1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Herford
  6. >
  7. Der Schmerzensmaler aus Herford

  8. >

„Passion“: Weizenfeld zeigt Arbeiten in der Marienkirche – keine Führungen, keine Veranstaltungen

Der Schmerzensmaler aus Herford

Herford (WB)

Der Herforder Künstler Weizenfeld gilt nicht unbedingt als Botschafter des Frohsinns – eher als extrem kritischer Geist. Umso bemerkenswerter ist es, wenn er sagt: „Ich habe noch nie eine Ausstellung gehabt, die mich so angefasst hat wie die in der Marienkirche.“

Hartmut Horstmann

Der Künstler Weizenfeld inmitten der Bilder „Kleriker“ und „Chairs missing“: Bis zum 28. März sind die Arbeiten zu sehen – und zwar dienstags bis sonntags von 15 bis 17 Uhr. Ursprünglich sollten die Bilder bereits im vergangenen Jahr gezeigt werden – doch Corona verhinderte es damals. Jetzt knüpfen die Initiatoren um den Presbyter Günter Scheding an die Erfahrungen der Wandelkirche Ende 2020 an. Foto: Hartmut Horstmann

Es sei die schönste Galerie, in der er je Bilder gezeigt habe. Und seinem euphorischen Urteil ist zuzustimmen. Egal, ob man von einer Ausstellung spricht oder von Bildern in einer offenen Kirche: Weizenfelds Kunst kommt hervorragend zur Geltung, ohne zu versuchen, den religiösen Charakter eines Gotteshauses in den Hintergrund zu drängen.

Es gehöre zum Wesen eines Künstlers, dass er den Blick auf die Dinge verändere, sagt die Kuratorin Elke Brunegraf. Beim Betreten der Kirche fällt ein mit einem Kreuz bemaltes Laken sofort ins Auge, denn es hängt über dem Altar. Als Farbmaterial habe er Motorenöl genommen, erläutert der Künstler – aufgetragen auf Krankenhauspatientenstoff. Je nach Lichtsituation und Standort des Betrachters wirkt das Bild anders. Wenn das Gegenlicht besonders stark ist, verstärkt sich der transparente Charakter des Lakens.

Mit dem Kreuz sei es ähnlich wie mit dem Motorenöl, sagt die Pfarrerin Frauke Wagner: „Beides ist schwer zu entsorgen.“ Die ungewohnte Darstellung an diesem Ort sei auch ein Anlass zur Selbstreflexion.

Ein Kreuz aus Motorenöl auf einem Krankenhauslaken: Diese Arbeit dient als Blickfang der Ausstellung. Foto: Hartmut Horstmann

Passend zur Passionszeit trägt die Bilderschau den Titel „Passion“. 18 Arbeiten, einige waren noch nie öffentlich zu sehen, werden gezeigt. Es sei ein Spiegelbild dessen, was ihn seit mehr als 45 Jahren beschäftige, betont Weizenfeld. Passion habe mit Schmerz und Leidenschaft gleichermaßen zu tun. Beides kombiniere er in seiner Malerei.

Inspiriert von der Zeit, als sich der Herforder um Obdachlose gekümmert hat, sind die beiden Bilder „Tippelbrüder“. In der Marienkirchen-Hängung umrahmen sie den gekreuzigten Jesus. Die Kirche als Ort, in der die Außenseiter der Gesellschaft eine Heimat finden.

Ursprünglich sollte „Passion“ bereits im vergangenen Jahr gezeigt werden. Doch Corona verhinderte dies. Jetzt also bis zum 28. März ein neuer Anlauf unter den aktuell eingeschränkten Bedingungen. Die Kirche ist dienstags bis sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet.

Die Kirche als Heimat der Außenseiter: „Tippelbrüder“ heißen die beiden Arbeiten, die den gekreuzigten Jesus umrahmen. Foto: Hartmut Horstmann
Startseite