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Herforder Bürgermeister: „Warum soll sich die pyrotechnische Industrie nicht an den Reinigungskosten beteiligen?“

Feuerwerk: Kähler blickt nach Holland

Herford (WB)

Der vom Land erwogene Weg, das Silvesterfeuerwerk mit Blick auf eine drohende Überlastung der Krankenhäuser zu verbieten, würde Herfords Bürgermeister Tim Kähler eine neue Rechtsgrundlage für seinen eigenen Verbots-Vorstoß verschaffen. „Noch liegt mir so ein Erlass aber nicht vor“, stellt Kähler auf Anfrage fest.

Stephan Rechlin

Raketen und Böller passen nach Ansicht von Bürgermeister Tim Kähler nicht mehr in die Zeit. Das Foto zeigt Mitglieder der Herforder Ahmadiyya-Gemeinde bei der Reinigung der Innenstadt am Silvestermorgen. Foto: Moritz Winde

In Deutschland unterliege das Waffen- und Sprengstoffgesetz seit 2006 ausschließlich dem Bund. Er sympathisiere stark mit dem Vorgehen Hollands, das ein landesweites Verbot des Feuerwerks durchsetze, um die eigenen Kliniken zu schonen. Die dahinter steckende Konsequenz würde er gern auch im Kreis Herford ziehen: „Wir schränken uns den ganzen November über ein, verzichten auf den Weihnachtsmarkt im Dezember und wahrscheinlich auch auf größere Feiern im Familienverbund. Und dann riskieren wir das alles in nur einer Nacht?“

Der Verband der pyrotechnischen Industrie möge mit seinem Einwand recht haben, wonach der Feinstaub-Ausstoß in der Silvesternacht längst nicht so hoch sei wie von der Deutschen Umwelthilfe behauptet werde.

Kähler: „Doch der Ausstoß bleibt immer noch hoch. Und er ist überflüssig.“ Wenn er daran denke, wie die Herforder Innenstadt nach bisherigen Silvesternächten aussehe, komme er eher zur Überzeugung, die pyrotechnische Industrie an den Reinigungskosten zu beteiligen: „Überall gilt das Verursacherprinzip. Beim Feuerwerk aber nicht?“

Vor allem aber passten Raketen und Böller seiner Ansicht nach nicht mehr in die Zeit. Zum einen wegen der Belastung von Flora und Fauna. Zum anderen wegen der auch in Herford geführten Debatte um eine klimagerechte Verkehrswende. Die Pkw-Produktion würde immer strengeren Umweltauflagen unterworfen, Jahr für Jahr würden neue Radwege gebaut, der Ausbau des Bus- und Bahnnetzes werde mit immensen Mitteln forciert: „Es kann doch nicht sein, dass wir unseren das ganze Jahr über verfolgten Weg ausgerechnet am letzten Tag des Jahres gut gelaunt verlassen.“

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