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Als Tom Fronza vor dem Präsidentenpalast ein kleines Ständchen gab

„Eisgekühlter Lukaschenko“

Herford (WB). Der weißrussische Präsident Lukaschenko lässt sich im Helikopter zu seinem Palast fliegen – in den Händen hält er eine Kalaschnikow. Wenn der Musiker Tom Fronza derartige Bilder sieht, fällt ihm sein ungewöhnlichstes Kurzkonzert ein – zu nächtlicher Stunde spontan vor dem Präsidentenpalast.

Hartmut Horstmann

Die Straßenmusikerlegende Klaus der Geiger bei einem Benefizkonzert im Garten von Tom Fronza (rechts): Die Musiker unternahmen im Jahr 2000 eine Tour durch Weißrussland – dabei entstand die Formation Ruki Werch. Foto: Hartmut Horstmann

Den Text nicht verstanden

Die Zeitreise führt zurück ins Jahr 2000. Tom Fronza war gerade nach Köln gezogen, wo er den Straßenmusiker Klaus den Geiger kennenlernte. Mit einem weiteren Musiker unternahmen sie im Mai eine vom Goethe-Institut unterstützte Tournee durch Weißrussland. Auch um die Gastfreundlichkeit der Menschen nicht zu enttäuschen, floss der eine oder andere Tropfen Alkohol.

Irgendwann am späten Abend habe sie ein Begleiter am Palast des Präsidenten in Minsk vorbeigeführt, sagt Fronza, der damals 30 Jahre alt war: „Da haben wir spontan ein Ständchen gegeben.“ Als Vorlage diente ein Lied der Toten Hosen, dessen neuer Titel hieß: „Eisgekühlter Lukaschenko.“

An die Wachen auf der anderen Straßenseite kann sich Tom Fronza noch gut erinnern: „Sie standen da mit ihren Gewehren und haben komisch geschaut.“ Der Musiker, der seit 2009 in Herford lebt, ist sich sicher, dass die Wachhabenden das Lied gehört haben. Anstalten, das Trio festzunehmen, habe niemand gemacht. Aber sie hätten den Text sicherlich nicht verstanden: „In russischer Sprache hätte ich das Lied bestimmt nicht angestimmt.“

„Tschüss Lukaschenko?“

Zehn Tage dauerte die Tournee . Und Fronza ist seitdem nicht mehr in Weißrussland gewesen: „Ich weiß noch, dass es auch damals schon nicht leicht war, in das Land reinzukommen.“ Einige Kontakte knüpfte der 50-Jährige damals. Doch auch die hätten das Land inzwischen verlassen.

In regelmäßigem Austausch über das Geschehen in Weißrussland steht Fronza mit einem befreundeten Maler. Auch bei Facebook kommentiert der Herforder, der jüngst Klaus den Geiger zu einem Gartenkonzert eingeladen hatte, Ereignisse aus Weißrussland. So schrieb er am 16. August : „Das Ende einer Diktatur würde dem Jahr 2020 ganz gut stehen. Tschüss Lukaschenko?“

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