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Freundeskreis Indien unterstützt arme Gemeinden bei Bau- und Bildungsprojekten

Existenzhilfe für junge Frauen

Herford (WB). |Ob es sich um Bauprojekte oder Anschaffungen für Schulen handelt: Der Freundeskreis Indien ist stets zur Stelle. So soll im Herbst ein Versammlungsraum eröffnet werden, den der Freundeskreis im südindischen Anantapur ermöglicht hat.

Ruth Matthes

Renate Kuhn mit zwei der Schülerinnen des Girls’ Hostels im südindischen Anantapur, das der Freundeskreis Indien unterstützt – im Hintergrund ist die Karte Indiens zu erkennen. Foto:

Angestoßen wurde das Projekt bei der jüngsten Indienreise der Initiatorinnen Renate Kuhn aus Herford und ihrer Berliner Freundin Esther Ramlow. Sie besuchten zunächst Father Pratap, mit dem der Freundeskreis seit langem zusammenarbeitet. »Er betreut die katholische Gemeinde in Anantapur setzt sich aber auch für bedürftige Nicht-Christen im armen Süden Indiens ein«, sagt Kuhn.

Versammlungsort wurde benötigt

Er bat die Herforder Freunde, die Aufstockung des Gemeindehauses um eine Etage zu ermöglichen. »Das Haus war für größere Veranstaltungen ungeeignet und hatte keine Toiletten«, erzählt Kuhn. Die Menschen dort bräuchten aber dringend einen Versammlungsort. Unter anderem, um dort Hochzeiten zu feiern.

»Da in Indien zu Hochzeiten das ganze Dorf eingeladen wird und das Fest mindestens zwei Tage dauert, müssen sich viele Familien verschulden, um Essen und Saal zu bezahlen«, hat Kuhn erfahren. Der neue Raum soll ihnen nun kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

In das Gebäude soll dann auch die derzeit noch sehr beengte Nähschule für junge Frauen einziehen, die ebenfalls vom Freun- deskreis initiiert wurde. »Jährlich spenden wir der Schule 40 Nähmaschinen, die den Teilnehmerinnen nach erfolgreichem Abschluss des Kurses geschenkt werden. Sie können sich dann damit eine kleine Existenz aufbauen«, erklärt die 72-Jährige. Da viele Männer arbeitslos seien, helfe dies den Familien sehr.

Stifter für Nähmaschinen gesucht

Für die Nähmaschinen sucht die rührige Rentnerin regelmäßig Spender: »Da Esther und ich aus Altersgründen keine neuen Schul- patenschaften mehr übernehmen können, bitten wir jetzt die Pateneltern nach Ablauf der Schulzeit ihrer Schützlinge, statt des Schulgeldes für 65 Euro eine Nähmaschine zu stiften. 23 der ehemaligen Schulpaten sind auf diese Weise bereits zu Nähmaschinenpaten geworden.

In Prataps Gemeinde gibt es auch ein Internat für Mädchen, die von weit her kommen, um in Anantapur in die Schule zu gehen. »Als wir sahen, dass sie auf Strohmatten auf dem Boden schliefen, haben wir kurzerhand beschlossen, ihnen Matratzen zu spenden«, erzählt Renate Kuhn: Schon im Januar konnten die Schülerinnen bequem schlafen.

Die Mädchen haben die mehrfache Großmutter stark beeindruckt: »Sie sind sich sehr bewusst, wie wichtig Bildung für ihre Zukunft ist. Viele wollen Ärztinnen werden und den Armen und ihren Familien helfen«, erzählt sie.

Sozialarbeiterin als Kontaktperson

So entstand die Idee, die 12- bis 15-jährigen Schülerinnen des Girls’ Hostel St. Anthony’s zu bitten, in Briefen auf Englisch aufzuschreiben, was sie sich als junge Frau von der Zukunft und ihrem Land erhoffen und wie sie sich selbst darin sehen. 35 Briefe hat Kuhn bereits erhalten. Sie plant, sie in einer Ausstellung in der e-Kirche St. Paulus zu zeigen.

Die zweite Kontaktperson des Freundeskreises in Indien ist Sozialarbeiterin Theresa Guvindu, mit der Kuhn seit mehr als zwei Jahrzehnten zusammenarbeitet. Aus deren Heimatdorf Dharmaram stammen auch die Schulpatenkinder. »Als wir dort waren, haben wir für alle Witwen und Witwer Pakete mit Grundnahrungsmitteln für Weihnachten da gelassen«, berichtet Renate Kuhn.

Zu den regelmäßigen Projekten des Freundeskreises gehört auch die Unterstützung der Health Camps, die Govindu für die medizinisch unterversorgten Gebiete organisiert. Acht haben die Herforder 2018 finanziert, zwei folgen in diesem Jahr. »Unsere Spendengelder fließen in die Medikamente und die Anfahrtskosten der Ärzte aus der Metropole Hyderabad.«

Mediziner arbeiten ehrenamtlich

Die Ärzte und Pfleger, die in diesen Camps ganze Dörfer untersuchen und mit Medizin versorgen, arbeiten ehrenamtlich. 1000 Euro kosten die beiden Camps. Die Hälfte des Geldes haben die Indien-Helfer bereits zusammen.

Renate Kuhn nutzte ihren Aufenthalt in Indien auch, um die Schule zu besuchen, deren Erweiterung um ein Stockwerk der Freundeskreis vor zwei Jahren ermöglicht hatte. »Dort werden jetzt Kinder aus den Slums unterrichtet, die zuvor unter ärmlichsten Bedingungen lernen mussten«, erzählt sie.

Bei der Gelegenheit wurde der Besuch aus Deutschland gefragt, ob er nicht auch Räume für die Klasse 9 und 10 finanzieren könne. »Wir denken darüber nach«, versichert Kuhn vom Freundeskreis Indien. Die Herforderin gibt unter Telefon 05221/ 5894877 gerne weitere Auskünfte.

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