Mehrere hundert Palästinenser und Sympathisanten bei Mahnwache am Rathaus – Kritik an deutschen Medien

„Die zionistische Politik ist schuld“

Herford (WB)

Die Stimmung ist hochemotional, zeitweilig aufgeheizt. Verzweiflung und Wut schwingen in den Redebeiträge mit, auch wenn Außenstehende, die des Arabischen nicht mächtig sind, sie nicht immer verstehen können.

Bernd Bexte

Hunderte Palästinenser sowie Sympathisanten aus anderen arabischen und muslimisch geprägten Ländern sind auf den Rathausplatz gekommen. Die Veranstalter weisen immer wieder darauf hin, Abstand zu halten. Foto: Bexte

Hunderte Palästinenser aus der Region kommen am Sonntag vor dem Rathaus zusammen, um auf die Lage in ihrer Heimat aufmerksam machen zu wollen, die seit Tagen vom gegenseitigen Beschuss der israelischen und palästinensischen Seite erschüttert wird.

Für die Anwesenden ist klar, dass Israel der Aggressor ist, grundlos Kinder, Frauen und Männer töte. Jahrzehntelange Demütigung, Unterdrückung und Vertreibung zwecks Siedlungsbau hätten nun zur Reaktion aus dem Gaza-Streifen geführt. „Darüber berichten die deutschen Medien aber nicht richtig. Wir kennen die Wahrheit“, sagt ein Redner. „Schaut Euch auch die andere Seite an“, appelliert er an die deutsche Öffentlichkeit, die allerdings spärlich vertreten ist. Man habe nichts gegen Juden, betonen mehrere Redner, meist junge Männer. „Es ist die zionistische Politik, die schuld ist.“

Und immer wieder ertönt lautstark „Allahu akbar“ (Gott ist am größten) über den Platz, auf den die Organisatoren zwecks Corona-Abstand zuvor Kreidekreuze als Standmarkierung auf das Kopfsteinpflaster gemalt haben. Das islamische Zentrum Herford hat die Kundgebung angemeldet. Yousef Taha, in Herford geborener Deutscher palästinensischer Herkunft, ist dessen Sprecher. „Die Haltung der deutschen Politik ist einseitig auf Seiten Israels“, kritisiert er vor allem CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet. Zu den Raketen der Hamas äußert er sich auf Nachfrage nicht näher. Nur so viel: „Jedes Volk hat das Recht auf Widerstand.“

Am Ende bedankt sich Taha über Lautsprecher bei Polizei und Ordnungsamt.

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