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Witterung und Corona: Obstbauern mussten doppelten Platz für Helfer bieten

Erdbeerernte mit Unwägbarkeiten

Herford/Hiddenhausen (WB). Zu nasser Februar, Frost in der Blütezeit im Mai und Corona – mit der Unsicherheit, ob die Erntehelfer überhaupt kommen dürfen. Für Erdbeerbauern in der Region war es keine leichte Saison. „Der Ertrag war gering – zuletzt gab’s das 2003“, stellt Constantin von Laer fest. Sein Betrieb baut neben der leckeren roten Frucht – sie wird auf etwa 25 Hektar geerntet – auch Spargel an. Während bei ihm die Erdbeersaison schon seit einer guten Woche beendet ist, gibt’s beim Obsthof Otte in Hiddenhausen noch das leckere Obst.

Kathrin Weege

Rot, prall und glänzend: So lieben die Bürger im Kreis Herford ihre Erdbeeren. Foto: Kathrin Weege

„Lange herrschte wegen der Corona-Pandemie Unsicherheit: Dürfen die Helfer – die meisten sind Rumänen – kommen?“, berichtet von Laer. Über den Bauernverband wurden gebündelte Flüge organisiert. 80 Helfer hat von Laer beschäftigt. „Es kamen immer 20 und sie mussten zunächst zwei Wochen in Quarantäne“, berichtet er. Die Helfer durften aber direkt arbeiten, sich allerdings nicht innerhalb der Gruppen vermischen. Normalerweise hat von Laer in einem eigenen Hotel für die Erntehelfer ausreichend Platz. Durch Corona wurde aber deutlich mehr Raum benötigt. „Wir haben Container aufgestellt“, erklärt von Laer. Die Mitarbeiter werden über den Betrieb mit Essen versorgt – zwei warme Mahlzeiten gibt’s am Tag.

Gelernte Kräfte helfen

Zur Erdbeerernte sei halbwegs klar gewesen, dass die Helfer trotz Pandemie kommen dürfen. Beim Spargel sei das anders gewesen. „Es ist immer besser, gelernte Kräfte zu beschäftigen, die diese Arbeiten wie die Rumänen schon öfter gemacht haben. Bei den Erdbeeren ist es mit neuen Leuten noch vorstellbar, beim Spargel, der gestochen werden muss, ein echtes Problem“, berichtet von Laer.

Längst nicht alle Spargelfelder hat er in diesem Jahr abgeerntet. Das lag nicht nur an zu wenigen Erntehelfern – das Hauptproblem war der Lockdown. „In dieser Zeit hatten Gaststätten geschlossen. Entsprechend haben sie keinen Spargel abgenommen. Und auch als alles wieder los ging, waren die Leute zurückhaltend, die Gastronomen brauchten weiterhin weniger Spargel“, berichtet von Laer. Auch die Direktvermarktung am Hof oder an den Ständen habe das nicht auffangen können.

Hilfsangebote von Bürgern

Die mangelnde Planbarkeit der Ernte lastet Karsten Otte vor allem den Politikern an. „Wir wussten nicht, was kommen würde“, sagt er. Toll sei aber die Solidarität der Bürger. 200 Hilfsangebote habe er bekommen – und einige davon auch gerne angenommen. „Allerdings geht es schon besser mit den geübten Leuten“, sagt er. Als die Helfer endlich kommen durften, atmete Otte durch. Doch viele der Rumänen seien zuvor nie geflogen. „Da waren alle Formulare ausgefüllt und am Ende sind etwa zehn Prozent doch nicht in den Flieger gestiegen, weil sie einfach Angst hatten“, erzählt Otte. Leute, die ihm bei der Ernte fehlten.

Trotz weniger Helfern brauchte auch Otte mehr Platz für seine Leute. Fast die doppelte Fläche sollte er vorhalten. „Wir haben eigene Gebäude zur Unterbringung. Dieses Mal konnten einige der Helfer dann auf einer Ritterburg wohnen“, sagt der Obstbauer, der sich jetzt langsam auf die Apfelernte vorbereitet, mit einem Augenzwinkern. Einige der Leute hatte er auf Gut Bustedt untergebracht. „Dort sind wegen Corona auch Veranstaltungen und Kurse ausgefallen. Hier hat die Gemeinde vermittelt, die mich in dieser schwierigen Zeit wirklich gut unterstützt hat“, betont Karsten Otte.

Arbeiten in Teams

Seine Arbeiter hat er in Teams eingesetzt. Immer die, die zusammen wohnten, seien auch zusammen aufs Feld gefahren. „So bestand keine Gefahr, dass sich im Falle einer Infektion gleich alle Erntehelfer anstecken“, sagt Otte, der wie von Laer Glück hatte und coronafrei durch die Erdbeerernte gekommen ist. Für bessere Erkennbarkeit der Teams gab’s farbige Käppis.

Bei Otte wird es wohl noch den ganzen August Erdbeeren geben. „Wir machen gerade ein großes Experiment mit remontierenden Erdbeeren. Sie blühen mehrmals und können öfter – über zwei bis drei Monate hinweg – geerntet werden“, verrät der Obstbauer. Er hat sich um neue Vertriebswege gekümmert. „Erdbeeren sind ein Saisonprodukt. Ab August nehmen Supermärkte deutlich weniger ab“, so Otte, der nun mit weiteren Märkten auch außerhalb der Region arbeiten wird.

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