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Überfall auf Juweliere in Herford und Gütersloh: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen 41-Jährigen

»Es gibt Hinweise auf die Mafia«

Herford (WB). Nach dem Überfall auf ein Juweliergeschäft in Herford ist ein vierter Verdächtiger doch schon gefasst : Dienstag hat Staatsanwältin Stefanie Lange ihre Angaben revidiert. Am Montag hatte sie noch gesagt, der Italiener sei auf der Flucht. Das traf nicht zu, denn seit Mitte August sitzt er in U-Haft. Sie sagt: »Es gibt Hinweise auf die Mafia.«

Moritz Winde

Im Hotel »Münchner Hof« in Herford hatten sich die mutmaßlichen Täter nach dem Raub am 11. Mai verschanzt. Foto: Oliver Schwabe

Der 41-Jährige ist wegen Mittäterschaft angeklagt . Der Mann, der seit 1999 in Bielefeld lebt, soll als Unterstützer an dem Überfall auf ein Juweliergeschäft in der Berliner Straße in Herford am 11. Mai beteiligt gewesen sein. Und nicht nur das: Auch bei dem Raub auf ein Juweliergeschäft in der Spiekergasse in Gütersloh – am 26. April erbeuteten dort vier Täter Schmuck und Bargeld im Wert von mehr als 360 000 Euro – soll der Arbeitslose seine Finger im Spiel gehabt haben. »Er soll die Aufträge aus Italien bekommen haben und war hier offenbar für die Planung zuständig«, sagt Stefanie Lange.

Täter sollen allesamt aus Italien stammen

Die Strafverfolgungsbehörden sind sich sicher, dass der Mann als Strippenzieher, Bote und Auskundschafter im Hintergrund fungierte. Lange: »Er hat Hotels gebucht, Waffen besorgt, die Juweliere ausgesucht und seine Komplizen zu den Tatorten gefahren. Seine Ortskenntnisse kamen ihm dabei zugute.« Die Täter sollen allesamt aus Italien stammen – genauer gesagt aus einem kleinen Dorf namens Biancavilla im sizilianischen Catania. Bei einem der drei Herforder, denen ab dem 25. Oktober der Prozess vor dem Landgericht Bielefeld gemacht wird, soll es sich um den Halbbruder (21) des 41-Jährigen handeln. Dieser hatte sich, wie mehrfach berichtet, nach dem Überfall mit zwei weiteren Männern (23 und 35 Jahre) im gegenüberliegenden Hotel »Münchner Hof« verschanzt – bis das SEK das Gebäude stürmte und das Trio festnahm.

Reiner Indizienprozess

Rechtsanwalt Georg Schulze von der Kanzlei Kraft, Geil & Kollegen aus Bielefeld, die den 41-Jährigen verteidigt, sagt: »Das wird ein reiner Indizienprozess.« Und zu den Mafia-Vorwürfen lautet sein Kommentar: »In dieser Ecke will ihn die Staatsanwaltschaft gerne haben.« Auch Anwalt Christian Thüner, der den 23-jährigen Angeklagten vertritt, hält die Mafia-Verbindungen für »sehr weit hergeholt von der Staatsanwaltschaft«.

Hat der Angeklagte mit den Taten nichts zu tun? Zumindest soll es Bildmaterial von der Überwachungskamera des »Münchner Hofs« geben, auf denen der 41-Jährige deutlich mit den drei mutmaßlichen Komplizen zu sehen ist.

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