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Herforder Kinder kehren in die Kitas zurück, doch der Alltag ist ein anderer

Erst Hände waschen, dann toben!

Herford (WB). Als die Mama ihre Tochter nach zweieinhalb Monaten endlich wieder zur Kita Maiwiese bringen durfte, habe sie geweint: „Die ganze Anspannung fiel von ihr ab. Viele Eltern stehen unter großem Druck“, sagt Leiterin Malgosia Lademann-Böhmer. Ab dem 8. Juni dürfen alle 2550 Herforder Kinder zurück in die Kitas und Tagespflege-Einrichtungen.

Moritz Winde

Sie wissen, wie es geht: Bevor gespielt werden darf, müssen sich Amelie und Louis gründlich die Hände waschen. Das wird auf spielerische Weise mit ihnen geübt. Foto: Moritz Winde

Allerdings gilt dann ein so genannter eingeschränkter Regelbetrieb, das heißt der Betreuungsumfang wird reduziert – und zwar um zehn Stunden pro Woche. Beispiel: Wer einen 25-Stunden-Platz gebucht hat, muss mit 15 Stunden klar kommen.

Immerhin besser als nichts: Die meisten Erziehungsberechtigten fiebern der Wieder-Eröffnung entgegen, weiß Alwin Offel, der sich im Jugendamt um die frühkindliche Bildung kümmert. Bei ihm laufen die Fäden zusammen. Sein Team führe täglich bis zu 20 Telefonate mit besorgten Eltern: „Die Situation in den Familien ist belastend. Viele rufen um Hilfe, weil sie einfach nicht mehr können.“ Irgendwann wird das ständige Aufeinanderhocken eben auch im harmonischsten Zuhause zur Zerreißprobe.

Gerne hätte Alwin Offel den verzweifelten Müttern und Vätern geholfen – doch auch dem städtischen Mitarbeiter waren die Hände gebunden. „Wir haben ja fast täglich eine neue Erlasslage vom Ministerium erhalten. Und die waren leider oft nicht sehr konkret.“

Die Affen müssen unter sich bleiben

Heißt im Umkehrschluss: Die Kommunen und Kitas vor Ort mussten die Entscheidungen treffen und den Spagat meistern zwischen dem Wunsch nach Betreuung und dem Infektionsschutz. „Wir haben einige Einzelfälle im Rahmen des Kinderschutzes und im Rahmen besonderer sozialer Härtefälle in die Kitas aufgenommen. Darunter waren Kinder einer Frau im Frauenhaus.“ Alle 36 Kitas in Herford bieten fast von Beginn an eine Notbetreuung an, doch die durfte nur von 610 Mädchen und Jungen wahrgenommen werden.

In einer Woche ist die Zwangspause dann vorbei, der Alltag aber wird ein komplett anderer sein. Maiwiesen-Chefin Malgosia Lademann-Böhmer hält den 30-seitigen Hygiene-Katalog des Landes in den Händen. Sie sagt: „Das ist nicht einfach, aber machbar. Ich habe ein tolles Team.“ Im Familienzentrum an der Damaschkestraße werden 114 Kinder in sechs Gruppe betreut, derzeit sind es 32 – ideal, um den Ablauf mit den neuen Vorgaben zu testen.

Bei Ankunft müssen sich alle Kinder und Erzieher gründlich die Hände waschen, was mit den Kleinen auf spielerische Weise geübt werden soll. Jedes Kind benutzt sein eigenes Geschirr. Die Kinder werden in räumlich getrennten Gruppen von denselben Personen betreut – sprich: Die Affen bleiben unter sich, die Drachen dürfen nicht zu den Bären, und auch die Pinguine machen ihr eigenes Ding. Das gilt auch für das Toben auf dem Außengelände. „Fehler werden passieren, dafür sind es nun einmal Kinder“, sagt Malgosia Lademann-Böhmer.

Eltern dürfen die Kita nicht betreten. Die Kids werden am Eingang empfangen. Bei der Bring- und Abholsituation müssen Erwachsene einen Mundschutz tragen und die Abstandsregeln einhalten. Trotz dieser Regeln: Es ist ein Schritt zurück in die Normalität, der viele Familien aufatmen lässt.

Endlich wieder toben: Die Erzieherinnen Sara Beckmann und Viktoria Graf spielen mit den Kindern „Schweinchen in der Mitte“. Foto: Moritz Winde
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