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Stadt und Politik in Löhne äußern sich mit Bedauern und Verständnis zum bevorstehenden Umzug von Karlchens Backstube nach Herford

Der Blick geht schon wieder nach vorne

Löhne (WB)

Der angekündigte Komplettumzug der heimischen Großbäckerei Karlchens Backstube nach Herford sorgt in der Stadt Löhne für großes Bedauern. Doch die Unternehmensführung freut sich, weil der neue Stammsitz in den bisherigen Ahlers-Gebäuden an der Bielefelder Straße in Herford der ideale Standort sei, um alle Betriebsbereiche zeitnah an einer Stelle zu bündeln. Diese Möglichkeit habe es so in Löhne leider nicht gegeben.

Dominik Rose

Das Führungsteam der Löhner Großbäckerei mit den beiden Geschäftsführern Karsten Krüger (von links) und Simone Böhne sowie Bernhard Artz, Ina Hanhus, Frank Könemann freut sich auf den neuen Standort. Foto: Karlchens Backstube

Am Mittwoch hatten Dr. Stella Ahlers sowie Simone Böhne und Karsten Krüger, die beiden Geschäftsführer von Karlchens Backstube, in Herford über den Verkauf der Hallen und die Umzugspläne informiert. Details zum Verkaufspreis oder zum Investitionsvolumen wurden aber auch am Donnerstag noch nicht genannt.

Bürgermeister Bernd Poggemöller sprach auf Nachfrage von einem „bedauerlichen Abgang eines Löhner Traditionsunternehmens“, der leider aber verständlich sei. Karlchens Backstube habe in Herford ideale Bedingungen auf einem bereits passend bebauten Areal gefunden. Die Stadt Löhne habe vor und hinter den Kulissen alles versucht, um die Großbäckerei am Ort zu halten.

„Wenn es für ein Unternehmen, das expandieren will, so passt, dann müssen wir das einfach anerkennen“, sagte er weiter. Gleichwohl bedeute das für die Stadt Löhne den erheblichen Verlust von Arbeitsplätzen und von Gewerbesteuereinnahmen. „Wir haben aber stets das offene Wort geführt und sind vom Unternehmen auch über die Entscheidung informiert worden, ehe das Ganze öffentlich gemacht wurde“, berichtet der Bürgermeister.

„Für mich kam das Ganze völlig überraschend“, gesteht hingegen CDU-Ratsfraktionschef Horst-Martin Büttner. Aus Sicht der Großbäckerei sei die Entscheidung nachvollziehbar, aber für Löhne sei es ein großer Verlust. „Es stehen hier keine Flächen in dieser Größenordnung und zu marktgerechten Preisen zur Verfügung“, bedauert er.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Silke Glander-Wehmeier war „im ersten Moment perplex. Es ist schade für Löhne, aber aus Sicht des Unternehmens verständlich.“ Wolfgang Böhm, Fraktionschef der SPD, sagte, dass ihn die Nachricht nicht kalt erwischt habe. „Wir hatten, auch aufgrund guter Kontakte in das Unternehmen, im Vorfeld schon einiges gehört. Dennoch bedauern wir den Abschied, denn Karlchens Backstube ist ein wichtiger Arbeitgeber für und in Löhne.“

Ein Anbau am bisherigen Betriebssitz an der Oeynhausener Straße war nach Einschätzung des Unternehmens auch nach langer Planungszeit nicht umsetzbar. Die dafür eigentlich vorgesehene benachbarte und 8000 Quadratmeter große Fläche am Mahnerfeld war letztlich immer noch zu klein, um alles an einem Standort bündeln zu können.

Hinzu kam: „Durch eine lange Bauphase hätten wir eventuelle Qualitätsschwankungen in Kauf nehmen müssen, und auch die Mitarbeiterbelastungen wären zu hoch gewesen, weshalb wir uns dann für den Umzug in das bereits bestehende Gebäude von der Ahlers AG entschieden haben“, sagt Karsten Krüger.

In Herford gebe es ganz andere Möglichkeiten für das Unternehmen: „Auf 10.000 Quadratmetern haben wir nun alle Möglichkeiten“, erklärt Simone Böhne. Der Umzug erfolgt schrittweise ab Frühjahr, weil zunächst eine hochmoderne neue Produktion in Herford aufgebaut werden muss. Der abschließende Wechsel soll im Idealfall Ende September 2021 erfolgen.

Karlchens Backstube würde das Gebäude in Löhne inklusive Grundstück am liebsten komplett verkaufen. Auch Horst-Martin Büttner erhofft sich eine gute Lösung: „Der Standort ist sicherlich nicht der schlechteste“, findet der CDU-Fraktionsvorsitzende. Sein SPD-Pendant Wolfgang Böhm sieht das auch so: „Das ist ein Bereich, der hochinteressant ist.“

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