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Diskussion mit Sprecher der Ditib-Gemeinde im Integrationsrat

Dialog noch ausbaufähig

Herford (WB/pjs). Das umstrittene Video mit paradierenden Kindern in Militäruniformen in der Ditib-Moschee ist nicht in Vergessenheit geraten – und bei der Verbesserung des Vertrauensverhältnisses zwischen Mitgliedern der muslimischen Gemeinde und der übrigen Herforder Öffentlichkeit gibt es offenbar noch viel Luft nach oben. Das wurde am Dienstag bei einer Aussprache im Integrationsrat deutlich, an der Gemeindesprecher Necati Aydin teilnahm.

Ein Theaterstück in der Herforder Ditib-Moschee mit Kindern in Militäruniformen war jetzt Anlass für eine Aussprache im Integrationsrat. Foto: Jan Gruhn

Integrationsrats-Vorsitzender: »Bürger sind verängstigt.«

Die Bilder der »Kindersoldaten« hätten viele erschüttert – nicht nur in Herford, berichtete Vorsitzender Dogan Karacan. Er selbst habe sehr wenig an Integration in der Ditib-Gemeinde festgestellt. Von angekündigten neuen Konzepten und Projekten sei nicht viel zu erkennen: »Integration hängt hier vor allem mit den Bürgern Herfords zusammen, mit gemeinsamen Aktivitäten und kulturellen Veranstaltungen. Sie hatten doch Zeit, etwas Neues umzusetzen – beispielsweise beim Hoeker-Fest.«

Ähnliche Vorführungen wie die mit den Kindern in Herford habe es leider auch in anderen deutschen Städten und in Österreich gegeben. Viele Bürger seien verängstigt, fragten sich immer noch: »Was macht die Ditib-Gemeinde?« Bedenken äußerte Karacan auch insoweit: »Die Imame kommen aus der Türkei, werden von Erdogan gesteuert.« Er hoffe, dass die Gemeinde die Chance nutze, Vertrauen zu gewinnen.

Ditib-Sprecher lädt zu Besuch in der Moscheegemeinde ein

Gemeindesprecher Necati Aydin betonte, die vom Herforder Ditib-Vorstand präsentierte Vorschlagsliste sei als erster Ansatz zu verstehen: »Sie soll ausgearbeitet und erweitert werden.« Er kündigte an: »Nach den Sommerferien werden wir alles mit Leben füllen und Konzepte vorlegen.« Dabei sei die Gemeinde aber auch auf Hilfe und Anregungen von außen angewiesen.

Er räumte ein, dass bei traditionell erzogenen Zuwanderern aus der Türkei noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten sei. Sichtlich genervt verneinte Aydin die Frage von Vural Ipek, ob die Gemeinde Busse zu Fahrten nach Münster organisiert habe, um die Wahlen in der Türkei zu unterstützen. Den Integrationsrat lud er abschließend zu einem Besuch der Moscheegemeinde ein.

Beigeordnete regt regelmäßige Gespräche an

»Manches ist nur sehr langfristig zu ändern und auch nicht durch eine Liste«, gab Gerd Büntzly zu bedenken: »Es geht hier vor allem um eine Geisteshaltung.« Beigeordnete Birgit Froese-Kindermann ist überzeugt, »dass ein ehrlicher Austausch innerhalb und außerhalb der Moschee, zwischen Herforder und Ditib-Mitgliedern, intensiviert werden muss«. Nötig seien regelmäßige Gespräche. Ditib nur zu Auftritten in der Öffentlichkeit zu bewegen, greife zu kurz: »Es muss eine gezielte, strukturierte Austauschkultur installiert werden.«

Andreas Rödel (SPD) will vor allem Demokratieverständnis stärken: »Wir erwarten eine vernünftige Zusammenarbeit auf Augenhöhe.« Wer in Deutschland lebe, müsse wissen, »dass Kinder in Miltärkleidung ein No-Go sind«. Angela Schmalhorst (Grüne) appellierte an die Gemeinde, die UN-Kinderrechtskonvention achten.

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