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Prozess um mysteriösen Raub in Herford endet mit zwei Freisprüchen

Der Überfall des großen Unbekannten

Herford (WB). Bei einer Verurteilung hätte ihm eine mehrjährige Haftstrafe gedroht. Schließlich hatte Richterin Tanja Schwöppe-Funk gegen den 21 Jahre alten Intensivtäter erst vor wenigen Tagen wegen Diebstahls eines Langarm-Shirts für 9,99 Euro bei H&M eine elfmonatige Gefängnisstrafe verhängt. Entsprechend groß war die Erleichterung am Montag, als die Richterin den Herforder und einen 19-jährigen, strafrechtlich bislang unbescholtenen Mitangeklagten freisprach.

Bernd Bexte

In diesem Pfad, der von der Höckerstraße abzweigt (An der Bowerre), ist der 25-Jährige aus Hiddenhausen überfallen worden. Foto: Bexte

Denn nach Ansicht des Jugendschöffengerichts waren die beiden Freunde nicht für den Raubüberfall an einem späten Montagabend im September 2019 in einem Seitenpfad der Höckerstraße verantwortlich. Dabei war sich das Opfer, ein heute 25 Jahre alter Mann aus Hiddenhausen, absolut sicher, dass die jungen Männer ihn gemeinsam mit einem dritten Täter dort zusammengeschlagen und seines Handys beraubt hatten. Schließlich habe er einen von ihnen kurz zuvor an einer Shisha-Bar an der Berliner Straße getroffen und sei mit ihm zum späteren Tatort gegangen, wo zwei andere Männer hinzu gestoßen seien.

Kritik an Staatsanwaltschaft

So hatte er es zumindest gegenüber der Polizei angegeben. Aber die hatte damals schon Zweifel. Er habe auf die Beamten „einen befremdlichen Eindruck“ gemacht, Fragen nicht eindeutig beantwortet und keine zusammenhängende Tatbeschreibung geben können, heißt es im Protokoll. „Es ist schon sportlich, aufgrund solcher Aussagen eine Anklage zu erheben“, sagte Verteidiger Christian Thüner in Richtung Staatsanwaltschaft. Dass es den Überfall gab, ist aber unstrittig: Ein Zeuge hatte einen Teil des Geschehens aus dem Fenster beobachtet, ohne die Täter beschreiben zu können.

Auf Hinweis des Opfers hatte die Polizei die jetzt Angeklagten knapp drei Wochen nach der Tat festgenommen. Sie kannten den Hiddenhauser wegen einer Schlägerei wenige Wochen zuvor an der Diskothek X. Sie vermuteten vor Gericht, dass sich das vermeintliche Opfer für diese Auseinandersetzung mit der Anzeige haben revanchieren wollen. Am Tattag seien sie aber nicht vor Ort gewesen.

Bipolare Störung

Als Zeuge vor Gericht war sich der 25-Jährige dann auch gar nicht mehr sicher, ob es tatsächlich die Angeklagten waren, die auf ihn eingeschlagen und ihn beraubt hatten. Eigentlich sei der Dritte im Bunde, ein Unbekannter von großer Statur, der Haupttäter gewesen. Überhaupt fühle er sich seit der Schlägerei am X permanent bedroht und verfolgt. „Ich traue mich nicht mehr nach Herford.“ Er leide seit zehn Jahren an einer bipolaren Störung, sei manisch-depressiv und nehme entsprechende Medikamente. Eine vorsätzliche falsche Verdächtigung unterstellte das Gericht ihm deswegen nicht.

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