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Der Tiefpunkt ist überwunden, die Herforder Liberalen nehmen neuen Anlauf

Die FDP verlässt die Intensivstation

Herford (HK). Irgendwann kommt niemand mehr ans Pflegebett, weil alle nur noch mit einer Trauerkarte rechnen. Diese Phase hat die Herforder FDP genutzt, um wieder auf die Beine zu kommen.

Stephan Rechlin

FDP-Stadtverbands- und Fraktionsvorsitzender Günther Klempnauer freut sich, dass in seiner Partei nach den Selbstzerstörungsversuchen vor sieben Jahren wieder frischer Wind weht. Er möchte in Fraktionsstärke in den Rat einziehen. Foto: Stephan Rechlin

Nach dem Parteiaustritt der kompletten Ratsfraktion 2013 und dem Wahldesaster von 2014 gab niemand mehr einen Pfifferling auf die Liberalen in Herford und ihren Stadtverbandsvorsitzenden Günther Klempnauer (66). Mit einem motivierten Team junger, sachkundiger Bürger lavierte sich das einzig verbliebene Ratsmitglied Woche für Woche durch die Sitzungstermine der Legislaturperiode. Schon der hohe Stimmenanteil in seinem Wahlbezirk und der bedingungslose Rückhalt in seiner Partei, gegen alle persönliche Anfeindungen und öffentliche Kritik, hätten Zweifel am bevorstehenden Ende der Herforder FDP wecken müssen.

Dann wechselte Eckhart Klemens 2018 aus der SPD rüber zur FDP, die damit plötzlich wieder über eine Fraktion verfügte. Im aktuellen Wahlkampf verzichtet der in Herford lebende Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Stephen Paul darauf, Günther Klempnauers Team mehr als die anderen Orts- und Stadtverbände zu unterstützen – es ist nicht nötig. Ein enormer Vertrauensbeweis.

Vertrauensbeweis

Er ruht auf drei Säulen. Die FDP besetzt nicht nur sämtliche Wahlbezirke, sie nominiert darin zudem Kandidaten, die in den jeweiligen Wohnsiedlungen aufgewachsen und gut vernetzt sind. Klempnauer: „In einigen Bezirken rechne ich mit bis zu zehn Prozent der Stimmen, wenn alles gut läuft.“

Die konzentrierte Mitarbeit in Rat und Ausschüssen hat zu einem aus den Problemlagen der vergangenen Jahre gespeisten Wahlprogramm geführt. Ein Leitfaden für Familien in der Innenstadt, die Abschaffung der überflüssigen Baumschutzsatzung , ein ÖPNV-Konzept, das Bahnhof und Alten Markt integriert, zählen dazu. Auch zu den großen Stadtentwicklungsthemen meldet sich die FDP zu Wort. Ein OWL-Forum, soweit nach der Corona-Krise noch finanzierbar, wird nur am Standort Janup mitgetragen. Dort ziehe es mit einem attraktiven Programm nicht nur junge Fachkräfte an, es diene auch als Besuchermagnet in der Innenstadt. Deren Unterstützung sei seit Corona zu einer sozialen Herausforderung geworden.

Votum für Tim Kähler

Schließlich, Säule Nummer drei, unterstütze die FDP den SPD-Bürgermeisterkandidaten Tim Kähler, vom 3. September an auch auf Plakaten. Besser als er könne auch ein liberaler Bürgermeister die Stadt nicht mitreißen. Den Bildungscampus, die Stadtentwicklungsprojekte, das OWL-Forum (auf dem Janup) – all’ das trage die FDP in Herford mit.

Die Unterstützung Kählers habe aber auch noch eine seelische Komponente. In den Jahren des Überlebenskampfes auf der lokalpolitischen Intensivstation habe Klempnauer erfahren, auf wen man sich verlassen könne und von wem man verlassen werde: „Tim Kähler steht zu seinem Wort. Das ist entscheidend.“

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