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Der Unternehmer und Kunstsammler Heiner Wemhöner wird 70 Jahre alt

Erfolgsmensch mit Jugendsünden

Herford (WB). Heiner Wemhöner wird 70 Jahre alt – im gleichen Monat geht in China sein zweites Werk an den Start. Und in der Sammlung Wemhöner ist soeben ein Buch erschienen, in dem es um einen alten Berliner Festsaal geht, den der Herforder für Ausstellungszwecke gekauft hat. Für den Umbau ist der berühmte Architekt David Chipperfield im Gespräch. Man sieht: Im Leben des Herforders wird es nicht langweilig.

Hartmut Horstmann

Heiner Wemhöner vor einer Fotografie, die das Werk in China zeigt: Als „für einen Vater beglückend” empfindet er die Zuversicht, dass sein Unternehmen wohl auch in vierter Generation familiengeführt bleiben wird. Foto: Hartmut Horstmann

Im Kreis seiner Familie will Heiner Wemhöner am Donnerstag seinen 70. Geburtstag feiern. Ursprünglich hätte die Feier in Berlin stattfinden sollen, wo er eine Wohnung hat. Doch weil er keine Lust habe, viel mit Maske rumzulaufen, bleibe er lieber im eigenen Garten.

320 Beschäftigte in Herford

Garten samt Wohnhaus befinden sich in der Nähe der Firma Wemhöner Surface Technologies, laut Unternehmer „der weltweite Markt- und Technologieführer für Maschinen und Anlagen zur Veredelung von Holzwerkstoffen“.

Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1925 als Handwerksbetrieb – und Heiner Wemhöner, der die dritte Generation verkörpert, legt Wert auf das Familiäre. So steht im Eingangsbereich der Firma an der Planckstraße ein Amboss, der von seinem Großvater stammt. Zuversichtlich ist der Vater von drei Kindern, dass das Unternehmen auch in der vierten Generation familiengeführt bleibt: „Dass die eigenen Kinder interessiert sind und es auch können, das ist für einen Vater das Schönste.“

320 Beschäftigte zählt das Herforder Werk zur Zeit, im chinesischen Changzhou sind es 170. Um die Produktpalette zu erweitern, wird noch in diesem Monat ein zweites Werk fertiggestellt – zum Bau von Druck- und Lackieranlagen. Coronabedingt kam es zu leichten Verzögerungen, die offizielle Einweihung ist erst für das Frühjahr geplant: „Wenn das Reisen hoffentlich wieder einfacher ist.“

Stiftung ist ihm wichtig

Was die Auftragslage in Herford angeht, so ist die Firma laut Wemhöner „bis Mitte nächsten Jahres gut ausgelastet“. Und doch wurde Corona auch hier ein Thema, denn: „Wir mussten unsere Außendienstmonteure in Kurzarbeit schicken.“

Derzeit kümmert sich der 70-Jährige ohne Geschäftsführer alleine um die Geschicke des Unternehmens. Dass da noch Zeit für anderes bleibt, dem Wemhöner voller Leidenschaft nachgeht, zeichnet ihn als multitaskingfähig auf hohem Niveau aus. Wichtig ist ihm die Stiftung, die ihren Schwerpunkt im kulturellen Bereich hat. Deren Aushängeschild ist der Marta-Preis, der in diesem Jahr an Brigitte Waldach verliehen wird. Erstmals wird es dazu im Marta eine Ausstellung geben, so dass sich der Stifter, der gleichzeitig Vorsitzender des Marta-Freundeskreises ist, mehr Öffentlichkeit erhofft.

Auch in China gibt es eine Wemhöner-Stiftung – wobei der dortige Schwerpunkt auf der Jugendarbeit liegt. Als Anerkennung des bisher Geleisteten empfindet der Unternehmer, dass die Stiftung für einen Preis nominiert worden ist, der im Oktober vergeben wird.

Freund der Beat-Musik

Wemhöners größte Leidenschaft ist das Sammeln zeitgenössischer Kunst. Vergleichsweise spät habe er damit angefangen, sagt der 70-Jährige, der den intuitiv-lustvollen Zugang zur Kunst bevorzugt. Etwa 1400 Arbeiten umfasst seine Sammlung, einige Kataloge und Ausstellungen legen davon Zeugnis ab. Daraus entwickelte sich die Idee, einen festen Ort für das Zeigen der Kunst zu schaffen. Fündig wurde Wemhöner schließlich in Berlin-Neukölln. In zwei Jahren sollen aus dem alten Saal „Hasenheide 13“ Ausstellungsräume geworden sein.

Ein ungewöhnliches Bild des Unternehmers haben Kinogänger im Jaguar-Club-Film des Regisseurs Rainer Bärensprung kennengelernt. Der Herforder, der einst begeisterter Springreiter war, kam als Zeitzeuge des legendären Beat-Treffs zu Wort. Diese Seite kenne kaum jemand von ihm, sagt Wemhöner. Aber sie sei wichtig, diese Musik habe sein Leben geprägt. Besonders gerne erinnert er sich an ein Troggs-Konzert.

Es passt zur Souveränität des Erfolgsmenschen, dass im gereiften Mannesalter von 70 Jahren auch die eine oder andere Jugendsünde, die den „anderen Wemhöner” beleuchtet, eingestanden wird: „Auf der Bundeswehrsportschule nannten sie mich Haschi – muss ich Ihnen erklären warum?“ Eine Erklärung ist nicht notwendig – wie heißt es doch im bekanntesten Lied der von Wemhöner geliebten Troggs: „Wild thing, you make my heart sing.”

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