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Wegen Schließung in Herford: Supermarkt-Mitarbeiterinnen gründen Unternehmen

Ein Bio-Markt in der neuen Markthalle

Herford (WB). So schnell kann’s gehen: Vor Kurzem stand die Arbeitslosigkeit im Raum, jetzt gehören sie zu den größten Mietern der neuen Markthalle. Sechs Mitarbeiterinnen des Bio-Marktes in der Radewig machen ihr eigenes Bio-Ding.

Moritz Winde

Noch ist die Markthalle eine Großbaustelle. Doch schon in drei Monaten soll das denkmalgeschützte Gebäude wieder eröffnet werden – und zwar mit erweiterten Öffnungszeiten und neuem Sortiment. Dann gehört auch ein Bio-Markt zum Angebot. Foto: Moritz Winde

Die Bio-Supermarkt-Kette in der Steinstraße schließt ihre Filiale zum 23. Februar. »Die Nachricht war ein Schock. Ich habe dort 15 Jahre gearbeitet«, sagt Nicole Beckmann. Doch statt lange Trübsal zu blasen, machte sich in der Belegschaft Tatendrang breit.

Die Idee, sich selbstständig zu machen, sei an der Theke entstanden, erzählt die 44-Jährige. »Ein Stammkunde meinte: ›Wo soll ich denn demnächst in der Innenstadt Bio-Produkte einkaufen, wenn ihr weg seid? Herford braucht Euch!«

Die ermutigenden Worte der Verbraucher hätten ihnen in dem Plan Rückenwind gegeben, in der City etwas Neues zu gründen, sagt Kollegin Sabine Langkamp (46). Erst sei über die Eröffnung eines eigenen Ladens in der Radewig nachgedacht worden. Als dann der Kontakt zu Markthallen-Managerin Silke Mittmann zustande kam, sei ein anderer Gedanke gewachsen: »Ein Bio-Markt in der renovierten Markthalle. Das wäre ein Traum.«

Es dauerte nicht lange und die Verträge waren unterzeichnet. Das Konzept der neuen Markthalle, den Verkauf regionaler Erzeugnisse mit Erlebnis-Gastronomie zu verbinden , hätte sie bestärkt, den Start-Up-Schritt zu wagen.

Käse-Kühltheke ist sieben Meter lang

Kommentar

Es klingt komisch, aber die Schließung des Super-Bio-Marktes war letzten Endes eine sehr glückliche Fügung – und zwar für alle. Die Mitarbeiterinnen können ihren Traum der Selbstständigkeit verwirklichen, Pro Herford kann einen großen Teil der Markthalle an erfahrene Einzelhandelskauffrauen vermieten und die Verbraucher können sich über eine weiterhin sehr gute Versorgung regionaler Bio-Produkte freuen. Oder wie es Wirtschaftsförderer Dieter Wulfmeyer sagt: »Alles passt.«Moritz Winde

Wenn die Halle – das denkmalgeschützte Gebäude wird derzeit für fünf Millionen Euro saniert – am 11. Mai wieder eröffnet, werden Sabine Langkamp und Nicole Beckmann sowie vier weitere Mitarbeiterinnen mit ihrem Geschäft »Bio Zeit« an den Start gehen. Im rechten Teil werden sie auf 85 Quadratmetern Obst und Gemüse von heimischen Erzeugern, Natur-Kosmetika, Getränke, Honig und Aufstriche anbieten, dazu Schokolade, Tee und glutenfreie Ware.

Sieben Meter lang ist die Kühltheke für Käse und Milchprodukte, vier Meter die Fleisch-Theke. Im Bistro wird es Frühstück und einen täglich wechselnden Mittagstisch geben. »Den typischen Bio-Kunden gibt es nicht mehr«, hat Sabine Langkamp beobachtet. »Unsere Angebote richten sich vielmehr an eine breite Zielgruppe.«

Die städtische Wirtschaftsförderung und die Stadtmarketing-Gesellschaft Pro Herford stehen den Unternehmerinnen hilfreich zur Seite. Schließlich gilt es, steuerrechtliche Fragen zu klären. Finanzierung, Lohnbuchhaltung oder Vertragswesen sind weitere Felder, die die Einzelhandelskauffrauen beackern müssen. Wirtschaftsförderer Dieter Wulfmeyer ist überzeugt: »Wir haben die Unternehmensgründung von Beginn an begleitet und freuen uns über das tolle Angebot in der neuen Markthalle.« Nach Angaben von Pro-Herford-Chef Frank Hölscher sind 80 Prozent der Fläche vermietet.

Auch Café Kleine kommt

Das Traditions-Café Kleine wird fester Bestandteil des gastronomischen Markthallen-Angebots. Konditormeister Heinz Kleine sagt, er sei von dem Konzept überzeugt. »Ich freue mich, mit dabei zu sein.« Um die dann gestiegenen höhere Nachfrage bedienen zu können, hat der 50-Jährige in einen neuen Produktionsraum investiert, der ausschließlich für die Herstellung von Pralinen und Schokoladenfiguren genutzt wird. Durch den gewonnenen Platz können Trüffelmassen nun unter Vakuum produziert werden. »Dadurch haben sie einen noch zarteren Schmelz.«

Auch die Westfälische Wildkammer Rahden wird in der Halle vertreten sein. Dagegen gibt die Fleischerei Nier aus Bad Salzuflen nach drei Jahren ihren Stand auf dem Wochenmarkt auf.

Konditormeister Heinz Kleine freut sich auf die Markthalle. Foto: Moritz Winde
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