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Caroline Koch (45) verleiht ausgedientem Inventar neues Outfit

Diese Frau rettet alte Möbel vor dem Müll

Herford (WB). Die Anrichte heißt Mathilde, das Schränkchen trägt den Namen Ole und der Sessel wird Wilboar genannt: Caroline Koch verhilft alten, oft ungeliebten Möbeln zu neuem Leben – inklusive Taufe.

Moritz Winde

In der »Alten Schlachterei« an der Elverdisser Straße hat Caroline Koch ihre Werkstatt samt Ausstellungsfläche bezogen. Hier arbeitet sie alte Möbel wieder auf. Foto: Moritz Winde

Echtholz statt Presspappe

Die Herforderin hat sich darauf spezialisiert, Einrichtungsgegenstände aus

vergangenen Jahrzehnten aufzupolieren. Die oft großartige Qualität des Inventars alter Generationen – Echtholz statt Presspappe – und ihr Redesign machen die Möbel zu individuellen Lieblingsstücken. »Ikea kann ja jeder«, sagt die 45-Jährige, die vor kurzem in der »Alten Schlachterei« an der Elverdisser Straße 4 ihre Werkstatt samt Ausstellungsfläche bezogen hat. Am Samstag wird dort von 14 bis 18 Uhr Eröffnung gefeiert, anschließend ist immer samstags von 15 bis

18 Uhr geöffnet.

Caroline Koch hat Raumausstatterin gelernt, nach der Lehre studiert und zuletzt als Mediengestalterin gearbeitet. Doch der Job vor dem PC sei ihr auf Dauer zu langweilig geworden, das Handwerk habe sie nie losgelassen. »Ich wollte unbedingt wieder etwas mit meinen Händen erschaffen«, sagt sie. Also gab sie den sicheren Arbeitsplatz auf und wagte den riskanten Sprung in die Selbstständigkeit.

Aufwändige Aufarbeitung

Was treibt die zweifache, alleinerziehende Mutter an? »Ich habe es auch privat immer vorgezogen, Vorhandenes zu erhalten und aufzuarbeiten, statt sich von der Stange einzurichten. Individuell, aus ökologischer Verantwortung und aus Respekt vor unseren Großeltern, die diese Möbel von ihrem ersten selbst verdienten Geld gekauft oder lange darauf gespart haben, vor den Schreinern, die sie mit viel Liebe und Herzblut gebaut haben und vor all den Geschichten, an denen sie teilhatten.«

Alte Möbel gebe es reichlich – teilweise sogar umsonst. Caroline Koch findet sie im Internet und bei Haushaltsauflösungen. Und rettet sie oft vor der Müllkippe. »Kunden kommen aber auch selbst auf mich zu – und sind dann ziemlich überrascht, welches Schätzchen sie jahrelang im Keller stehen hatten, das sich nach einer Kur in der Alten Schlachterei zum echten Hingucker verwandelt hat.«

Die oft aufwändige und meist tagelange Aufarbeitung der Möbel hat sich die 45-Jährige selbst beigebracht. Tipps gibt es immer wieder von einem befreundeten Tischlermeister. Und natürlich kommt ihr die Ausbildung zur Raumausstatterin zugute. »Ich bin glücklich, jetzt tun zu können, was mir Spaß macht«, sagt Caroline Koch.

Doch Spaß allein reicht nicht. Die Herfordern hofft, dass ihre Arbeiten bei den Leuten auf Interesse stoßen und gekauft werden. Auch wenn sie sicher etwas traurig sein werde, wenn Mathilde, Ole, Wilboar und all die anderen einen neuen Besitzer finden.

Passt: Caroline Koch hängt einen Spiegel in knalligem Pink auf – darunter steht die passende Kommode. Foto: Moritz Winde
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