, Nötigung und Widerstand gegen Polizeibeamte würden vorbereitet.

Friedliche Demo vor der Tür

Draußen demonstrierten etwa 100 Herforder mit Plakaten friedlich gegen die AfD. Bereits ab 19 Uhr hatte man sich hier versammelt. Unter ihnen waren etliche Lokalpolitiker aus dem Kreis sowie Freunde und Nutzer des Hauses unter den Linden. Auf ihren Transparenten war zu lesen »Hilfe statt Hass« oder »AfD – braune Politik in blauer Farbe«.

Zur Demo aufgerufen hatte Volker Stumpf, Mitglied im Seniorenbeirat und im HudL-Förderverein. Er hatte bereits im Vorfeld die Stadt Herford als Trägerin der Einrichtung dafür kritisiert, dass sie die HudL-Räume zur Verfügung gestellt hatte.

Die Stadt hatte sich als Trägerin gezwungen gesehen, der AfD die Räume zu überlassen. Schließlich, so Stadtpressesprecherin Susanne Körner, handele es sich um eine nach dem Parteiengesetz zugelassene Partei. Diese sei verfassungsrechtlich geschützt. Es habe keine juristischen Gründe gegeben, der AfD die Räume zu verwehren. »Andernfalls hätte die Partei gegen die Stadt klagen können«, hatte Bürgermeister Tim Kähler am Freitag im Rat noch einmal betont.

AfD-Kreistagsmitglied verurteilt Proteste

AfD-Kreistagsmitglied Herbert Weber konnte am Dienstagabend nicht an der Veranstaltung im HudL teilnehmen. In einer Pressemitteilung verurteilte er aber die Proteste gegen die AfD-Veranstaltung.

In seiner Stellungnahme wies Weber noch einmal auf die Vorkommnisse vom Mai 2016 hin, als Vermummte den AfD-Kreisparteitag in einem Herforder Hotel gestört haben. »Da wird mit allen Mitteln versucht, denjenigen den Mund zu verbieten, die sich in einer städtischen Einrichtung friedlich aber kritisch versammeln, um auf Missstände und Rechtsbruch hinzuweisen«, schreibt Weber.

Nach Protesten von linken Gruppierungen im Jahr 2015 hatten etliche Gastronomen in Herford davon Abstand genommen, die AfD zu bewirten. Auch deshalb ist wohl die Wahl aufs HudL als Veranstaltungsort gefallen.

Startseite