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Nordwestdeutsche Philharmonie bei Konzert-Comeback in Herford von ihren Abonnenten gefeiert

Eine lang ersehnte Begegnung

Herford (WB). Noch nicht einmal ein Jahr ist es her, dass die Nordwestdeutsche Philharmonie unter Frank Beermann den „Ring des Nibelungen“ zelebriert und damit das „Wagner-Wunder von Minden“ erst ermöglicht hat. Dann kam der Lockdown, der dem Musikliebhaber monatelang ein überreiches digitales Angebot bescherte. Aber: Das alles kann das Live-Erleben von Konzert und Oper nicht ersetzen. Doch dieses Format im ursprünglichen Sinne wird wohl noch eine Weile Wunschdenken bleiben.

Andrea Schwager

Dirigent Frank Beermann. Foto: Christian Becker

Die Instrumentalisten der Nordwestdeutschen Philharmonie haben die Zeit der Perspektivlosigkeit genutzt, sie haben Lernvideos zu den Instrumenten erstellt und immer wieder ihre Hauskonzerte online gestellt. Wie sehr sich Musiker und Publikum die unmittelbare Kommunikation wünschten, war beim Konzert-Comeback im Schützenhof von Anfang an zu spüren.

„Wir sind wieder da“

Dirigent Frank Beermann, seit langem der NWD verbunden, begrüßt das Publikum mit „Wir sind wieder da“. Nach fünf Monaten ist es der erste gemeinsame Konzertabend des Orchesters – gleichzeitig ist es der Einstand der neuen NWD-Mitglieder Arata Yumi (Violine, Konzertmeister), Jovan Pantelic (Violoncello) und Andrey Kalaschnikow (Kontrabass).

Der Besuch ist den Abonnenten vorbehalten: Der Saal ist aufgrund der Abstandsregeln locker besetzt. Das Orchester in reduzierter Besetzung sitzt weit vorn und weit auseinander, zum Teil an Einzelpulten, die Bläser sogar abgeschirmt durch Plexiglasscheiben. Aber: Wie eng ist doch die Beziehung zwischen diesem Publikum und seinem Orchester!

Es gibt Werke der „Wiener Klassik“ von Mozart und Beethoven, die an der Schwelle zum bürgerlichen Zeitalter stehen und den Geist der revolutionären Ideen der Zeit atmen. Gleichzeitig sind es bekannte Repertoire-Stücke, in denen die Instrumentalisten zum einen zupacken, zum anderen aber auch sensibel zu gestalten haben. Die Jupiter-Sinfonie mit Mozarts Klangsprache besticht durch ihre emotionale Tiefe auf engstem Raum: Der erste Satz enthält eine Menge Einfälle, besonders die Holzbläser können hier ihre immensen solistischen Qualitäten zeigen.

Publikum zeigt sich hoch erfreut

Wie eng bei Mozart Glückseligkeit und Schmerz beieinander liegen, zeigt sich im zweiten Satz, in dem die Mollepisoden die Idylle immer wieder harsch durchbrechen. Das Publikum zeigt sich hoch erfreut über die meisterhafte Darbietung – Erleichterung und Dankbarkeit auf beiden Seiten.

In Beethovens siebter Symphonie ist das Prinzip der Tonwiederholung formbildend eingesetzt. – schon in der langen langsamen Einleitung zum ersten Satz. Besonders klangschön ertönt der zweite Satz, eigentlich ein Trauermarsch, der durch seine Dur-Variationen aufgehellt wird. Man wagt kaum zu atmen, so wunderbar gelingt das Pianissimo.

Im letzten Satz zeigt sich Beethovens kraftvolle, so oft polternde Freude, die nicht zum Ende kommen will. Frank Beermann gibt ihr mit großer Geste Schwung. Das Publikum kann sich kaum auf den Sitzen halten und belohnt Orchester und Dirigenten mit donnerndem Applaus. Auf das nächste Konzert mit Werken von Haydn und Mendelssohn Bartholdy und überhaupt die Konzertreihe darf man sich nach so langer Zeit der „kulturellen Diät“ freuen!

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