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Lernen auf Distanz: Die erste Woche nach den Ferien hat Schulen vor viele neue Hürden gestellt

Eltern verbieten Videounterricht

Herford

Da können das Tablet noch so neu, das Wlan noch so gut und der Lernstoff noch so digital sein – wenn Eltern ihren Kindern die Teilnahme an den Videokonferenzen ihrer Schulklasse verbieten, bleibt am Ende nur das Telefon.

Stephan Rechlin

Foto: Caroline Seidel

Das war eine der Hürden, die Rektorin und Kollegium der Obering-Grundschule in dieser Woche zu überwinden hatten. Dank eingeübter Praxis seien „Lernpakete“ gut geschützt in Zeitschleusen an Eltern verteilt worden. „Analog. In Papierform. In der Schule“, teilt Obering-Rektorin Annette Sliwinski mit. Damit lagen Lerngrundlagen und Wochenplan schon mal in allen Familien vor, auch wenn das Internet mal ausfallen sollte. Neu hinzu sei diesmal die Ausleihe von Tablets gekommen - gegen Anmeldung und Registrierung.

Hohen Arbeitsaufwand verursachte die persönliche Ablieferung der Lernunterlagen an Haushalte, die irgendwie keinen einzigen der angebotenen Abholtermine nutzen konnten: „Da sind meine Kollegen dann rausgefahren.“ Absolute Volltreffer seien das Internetportal „Meetzi“ und die digitale Pinnwand „Padlet“, die vom ersten Tag an reibungslos liefen: „Wir haben auch Eltern, deren ältere Kinder weiterführende Schulen besuchen. Die haben nur gestaunt.“

Karsten Heumann und Frank Braksiek, Rektoren an der Otto-Hahn-Realschule und der Gesamtschule Friedenstal, bestätigen: „Die erste Woche Distanzunterricht nach den Ferien war schwierig, extrem schwierig.“ Logineo, die Lernplattform des Landes, sei erst gar nicht gestartet; Iserv sei immer wieder „abgeschmiert“; Sdui, die von beiden Schulen bevorzugte Plattform, sei nur zu ganz speziellen Randzeiten erreichbar gewesen: „Am späten Abend und kurz vor sieben am Morgen,“ sagt Frank Braksiek.

Die Klassenlehrer seien es daraufhin klassisch angegangen: „Sie verschickten die ersten Aufgaben via Email. Auf diese Weise wurden die bearbeiteten Aufgaben auch wieder zurückgeschickt.“

Auch dabei seien neue, unerwartete Probleme aufgetreten. Karsten Heumann: „Erstaunlich viele Haushalte haben gar keinen Festnetz- mit Wlan-Anschluss mehr. Da läuft alles nur noch über das Smartphone.“ Bei ein, zwei Grafiken oder Fotos in den Dokumenten sei das Datenvolumen in diesen Fällen schnell verbraucht.

Falls es gar keine Rückmeldungen der Schüler gebe, riefen die Lehrer zu Hause an. Notfalls werde auch rausgefahren. Braksiek: „Dabei unterstützen uns unsere Sozialpädagogen.“

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