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Geschäfte beteiligen sich an Aktion „Wir machen auf_merksam“ – Portal „Herford handelt“ verdoppelt Klickzahlen

Der Einzelhandel steht auf

Herford (WB)

Der Einzelhandel ächzt unter dem Würgegriff des zweiten Lockdowns. Um auf die bedrohliche Situation aufmerksam zu machen, beteiligen sich Herforder Geschäfte an der bundesweiten Aktion „Wir machen auf_merksam“ – und hoffen, dass es ihnen viele gleich tun.

Bernd Bexte

Christine Wattler vom Modegeschäft „Patches“ an der Komturstraße macht bei der Aktion „Wir machen auf_merksam“ mit. Foto: Moritz Winde

Unter anderem machen Gerry Weber mit der Filiale am Alten Markt und die Mode-Bouique „Patches“ an der Komturstraße mit.

Auch wenn die Läden geschlossen bleiben, haben sie in ihren Schaufenstern Plakate aufgehängt, wollen mit Fotos und Aktionen in Sozialen Netzwerken Politik und Öffentlichkeit aufrütteln. „Unsere Freunde, Kollegen und wir sind am Ende unserer Möglichkeiten. Die Läden werden sterben, die Innenstädte veröden. Liebe Regierungsmitglieder, lasst uns öffnen oder entschädigt uns angemessen für die Verluste“, lautet die zentrale Botschaft der vom Inhaber eines Frankfurter Modelabels und einer bayerischen Marketingagentur ins Leben gerufenen Aktion.

„Das ist eine gute Sache, denn trotz vollmundiger Ankündigungen sind vom Staat versprochene Hilfen noch nicht in Sicht“, sagt Christine Wattler, die mit ihrem Mann unter dem Namen „Patches“ zwei Mode-Stores in Herford und Lemgo betreibt.

Für sie käme die sogenannte Überbrückungshilfe III in Frage. Damit werde aber nur ein Teil der Fixkosten gedeckt. „Andere Branchen, siehe Lufthansa oder Tui, werden ganz anders unterstützt. Das ist ungerecht“, sagt Wattler, die seit 2013 für ihre Kunden an der Komturstraße vor Ort ist.

„Ich habe volles Verständnis für diese Aktion“, sagt Arno Sebening, Geschäftsführer des Handelsverbandes Minden-Herford. Besonders der Textil-Einzelhandel sei vom Lockdown betroffen. „Die Frustration ist groß, gerade wegen der Ungleichbehandlung.“ Der Online-Handel sei für viele ein letzter Strohhalm.

„Klar, wir sind auch bei Facebook und Instagram aktiv“, sagt Wattler. Aber der daraus resultierende Umsatz sei minimal. „Das fällt eher unter Kundenpflege. Unsere Kundschaft will die Sachen anschauen, anprobieren und fühlen.“

Auch auf der von der städtischen Wirtschaftsförderung ins Leben gerufenen Online-Plattform „Herford handelt“ ist sie vertreten. „Das ist gut, weil dort ein zentraler Marktplatz ist, über den die Leute auf uns aufmerksam werden und auf unsere Facebook- oder Instagram-Seite kommen.“ Ein Ersatz für geöffnete Läden sei dies aber nicht.

„Herford handelt“, im Frühjahr entstanden, habe sich seit Beginn des zweiten Lockdowns im Dezember gut entwickelt. „Mittlerweile sind hier 172 heimische Dienstleister, Händler und Gastronomen vertreten“, sagt Lisa Kunert, Leiterin der städtischen Wirtschaftsförderung. Täglich würden 300 bis 400 Nutzer für mindestens drei Minuten reinschauen. Damit hätten sich die Zugriffe in den vergangenen Wochen verdoppelt. 80 Prozent der Nutzer kämen aus Herford.

Arno Sebening hält eine Online-Präsenz für unabdingbar. Deshalb bietet der Handelsverband kostenlose Schulungen an, in denen es Hilfestellungen für den Aufbau eines Internetauftritts gibt.

Zudem habe man einen Vertrag mit der Online-Plattform real.de abgeschlossen, auf der heimische Händler ihre Waren anbieten können. Die Initiatoren von „Wir machen auf_merksam“ distanzieren sich übrigens vehement von der Aktion „Wir machen auf“, deren Teilnehmer kommende Woche gegen Corona-Vorschriften verstoßen und ihre Geschäfte und Restaurants öffnen wollen.

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