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400 Jahre Elisabeth: Proben für Oratorium laufen – Premiere am 1. Juli

Eine Äbtissin und ihre Leidenschaften

Herford (WB). »Von den Leidenschaften der Seele. Die Geschichte der Tochter des Winterkönigs«: Dies ist der Titel eines Oratoriums, das am 1. Juli in der Marienkirche erstmals aufgeführt wird.

Gerd Büntzly

George Kochbeck (vorne) hat das Oratorium über Elisabeth von der Pfalz komponiert. In seinem Studio am Steinhuder Meer laufen derzeit die Proben. Zu einer Stellprobe haben sich die Beteiligten aber auch schon in der Marienkirche getroffen. Foto: Günter Scheding

Verantwortlich für die »szenische Biographie« über Elisabeth von der Pfalz (1618 – 1680) zeichnen George Kochbeck (Komposition) und Ecki Stieg (Erzähler).

Dialoge mit Descartes

Elisabeth war mit Herford verbunden durch ihre Zeit als Äbtissin (ab 1677). Anhand ihres 400. Geburtstages entsteht das Oratorium, das in der Marienkirche seine Uraufführung erlebt.

Im Mittelpunkt stehen Dialoge Elisabeths (als Sprechrolle verkörpert von Hannah Brunkhorst) mit René Descartes, dem einflussreichsten Philosophen ihrer Zeit, entnommen dem Briefwechsel der beiden. Für die Aufführung hat der Philosophie-Experte Michael Girke die Dialoge zusammengestellt. Elisabeth als Kind wird von Ennie Kochbeck, der Tochter des Komponisten, gespielt. Elisabeths Vater war Friedrich, der unglückliche »Winterkönig«, der nur einen Winter lang König von Böhmen sein durfte.

Musikalisches Crossover

Der 30-jährige Krieg spielt eine wesentliche Rolle. Elisabeth war Zeitgenossin der Königin Christina von Schweden, die zur katholischen Seite überwechselte; aber ob sich die beiden Frauen begegnet sind, ist nicht sicher. Die musikalische Herangehensweise Kochbecks an historische Themen ist aus seinen Projekten der »musikalischen Zeitreise« zum 500. Jahrestag der Reformation oder zu 400 Jahren der Stadtkirche Bückeburg bekannt: Eine Collage aus eigenen Filmmusiken, die auf alten Instrumenten wiedergegeben und mit populärer Musik der heutigen Zeit konfrontiert werden.

In seiner Projektbeschreibung sagt Kochbeck: »Mit dem 20-köpfigen Ensemble wird ein klanglicher Fokus auf die generalbass-orientierte Musik des 17. Jahrhunderts gelegt. Laute, Gambe und Barockgitarre bestimmen das kammermusikalische Klangbild, das zugleich harmonisch neuzeitlich arrangiert ist und in dieser Form ein musikalisches Crossover erzeugt, das es bislang so nicht gab; über weite Strecken hoch emotional, etwas düster, melancholisch und dabei aufwühlend.«

Felicitas Brest ist Elisabeth

Als Gesangs-Darstellerin der Elisabeth hat Kochbeck Felicitas Brest gewonnen, Axel Feige verkörpert die Rolle von Descartes.

Einstudiert wird das Stück im Studio von George Kochbeck am Steinhuder Meer. In Herford haben sich die Beteiligten zu einer ersten Stellprobe getroffen. In der Marienkirche probierten sie die räumlichen und akustischen Verhältnisse aus.

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