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Bürgermeister-Kandidat für „Die Partei“: Stefan Kannegießer liebt die Überspitzung

Erst Abbruch, dann Aufbruch

Herford (HK). Stefan Kannegießer weiß, dass die meisten Menschen bei dem Namen „Die Partei“ an Klamauk denken. Und natürlich spiele Satire eine große Rolle, räumt der 48-Jährige ein, der in Herford Bürgermeister werden will. Doch das sei nicht alles: „Auf ernste Fragen zu ernsten Themen geben wir ernste Antworten.“

Hartmut Horstmann

Bürgermeisterkandidat mit Schläger: Stefan Kannegießer liebt Satire und Überspitzung – aber nicht nur. So will der 48-Jährige den Herforder Eishockey-Verein nach vorne bringen. Daher fordert er den Neubau einer 4000-Zuschauer-Halle. Foto: Hartmut Horstmann

Doch um den Eindruck eines in Ehrfurcht erstarrten Ernstes gar nicht erst aufkommen zu lassen, erscheint Kannegießer im Partei-T-Shirt mit aufgedruckter Krawatte. Stil muss sein, wenn auch als Parodie. Mitgebracht hat der in Bielefeld tätige Architekt Helm, Eishockeyschläger und ein Schild. „Das kommt hier alles weg“ ist darauf zu lesen – gemeint ist die Eishalle im Hintergrund.

Dieses Thema brennt dem Mann, der nach eigenen Angaben noch nie eine Herforder Ratssitzung verfolgt hat, unter den Nägeln. Seit 30 Jahren gebe es Stillstand, dabei könnte der Herforder Eishockey-Verein laut Kannegießer im Sport das sein, was das Marta für die Kultur sei. Seine Folgerung: Die alte Halle muss weg, eine neue muss her. 4000 Zuschauer sollen in der Arena Platz finden. Stattdessen würde Kannegießer auf das OWL-Forum verzichten, in dem NWD und Stadttheater eine neue Spielstätte finden sollen.

Im Gespräch mit dem Kandidaten wird schnell klar, wie schmal der Grat zwischen Satire, Überspitzung und Ernsthaftigkeit ist. Kannegießer weiß um das Überraschungsmoment, wenn er auf seine Chancen angesprochen wird und antwortet, er spiele auf Sieg. Auch mancher Wortwitz geht ihm flott von der Zunge, doch kommt dieser genauso schnell an seine Grenzen. Denn wenn der Schnellsprecher und Vater von zwei Kindern in ein Thema diskussionsmäßig einsteigt, bevorzugt er die argumentative Ebene.

Dass sich „Die Partei“ für eine Aufstellung von Bürgermeister- und Landratskandidaten entschieden hat, habe jenseits aller Siegchancen einen einfachen Grund: „Eine größere Aufmerksamkeit gibt es nicht.“

Mitglieder zahlen Plakate selbst

Etwa 50 Plakate sollen in Herford aufgehängt werden, Plakate, die die Parteimitglieder aus eigener Tasche bezahlen. Grundsätzlich zielt der Herforder allerdings auf eine „neue Welt“ ab. Diese sei online und habe mit „Fridays for Future“ zu tun. Daher sei ihm Umweltschutz wichtig. „Wir wollen Herford in eine grüne Richtung lenken“, betont er. Und nennt als Stichwörter Kostenloser ÖPNV, Ausbau des Radwegenetzes, die Verbindung von städtischen Naherholungspunkten und eine dezentrale Stromerzeugung. „Am liebsten hätten wir wegen des Umweltschutzes auch auf Plakate verzichtet“, sagt der Kandidat. Aber auch die „alte Welt“ scheint bedient werden zu müssen.

Weil „Die Partei“ im Kreis Herford noch im Aufbau begriffen ist, lässt sich Kannegießer neben seiner Bürgermeisterkandidatur als Kandidat sowohl für den Kreis als auch für die Stadt Herford aufstellen. In Herford tritt er im Wahlbezirk fünf an.

Ein überraschendes Engagement, denn eigentlich hatte der Architekt mit Herford abgeschlossen. Einen Entwurf für einen Neubau der Lebenshilfe habe der Bauausschuss abgelehnt, obwohl der Vorschlag von einer Experten-Jury favorisiert worden sei, so Kannegießer. Er forschte nach Gründen - und glaubte diese schließlich im Herforder Polit-Filz entdeckt zu haben.

Marta ist toll

Mit frischem Wind, Satire und neuen Ideen will der 48-Jährige dem Filz begegnen. Dabei nennt er auch Herforder Themen, die er für geglückt hält. An erster Stelle das Marta: „Toll, dass Herford das Museum hat. Toll, dass Herr Ragati das angeschoben hat.“

Stellt sich zum Abschluss noch die Frage, wie Projekte wie GroßEishalle oder kostenloser ÖPNV finanziert werden sollen. Diese Frage höre er oft, sagt Kannegießer. Und führt zur Beantwortung Heiner Geißler an. Der habe sinngemäß gesagt, es gebe genug Geld, es hätten nur die falschen Leute. Ob hier der kommunalpolitische Realist, Idealist oder Satiriker Stefan Kannegießer zum Ausdruck kommt - das muss jeder Wähler für sich selbst entscheiden.

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