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Krisenstab des Kreises Herford beurteilt die Corona-Lage und dankt den Menschen für Solidarität

Ernst, aber nicht hoffnungslos

Herford (WB). In der Krise kleckert der Kreis nicht, er klotzt: „Es sind jetzt 150 unserer Mitarbeiter im Krisenmanagement beschäftigt“, sagt Landrat Jürgen Müller. Das sind immerhin 15 Prozent der Kreis-Belegschaft.

Bernd Bexte

Abstand halten: Auch der Krisenstab des Kreises – hier Marie-Luise Kluger (Gesundheitsamt), Landrat Jürgen Müller und Krisenstabsleiter Norbert Burmann – geht wegen der Virusgefahr bei den Sitzungen auf Distanz. Foto: Bernd Bexte

Der Eindämmung des Coronavirus’ wird in diesen Tagen (fast) alles untergeordnet. Die Krisenhelfer werden etwa an der zentralen Abstrichstelle am H2O oder am Bürgertelefon eingesetzt, ermitteln in mühevoller Recherche Kontaktpersonen von Infizierten. Dabei kommen auch Kreisbedienstete zum Einsatz, die aufgrund der zahlreichen Sperrungen vorübergehend beschäftigungslos sind: Schulsekretärinnen oder Jugendzentrumsmitarbeiter. Ihre jetzige Arbeit sei aber Makulatur, wenn sich die Bürger nicht an die strengen Kontakteinschränkungen hielten. „Bei den Bußgeldern vertreten wir eine klare Linie: Wir werden den Rahmen sofort und mit aller Strenge ausschöpfen. Da wird es kein Pardon geben“, kündigt der Kreishauschef an.

Er spart aber auch nicht mit Lob: „Ich sehe große Hilfsbereitschaft, trotz räumlicher Distanz wächst der Zusammenhalt.“ Kassiererinnen in den Supermärkten, Personal in den Krankenhäusern, in Apotheken, Reinigungskräften und allen ehrenamtlich Engagierten wolle er Respekt zollen, „dass wir das persönliche Leben so weiterführen können“.

Tägliche Videokonferenz mit Bürgermeistern

Der elfköpfige Krisenstab – er tagt täglich im Kreishaus, konferiert per Videoschaltung mit den neun Bürgermeistern im Kreis und wird ein- bis zweimal die Woche um neun Vertreter von Polizei, Rettungsdienst, Feuerwehr und Krankenhäusern erweitert – beschäftigt sich derzeit vor allem mit drei Aufgaben: der Sicherstellung der ambulanten sowie stationären medizinischen Pflegeversorgung und der Beschaffung von Schutzausrüstung und -material. „Das läuft ganz gut, da haben wir noch keine Engpässe“, sagt der Leiter des Krisenstabes, Norbert Burmann. Über die Bezirksregierung „und andere Kanäle“ sei es bislang gelungen, ausreichend Material zu beschaffen. Auch die Bevölkerung halte sich weitgehend an die Regeln: „Ich habe den Eindruck, dass die Menschen den Ernst der Lage erkannt haben.“

Mit den drei Krankenhäusern im Kreis werde die Einrichtung weiterer Intensivbetten, aber auch größerer Isolierstationen geplant. „Wir brauchen Zeit, um die Versorgung auszubauen“, sagt Marie-Luise Kluger, Leiterin des Gesundheitsamtes. Die zentrale Abstrichstelle habe sich bewährt . „Es gibt auch ausreichend Testmaterial im Labor“, sagt Kluger. Am H2O wurden bis einschließlich Dienstag etwa 750 Abstriche vorgenommen: 700 waren negativ, 50 positiv.

Die Kassenärztliche Vereinigung, die die Abstrichstelle betreibt, kündigte am Mittwoch an, westfalenweit spezielle Behandlungszentren für die weitere Versorgung von Coronavirus-Patienten einzurichten, um Arztpraxen weiter zu entlasten. In den Zentren sollen Ärzte die Schwere der Erkrankung einschätzen und entscheiden, ob Patienten weiter ambulant betreut oder in eine Klinik eingewiesen werden müssen.

117 bestätigte Fälle

Im Kreis Herford gibt es, Stand Mittwochmittag, 117 bestätigte Corona-Fälle, 13 mehr als Dienstag. Inzwischen gelten fünf Personen wieder als gesund, sodass die Zahl der aktuellen Infektionen bei 112 liegt. Von den 117 Infizierten stammen 28 aus Herford, die anderen verteilen sich auf Löhne (23), Bünde (24), Kirchlengern (14), Hiddenhausen (9), Enger (8), Rödinghausen (7), Spenge (2) und Vlotho (2). Vier Infizierte sind in stationärer Behandlung im Klinikum.

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