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FGH-Pädagoge Ronald Scheibe-Hopmann

Der Lehrer, der seine Schüler zum Theater bringt

Herford (WB). Ronald Scheibe-Hopmann sei der Lehrer, der bei ihr das Feuer fürs Theater entfacht habe. Alexandra Althoff kennt viele Gründe, dem Pädagogen des Friedrichs-Gymnasiums zu danken. Immerhin führte sie der Weg, der unter ihm begann, bis ans Wiener Burgtheater.

Ronald Scheibe-Hopmann vor der Schule, in der er viele Jugendliche fürs Theater begeistert hat: Einige von ihnen entdeckten darin sogar ihre Berufung und machten Karriere. Foto: Hartmut Horstmann

Lehrer empfiehlt Zweigleisigkeit

Im September wird die 41-Jährige, die aus Bad Salzuflen stammt, in Wien stellvertretende künstlerische Direktorin (das HK berichtete). Zur gleichen Zeit wird auch der Österreicher Martin Kušej offiziell zum neuen Burgtheaterdirektor ernannt.

Eine herausragende Stellung an einem der renommiertesten Theater Europas: Der mittlerweile pensionierte Lehrer Ronald Scheibe-Hopmann verfolgt eine solche Entwicklung mit großer Zufriedenheit. Viele Schüler hat er in seiner Theaterarbeit für die Bühne begeistert, einige von ihnen sind beruflich am Theater gelandet. Zu nennen wären hier neben Alexandra Althoff unter anderem der Autor Martin Heckmanns sowie die Schauspieler Bernd-Christian Althoff, Christian Banzhaf und Nick Alexander Pasveer.

Doch Scheibe-Hopmann, mittlerweile 72 Jahre alt und immer noch schülertheateraktiv, weiß: »Es ist oft schwierig, vom Theater zu leben.« Daher betrachtet er die Euphorie, die er unter einigen Schülern ausgelöst hat, durchaus mit gemischten Gefühlen: »Ich empfehle immer, bei der Ausbildung zweigleisig zu fahren und nicht volles Risiko zu gehen.«

Seit 1981 leitet er an der Schule Theater-AGs oder entsprechende Literaturkurse. Für die Schüler sieht er in dem Bühnenengagement eine große Chance – und zwar jenseits aller Zensuren: »Es geht darum, das eigene kreative Potenzial zu entdecken und sich gemeinsam mit anderen weiterzuentwickeln.«

Christian Banzhaf

Zu vielen ehemaligen Schülern hat der in Bad Salzuflen lebende Pensionär noch Kontakt – unter anderem zu Christian Banzhaf, der am Friedrichs-Gymnasium regelmäßig Workshops leitet. Dabei ist Banzhaf dem Rat der Zweigleisigkeit erst später gefolgt. Erst begann er als Schauspieler, später machte er eine Ausbildung zum Arzt.

Eigentlich habe er damals nur testen wollen, ob er Talent habe, sagt der 47-Jährige über seinen professionellen Schauspieler-Start. Doch seine Bewerbung am Max-Reinhardt-Seminar war von Erfolg gekrönt. Nach der Ausbildung gewann er in Wien die Josef-Kainz-Medaille als bester Nachwuchsschauspieler.

Doch einen alten Berufswunsch – Mediziner zu werden – hat Banzhaf nie völlig vergessen. Als zweifacher Familienvater erschien ihm der Beruf zudem als krisensicherere Perspektive – so dass er heute als Arzt an der Berliner Charité arbeitet. Aber auch als Schauspieler bleibt er aktiv. Über seinen alten Lehrer und heutigen Freund Ronald Scheibe-Hopmann sagt Banzhaf: »Ich habe immer seine unfassbare Geduld bewundert und mich manchmal gefragt, wie er das ganze Chaos aushält.« Den Schülern habe Scheibe-Hopmann vermittelt, dass Theater ein Möglichkeitsraum sein könne, ein Ort der Freiheit.

Martin Heckmanns

Nach seiner Schulzeit hat Christian Banzhaf seinen Beitrag zu einem kleinen Kapitel der deutschen Theatergeschichte geleistet – so spielte er im ersten Stück von Martin Heckmanns die Solorolle. »Finnisch« heißt das Stück, mit dem der damals unbekannte Autor im Jahr 1998 den Kulturpreis des Kreises Herford gewann. Was folgte und bis heute folgt, ist eine Karriere als einer der meistgespielten deutschsprachigen Theaterautoren der Gegenwart.

Der 47-jährige Martin Heckmanns erinnert sich noch gut daran, wie er am Friedrichs-Gymnasium einst als Trauerweiden-Walter in der Dreigroschenoper eine kleine Rolle gespielt hat. Auf der Bühne habe er sich nicht sehr wohl gefühlt, räumt er ein: »Aber ich habe gemerkt, dass es mir liegen könnte, die Position des Autors einzunehmen.« Was er später ja auch tat.

Dass Theater etwas Besonderes sein könne, habe er bei Scheibe-Hopmann gelernt, betont sein früherer Schüler. Als Regisseur sei sein Lehrer regelrecht aufgeblüht, auch habe er den Schülern die Angst vor schwierigen Texten genommen: »Er hat uns Mut gemacht, kritische Fragen zu stellen und ein Gefühl für die eigenen Fähigkeiten zu bekommen.«

Alexandra Althoff

Zu den aufmerksamen Zuschauerinnen der Dreigroschenoper-Inszenierung am Friedrichs-Gymnasium zählte Alexandra Althoff. Christian Banzhaf als Mackie Messer sei der absolute Star gewesen, sagt die 41-Jährige. Im Jahr 1997 hat sie Abitur gemacht. Ein Studium und verschiedene Theaterstationen schlossen sich an – ihr erstes Engagement hatte sie als Dramaturgin am Schauspiel Köln. Als designierte Stellvertreterin am Burgtheater kommt Alexandra Althoff dem Theater-Olymp bereits in jungen Jahren sehr nahe.

Ronald Scheibe-Hopmann kann für sich in Anspruch nehmen, hier gewissermaßen olympische Starthilfe geleistet zu haben. Er habe eine Theater-Begeisterung in ihr entfacht, die sie so noch nicht gekannt habe, sagt Althoff. Und aus dieser jugendlichen Begeisterung ist die Leidenschaft geworden, mit der Alexandra Althoff heute ihren Beruf ausübt.

Nick Alexander Pasveer

Am Max-Reinhardt-Seminar in Wien traf sie als Dozentin auf Nick Alexander Pasveer (23), der in Wien einen der begehrten Plätze bekommen hat. Der junge Mann, in den Niederlanden geboren, war als Zwölfjähriger nach Deutschland gekommen und hat am Friedrichs-Gymnasium Abitur gemacht. In Borcherts »Draußen vor der Tür« brillierte er in Schülerzeiten als Kriegsheimkehrer Beckmann. »Scheibe-Hopmann gehörte zu den Leuten, die mir das Gehen beigebracht haben«, sagt er über den Einfluss des Pädagogen. Er habe bei den Schülern Sinnlichkeit ausgelöst und es verstanden, große Gedanken zu übersetzen und sie verständlich zu machen.

Wie Martin Heckmanns hebt auch Nick Alexander Pasveer den Theater-Mutmacher Ronald Scheibe-Hopmann hervor – der Erfolg seiner Schüler gibt ihm recht.

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