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Johanniskirche: Kirchturmspitze renoviert – Anbringung verzögert sich weiterhin

Der Weg zum Gold ist weit

Herford (WB). Erst war vom Weihnachtsfest 2016 die Rede, dann tauchte Pfingsten als neuer Termin auf. Doch noch immer muss die Johanniskirche ohne Kreuz samt Wetterhahn auskommen.

Hartmut Horstmann

Goldig: Dörte Holzmeier und Holger Menke vor der Kirchturmspitze, die seit zwei Monaten fertig in der Spengler-Werkstatt in Bad Salzuflen lagert. Vor etwa einem Jahr war die Spitze der Johanniskirche abgenommen worden. Deren goldene Zeiten waren vorbei, wie das kleine Foto zeigt. Foto: Moritz Winde

Wann die Zeit ohne Kirchturmspitze endet, vermag auch der Spengler Holger Menke nicht zu sagen. Zwar ist das neuvergoldete Kreuz seit Wochen fertig, doch gibt es Probleme mit der Sicherung. Um kein Risiko einzugehen, wird Menke den Kirchturm noch einmal mit einem Kran unter die Lupe nehmen: »Wir müssen noch eine Schablone für die Halterung anfertigen.«

Diese Halterung vergleicht der Experte mit einem Weihnachtsbaumständer. Mit einer Höhe von etwa 1,80 Metern wird sie zum einen die Kirchturmspitze halten, zum anderen wird die Halterung über den maroden Kaiserstiel gestülpt. Beim Kaiserstiel handelt es sich um die Spitze einer hölzernen Kirchturmkonstruktion. Weil daran Wasser geraten war, war die Abnahme des Kirchenkreuzes im August 2016 notwendig geworden.

Probleme auch bei der Jakobikirche

Die damals dort tätige Dachdeckerfirma hatte die Maße für die anzufertigende Schablone genommen. Die Daten seien der Firma Menke mitgeteilt worden, sagt Pfarrer Johannes Beer. Doch habe Herr Menke Bedenken, ob es mit den Maßen seine Richtigkeit habe. Da die Halterung aber hundertprozentig passen muss, um ein erneutes Eindringen des Wassers zu vermeiden, hat die Kirche der neuen Vermessung zugestimmt. »Lieber gründlich – auch wenn es so länger dauert«, so Pfarrer Beer.

In einer Höhe von 72 Metern vollziehen sich am Donnerstag die Messarbeiten. Das Anfertigen der Halterung dauere etwa drei Wochen, betont Spengler Menke. Dann folgt das Aufsetzen der Spitze, wenn ein Termin gefunden ist: »Dafür brauchen wir einen Tag.«

Um erneuten Problemen mit einer Schablone aus dem Weg zu gehen, waren die Spengler aus Bad Salzuflen im Fall der Jakobikirche (Radewig) bereits beim Abnehmen der Kirchturmspitze dabei. Als diese unten war, offenbarte sich jedoch eine andere Schwierigkeit. »Nach dem Sandstrahlen hat sich herausgestellt, dass der Stiel zu drei Vierteln durchgerissen war«, erklärt Holger Menke. Auch hier hätte nicht viel gefehlt – und die Kirchturmspitze wäre nach unten gestürzt.

Denkmalschützer müssen genehmigen

Um eine Stabilisierung der Konstruktion zu erreichen, bedarf es der Zustimmung der Denkmalschützer. Holger Menke: »Alles was mit dem Kreuz zu tun hat, muss von Münster aus genehmigt werden. Und wir warten noch auf eine Antwort.«

Fälle, in denen es zum Absturz der Kirchturmspitze kam, kennen die Experten zur Genüge. Dörte Holzmeier, bei der Arbeit für die Vergoldung der Kugeln und des Wetterhahnes zuständig, sagt: »Bei alten Gebäuden und Kirchen wechseln wir immer die Straßenseite.« Andererseits: Wenn das neue Kreuz erst einmal auf dem Dach ist, hat sich die Arbeit gelohnt – so bei der Laurentiuskirche in Bünde, deren Spitze Holzmeier ebenfalls vergoldet hat: »Da schaue ich bei Sonnenschein gerne hoch, weil das Blattgold so schön glänzt.«

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