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Anästhesieschwester des Klinikums Herford berichtet von Hilfseinsatz in Gaza – mit Video

»Es war bedrohlich«

Herford (WB). In der Ferne detonieren Bomben, in der Notaufnahme liegen Männer mit Schusswunden: Jana Gottschling hat die Folgen des Kriegs erlebt. Die Anästhesieschwester des Klinikums war mit dem »Hammer Forum« zehn Tage im Gazastreifen, um kranken Kindern zu helfen.

Moritz Winde

Im Gazastreifen (links): Jana Gottschling bereitet ein Kind auf den Eingriff vor. Das Team des »Hammer Forums« hat 197 Untersuchungen und 92 Operationen durchgeführt. Das rechte Foto zeigt die 30-Jährige im OP-Saal im Herforder Klinikum, wo sie seit 2015 arbeitet. Sie sagt, es sei ihr Traumjob. Foto: Moritz Winde

Während die allermeisten von uns in den Ferien Entspannung und Erholung suchen, hat sich die 30-Jährige mit einem neunköpfigen Medizinteam aus Deutschland auf die knapp sechsstündige Flugreise in die seit Jahren umkämpfte Küstenregion am Mittelmeer begeben. Es ist bereits ihr zweiter Einsatz in Nahost.

Von Jerusalem aus geht es per Bus auf die andere Seite des meterhohen Grenzzauns zum zentralen Krankenhaus in Gaza-Stadt. Am Checkpoint Erez stehen mit Maschinenpistolen bewaffnete israelische Soldaten und kontrollieren die Dokumente der ausländischen Crew. Jana Gottschling beschreibt die Situation als angespannt.

»Die Menschen haben uns herzlich empfangen, aber es war schon bedrohlich. Zwischendurch ging’s mir auch mal nicht ganz so gut, weil man dann doch ängstlich wird.«

Kinder haben Missbildungen

Bereits am ersten Tag kommt der Krieg beklemmend nah: Während Jana Gottschling Mädchen und Jungen – viele Kinder leiden unter Missbildungen in Gesicht und Magen-Darm-Bereich – auf die OP vorbereitet, herrscht in der Notaufnahme großes Durcheinander. Verwandte und Freunde schleppen Opfer blutiger Auseinandersetzungen herein. Schreie sind zu hören.

Es sind Szenen, die vor allem freitags zum Alltag gehören: Regelmäßig nach dem Freitagsgebet demonstrieren Palästinenser am Grenzzaun gegen die israelische Dauerblockade – und riskieren ihr Leben. Auf der anderen Seite liegen die bewaffneten israelischen Soldaten.

Die junge Frau erzählt: »Ich habe bis zu 25 teils schwer Verwundete gesehen. Die meisten wurden angeschossen. Einer hatte einen Granatsplitter im Oberkiefer. Den hat unser Chirurg wenig später operiert.«

Es sind Hilfsorganisationen wie das »Hammer Forum« – es kümmert sich seit 1991 um die Versorgung von Kindern in Krisenregionen –, die der Hoffnungslosigkeit etwas entgegen setzen. Jana Gottschling hat mit ihrem ehrenamtlichen Engagement dazu beigetragen.

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