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Gebürtiger Herforder Erik Schmidt zeigt Kunst und hofft auf die Politik

Er hat die Haare schön

Herford (WB)

Der aus Herford stammende Maler Erik Schmidt schaut mit Spannung auf den Corona-Gipfel. Denn dieser entscheidet auch über seine neue Ausstellung in Berlin. Diese wird am 9. März eröffnet – die Frage lautet allerdings: Wie?

Hartmut Horstmann

„I love my hair“: Der Film mit dem Künstler lässt an einen satirischen Beitrag zum Thema „Corona und das Fehlen der Friseure“ denken. Aber das Video stammt von 1997. Foto: Erik Schmidt

„Ongoing Schmidt Pick“ heißt die Präsentation, bei der der 52-Jährige nicht nur eigene Arbeiten, sondern auch die anderer Kunstschaffender präsentiert. Ausstellungsort ist die Galerie Carlier/Gebauer – doch dann beginnen auch schon die Fragezeichen.

Sollte auf politischer Ebene festgezurrt werden, dass Mitte des Monats eine Öffnung der Galerien möglich wird, planen die Initiatoren für Dienstag einen kleinen Aufschlag. „Ein paar Arbeiten werden dann online zu sehen sein“, kündigt Erik Schmidt an. Der Akzent liege dann aber auf dem realen Kontakt. Falls eine Öffnung nicht in Aussicht gestellt wird, wird von Anfang an mehr ins Netz gestellt.

Seine eigene Erwartung an den Corona-Gipfel reduziert Schmidt auf zwei Worte: „Ganz unten.“ Das Maximale, was er zu wünschen hoffe, sei: „Dass ich einen realen Menschen in die Galerie lassen kann.“ Mehrere 100 Quadratmeter umfasst die Ausstellungsfläche – da gibt es laut Schmidt genügend Raum, Sicherheitsabstände einzuhalten.

Zwei Ausstellungen sind dem Wahl-Berliner im Laufe eines Jahres geplatzt. Doch trotz der vielen Probleme, die Solo-Selbstständige gerade haben, will der 52-Jährige nicht jammern. Seine finanzielle Situation sei nicht schlecht, er sehe sich nicht als Opfer: „Ich kann jeden Tag in meinem Atelier arbeiten, ich führe kein unproduktives Leben.“ Doch ein Jahr ohne Ausstellung – das sei langweilig. Zudem habe er den Eindruck, dass sich der Online-Boom längst erschöpft habe. Doch sollten sich die Rahmenbedingungen nicht ändern, gibt es keine Alternative.

Bis zum 17. April sind die Arbeiten zu sehen, wobei die Ausstellung ständig ergänzt wird – daher das „Ongoing“ im Titel. Es ist eine subjektive Präsentation zum 30-jährigen Bestehen der Galerie. So hat Schmidt als Kurator Kreative ausgewählt, die er seit vielen Jahren kennt, die ihn begleitet und beeinflusst haben. Hierzu zählen Katharina Sieverding und Isa Melsheimer.

Durch diese persönliche Beziehung tritt der Maler und Filmemacher mit seiner individuellen Geschichte, seinen Vorlieben in den Vordergrund. Schmidt spricht vom Storytelling – entsprechend will er im Laufe der Zeit eigene Beiträge zu den befreundeten Künstlern ins Netz stellen .

In einer Zeit, in der ein Sammler mal nicht so eben von New York nach Berlin fliegen könne, sei dieses Lokale, Persönliche auch in der Kunstszene angesagt, hat der 52-Jährige erfahren. Besonders zeitgeistig wirkt ein Video aus den 90ern, in dem Schmidt sein vergleichsweise langes Haar zur Geltung kommen lässt. Doch die Rückbesinnung auf den jungen, wilden Erik und seine Frisur hatte mit Corona nichts zu tun – es war einer seiner ersten Filme.

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