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Paar wird beim Diebstahl von Tabak erwischt – Anklage auch wegen Körperverletzung

Drogensüchtige rasten aus

Herford (WB). Drogen benebeln den Verstand. Einige Süchtige werden lethargisch, andere aggressiv. Ein heute 40-Jähriger rastete komplett aus. Als er im Sommer 2017 beim Diebstahl von Tabakwaren im Löhner Marktkauf erwischt und ins Büro geführt wird, eskaliert die Situation: Er wirft mit Drucker, Stühlen und Telefon um sich, verletzt eine Mitarbeiterin. Der Vorwurf: gefährliche Körperverletzung.

Bärbel Hillebrenner

Zwei Drogensüchtige, ein Mann und eine Frau, wurden beim Diebstahl von Tabakwaren erwischt – sie rasteten aus und mussten sich nun wegen Körperverletzung verantworten. Foto: dpa

Seine Begleiterin, die beim Tabakklauen mitmachte, wehrt sich mit Pfefferspray. Auch sie wird angeklagt. Beim Prozess am Freitag vor dem Herforder Amtsgericht kommen sie noch gerade mal glimpflich davon: 15 Monate auf Bewährung.

Beide haben Entzug hinter sich

Die beiden Angeklagten – der 40-Jährige und die 42-Jährige Herforderin – würdigen sich keines Blickes. Die Frau ist sichtlich nervös, sehr aufgeregt, sie redet viel. Er, mittlerweile in Cuxhaven lebend, ist das Gegenteil: ruhig, sagt nichts, überlässt das Reden seinem Anwalt. Man merkt ihm an: Er hat seine Drogensucht hinter sich. Eine monatelange Therapie hat ihn offenbar auf den richtigen Weg gebracht.

Die Angeklagte, süchtig seit dem 17. Lebensjahr, hat zwar mehrere Entzüge mitgemacht – ob sie geholfen haben? Da bestehen Zweifel. Eine Psychiaterin will nach einem Gespräch mit ihr keine genaue Prognose geben. Klar aber ist laut Ärztin: Beide Angeklagte seien zum Zeitpunkt der Körperverletzung wohl vermindert schuldfähig gewesen.

Streit an der Ampel

Acht Zeugen waren geladen: Der Detektiv aus dem Marktkauf hatte seinerzeit Schläge und den Angriff der Frau mit Pfefferspray erleiden müssen, eine Kollegin war von einem Stuhl getroffen worden. Zudem hatte der Süchtige einen Totschläger bei sich, einen verbotenen Schlagstock.

Weitere Zeugen wegen einer zusätzlichen, zweiten Anklage war ein Ehepaar aus Kirchlengern: Der Ehemann hatte – auch vor zwei Jahren – mit beiden Streit an einer Ampel. Weil er vorher wegen verkehrswidrigen Verhaltens der damals radelnden Angeklagten gehupt hatte, flippte der Drogenabhängige wieder aus. Er trat gegen das Auto, schlug den Fahrer – die Frau nutzte erneut ihr Pfefferspray.

Milderes Urteil als üblich

Friedlich scheinen beide nicht gewesen zu sein – heute wollen sie sich geändert haben. Immerhin haben beide einschlägige Erfahrungen mit dem Gericht, die Frau schon 23 Mal. Beide gaben über ihre Anwälte alle Vergehen zu, das kam ihnen beim Urteil zugute – das aufgrund der Geständnisse milder ausgefallen war als üblich.

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