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Conny Aust (63) hat sich jahrelang für Kinderwünsche in Herford eingesetzt

Die Spielplatz-Planerin sagt tschüs

Herford (WB). Unterschiedlicher hätte Conny Austs Auftrag im Bauamt nicht sein können: Auf der einen Seite kümmerte sie sich um die Friedhofsgebühren, auf der anderen um die Neugestaltung der Spielplätze. Das erste war ein Job, den es zu erledigen galt, in die zweite Aufgabe steckte sie dagegen all ihre Leidenschaft.

Moritz Winde

So kennt man sie, so mögen sie viele: Conny Aust hat großen Anteil daran, dass Herfords Spielplätze so schön sind. Hier steht sie auf dem Kletterturm im Kleinen Felde. Foto: Moritz Winde

Natürlich schlägt sie zum Abschieds-Interview – Ende September ist die 63-Jährige in Rente gegangen – einen Spielplatz vor. Treffpunkt ist das Abenteuer-Gelände im Kleinen Felde. „Ich muss erst einmal eine Runde Seilbahn fahren“, sagt die Frau mit dem einnehmenden Lächeln und dem rot-braunen Pferdeschwanz, steuert zielstrebig das baumelnde Stahlseil an und schwingt sich auf den Ledersitz. Der Rest ist pure Freude. Conny Aust hat sich ihren kindlichen Spieltrieb behalten – oder ihn wieder entdeckt. „Wenn man viel mit Kindern zusammen ist, bleibt man selbst jung.“

Es gibt wohl keine zweite Person, die sich in Herford so gut mit den Plätzen zum Toben für den Nachwuchs auskennt. Schließlich hat Conny Aust in den vergangenen zwölf Jahren 70 Prozent ihrer Arbeitszeit in die Modernisierung der Anlagen gesteckt. Wobei es inoffiziell sicher mehr Zeit gewesen sei, denn sie habe sich dieser Sache stets mit Hingabe gewidmet: „Da notiert man sich nicht jede Überstunde.“

Spielturm ist über zehn Meter hoch

Besonders wichtig, sagt die Ruheständlerin, sei ihr bei der Konzeption der Spielplätze der Kinderwille gewesen. „Deshalb fand ich es klasse, dass die Verwaltung daraus Beteiligungsprojekte gemacht hat.“ Das heißt: Wurde ein Areal erneuert – nach zehn Jahren sind die Geräte in der Regel abgenutzt – konnten sich die Mädchen und Jungen wünschen, worauf und womit sie in Zukunft Spaß haben wollten.

Das sei nicht nur eine frühe Form der Demokratie, sondern ein wesentlicher Bestandteil der Integration, findet die Ruheständlerin. „Auf dem Spielplatz kommen verschiedene Nationen zusammen. Anders aber als beim Sport, wo sich vieles ums Gewinnen dreht, geht es darum, dass Familien gemeinsam ein paar unbeschwerte Stunden verbringen können.“

Deshalb habe sie immer darauf Wert gelegt, dass etwas für jede Generation geboten werde – von 0 bis 99 Jahren sozusagen. Neben den Klassikern wie Schaukeln, Reckstangen und Sandkästen, die auf keinen Fall fehlen dürften, sagt Conny Aust, gebe es die Sonderwünsche: So ist zum Beispiel am Steilen Weg der höchste Turm Herfords entstanden.

Vier Millionen Euro in zehn Jahren investiert

Zwar sei der Bismarckturm fast doppelt so hoch, auf ihm könne man aber nicht so gut klettern. Am Kiefernweg wurde ein Drachenspielplatz gebaut und Auf dem Dreische gibt es einen Kraftsport-Parcours. In den vergangenen zehn Jahren sind fast vier Millionen Euro in die Modernisierung der 55 städtischen Spielplätze geflossen.

Nicht alle Vorstellungen der kleinen Architekten konnten berücksichtigt werden. Eine Achterbahn hat es ebenso nicht ins Ziel geschafft wie eine Disco. Und auch Wünsche mit Wasser sind unerfüllbar. „Erstens weil es  zu gefährlich ist und zweitens sind die Folgekosten zu hoch“, sagt Conny Aust. Denn auf öffentlichen Plätzen müssen klare Reglen eingehalten werden. Doch es gibt vermutlich keine Vorschrift, die die 63-Jährige nicht kennt – Erfahrung macht eben klug.

Conny Aust ist quasi ein Kind der Verwaltung. 1979 begann sie ihre Karriere bei der Stadt Herford, durchlief verschiedene Posten in Ausländer-, Sozial, Jugend- und Bauamt. Nichts habe ihr aber so viel Erfüllung gebracht wie die Spielplatz-Planungen, die nicht immer alle gut gefunden hätten. „Irgendwer meckert doch immer.“

Das Leuchten in den Augen der Kinder, als deren Anwältin sie sich ein Stück weit sah, habe auch in ihr eine Begeisterung geweckt, die bis heute angehalten habe. Auf Spielplätzen wird sich Conny Aust auch in Zukunft tummeln. Dann aber als Oma mit ihren beiden Enkeln.

Eine Fahrt auf der Seilbahn darf nicht fehlen, findet Conny Aust. Foto: Moritz Winde
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