Löhner Automatenaufsteller und Komplize sollen Zigaretten und Wechselgeld erbeutet haben – Prozess im zweiten Anlauf

Der Trick mit Geldschein und Faden

Herford/Löhne (WB)

Mit der Materie kannte er sich aus, schließlich war er als Automatenaufsteller vom Fach: Ein 41 Jahre alter Löhner und sein Komplize (56) aus Bielefeld müssen sich am 28. Mai vor dem Landgericht Detmold verantworten, weil sie 150 Mal mit einem raffinierten Trick zahlreiche Zigarettenautomaten geplündert haben sollen – mehrfach auch in Herford.

Bernd Bexte

Dieser Zigarettenautomat an der Radewiger Straße ist von den Dieben viermal heimgesucht worden. Foto: Hartmut Horstmann

Eigentlich sollte ihnen bereits im Dezember der Prozess gemacht werden, wegen des damaligen Lockdowns wurde er aber verschoben.

Laut Anklage hatte sich das Duo ab November 2019 darauf spezialisiert, mit manipulierten Geldscheinen nicht nur die Zigaretten, sondern auch das Wechselgeld zu erbeuten. Ihre Masche: Sie sollen einen Zehn- oder 20-Euro-Schein zugeschnitten, diesen nach einem speziellen Muster gefaltet, dann einen Faden an ihm befestigt und in den Geldschlitz der Tabakautomaten eingeschoben haben. Dieser registrierte ein ordnungsgemäßes Zahlungsmittel und warf entsprechend die Zigaretten und das Wechselgeld aus. Anschließend zogen die Täter den Schein an dem Faden wieder aus dem Geldschlitz heraus, um ihn erneut zu verwenden.

Nach diesem Muster sollen die beiden Männer bis zu ihrer Festnahme Anfang 2020 in mehr als 150 Fällen Zigarettenautomaten in der Region entleert haben. Der Schaden (erbeutete Zigaretten und Wechselgeld) beläuft sich laut Anklage auf 12.000 Euro.

Selbst die Ermittler staunten über die Masche des Löhners, ein deutscher Staatsbürger, und seines mutmaßlichen Mittäters, ein Türke aus Bielefeld. Dieser Trick war selbst Betrugsexperten neu.

„Auch Taten in Herford werden ihnen zur Last gelegt“, erklärt Richter Dr. Wolfram Wormuth, Sprecher des Landgerichts Detmold. Unter anderem sollen sie vier Mal einen Zigarettenautomaten an der Radewiger Straße heimgesucht, dabei mal 20, mal 50, mal 70 Euro erbeutet haben.

Durch Handy-Überwachung und Observation war die Polizei den Männern auf die Schliche gekommen. Am 20. Januar vergangen Jahres waren sie festgenommen und in Untersuchungshaft geschickt, daraus Anfang Februar 2020 aber wieder entlassen worden. Sie hatten damals ein Teilgeständnis abgelegt.

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