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Katholische Kirche sagt ebenfalls sämtliche Gottesdienste bis zum 3. Januar ab

„Entscheidung gegen mein Gewissen“

Herford

Die katholische Kirche im Kreis Herford sagt ebenfalls sämtliche zu Heilig Abend und über Weihnachten geplanten Gottesdienste ab. Die zehn Gemeinden des Pastoralverbundes Wittekindskand folgen damit der Entscheidung der evangelischen Kirche, die diesen Schritt bereits in der vergangenen Woche verkündet hat.

Stephan Rechlin

Pfarrer Gerald Haringhaus, Leiter des Pastoralverbundes. Foto:

Bis zum 3. Januar werden keine Messen gefeiert, ausgenommen Begräbnisfeiern. Pfarrer Gerald Haringhaus, Leiter des Pastoralverbundes, fügt sich dem öffentlich erzeugten Druck, übt auf der Homepage des Pastoralen Verbundes aber auch Kritik an dieser Haltung: „Ich gehe davon aus, dass das Stattfinden oder Nichtstattfinden katholischer Gottesdienste keinen Einfluss auf die Infektionszahlen in unserem Pastoralen Raum haben wird.“

Allerdings stehe die Ankündigung im Raum, Gottesdienste im Kreis Herford zu verbieten. Den Verantwortlichen sei sicherlich bewusst, dass bei absehbaren Entwicklungen innerhalb der nächsten Tage eine solche Ankündigung nicht rechtskräftig umgesetzt werden könne. Es sei also der Versuch, vor Weihnachten öffentlich Druck auf die Religionsgemeinschaften auszuüben. Haringhaus: „Leider konnte ich in der veröffentlichten Meinung auch an anderer Stelle nicht wahrnehmen, dass es sich beim Verzicht auf Gottesdienste um eine Güterabwägung handelt.“ Gesundheitsschutz habe für alle ein großes Gewicht. Die Religionsausübung nicht. Gottesdienst habe keine Lobby. Haringhaus: „Ich möchte unseren Gemeinden, ihren Mitarbeitern und Mitgliedern aber weitere Unsicherheiten und weiteren Druck ersparen. Es soll sich niemand für oder gegen einen Gottesdienstbesuch an Weihnachten entscheiden müssen, wenn er dies dann auch noch unter subjektiv rechtlich unklaren Bedingungen tun muss.“

Persönlich entscheide er sich damit gegen sein Gewissen. Die gern gebrauchten, rechtfertigenden Adjektive „mutig“ oder „vernünftig“ im Zusammenhang mit der Absage von Gottesdiensten könne er also nicht für sich in Anspruch nehmen und bitte nur alle, die durch diese Entscheidung in Mitleidenschaft gezogen worden seien, um Entschuldigung.

Landrat Jürgen Müller hebt in einer Stellungnahme am Dienstag dagegen das Vorbild der evangelischen Kirche hervor: „Sie hat sehr verantwortungsbewusst auf Präsenz-Gottesdienste verzichtet. Und ich weiß, dass es der evangelischen Kirche sehr, sehr schwer gefallen ist.“

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