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Prozess gegen HudL-Blockierer: 60 Antifaschisten beteiligen sich an Kundgebung – großes Polizeiaufgebot – mit Video

Diesmal bleibt alles friedlich

Herford (WB). Riesen-Andrang vor dem Herforder Amtsgericht am Mittwoch Morgen: »Machen Sie doch mal den Bürgersteig frei!«, fordert ein Beamter der Bielefelder Hundertschaft die Wartenden auf. Ansonsten haben Demonstranten und Polizei wenig Berührungspunkte.

Moritz Winde

Judith (19) hat die Kundgebung der linksautonomen Szene vor dem Amtsgericht organisiert. Foto: Moritz Winde

Beide Seiten beäugen sich von Weitem. Die gute Nachricht: Es bleibt alles friedlich, Ausschreitungen gibt es nicht. Diesmal wollen die Behörden vorbereitet sein. Etwa 50 Uniformierte haben sich frühzeitig vor dem Gericht postiert, Streifenwagen stehen in Seitenstraßen.

Die Schlange vor den Einlasskontrollen reicht fast bis auf den zweispurigen Innenstadt-Ring. Es ist erstaunlich ruhig. Kein Gepfeife, kein Gejohle, keine Anti-AfD-Sprechchöre: Die überwiegend jungen Leute tuscheln miteinander, ziehen an ihren Zigaretten, nippen an ihrem Kaffee – oder schweigen. Es herrscht eine gewisse Anspannung. »Ich hoffe auf ein paar Sozialstunden oder ne kleine Geldstrafe«, sagt ein Mann mit Blick auf den Ausgang des Verfahrens.

Kritik am Vorgehen von Stadt und Polizei

 Kein Prozess wie der gegen den HudL-Blockierer hat in den vergangenen Jahren für ein solch großes öffentliches Interesse gesorgt. Geschätzt etwa 60 Unterstützer aus dem linksautonomen Lager sind gekommen, um dem Angeklagten zur Seite zu stehen. »Wir wollen ihn nicht alleine lassen und gleichzeitig das Vorgehen von Stadt und Polizei kritisieren«, sagt Judith.

Die 19-jährige Studentin, die ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchte, hat die Kundgebung angemeldet und organisiert, die unter dem Titel »Solidarität ist der Schlüssel – gegen Repression und Nationalismus« läuft.

20 Minuten vor Prozessbeginn ist der Saal voll

Ein entsprechendes Banner hängt an einem kleinen Zelt, das die Protestler auf dem gesperrten Gerichts-Parkplatz aufgebaut haben. Aus einer kleinen Box dröhnt Rapmusik. Judith: »Wir wären gerne näher ans Haus rangerückt, doch das hat der Gerichtsdirektor mit Verweis aufs Hausrecht leider untersagt.«

Um 11.40 Uhr und damit 20 Minuten vor Prozessbeginn wird niemand mehr ins Justizgebäude gelassen. Saal 5 ist voll, alle 30 Stühle sind belegt. Hinknien oder auf den Boden setzen werde nicht toleriert, heißt es von der Behördenleitung. »Schade, dass es offenbar nicht möglich war, einen größeren Raum zu finden«, findet Judith. Im Januar steht der nächste von bislang vier angeklagten HudL-Blockierern vor Gericht. Dann werden sich Linksautonome und Polizei spätestens wiedersehen.

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