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Zu viele Nährstoffe, begradigter Verlauf und Wanderungshindernisse belasten die Werre noch immer stark

Flusskrebse informieren über Gewässergüte

Herford (WB)

Auf dem Boden der Werre leben wirbellose Tiere wie Schnecken, Krebse und Insektenlarven. Je mehr es von ihnen gibt, desto besser ist die „Degradation“ des Flusses, also sein natürlicher, ursprünglicher, ökologischer Verlauf. Im Gebiet der Werre wird die allgemeine Degradation überwiegend als „mäßig“ bis „schlecht“ bewertet.

Stephan Rechlin

Das Wehr am Bergertor wird zu einem Halbwehr mit rauer Gleite umgebaut. Das soll einer besseren Durchgängigkeit der Werre und der Renaturierung dienen. Foto: Kathrin Weege

Diese Einschätzung geht aus dem Entwurf zum dritten Wasser-Bewirtschaftungsplans des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz (MULNV) hervor. Darin analysiert es die Gewässer und entwickelt Vorgaben zu wasserwirtschaftlichen Investitionen in den kommenden sechs Jahren. Der Plan ist die konkrete Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Er ist mit prall gefüllten Fördertöpfen ausgestattet, die je nach Investitionsziel angezapft werden können – je nachdem, ob es nun um Renaturierung, Durchgängigkeit oder Hochwasserschutz geht. Allein im Regierungsbezirk Detmold stehen in diesem Jahr elf Millionen Euro zur Verfügung.

In der Werre lässt dem Ministerium zufolge nicht nur die allgemeine Degradation zu wünschen übrig. An Zahl und Zustand von Fischen ist die Qualität eines Gewässers ebenfalls ablesbar. Wanderhindernisse wie Stauwehre und schlechte Sohl-und Uferstrukturen beeinflussten die Arten, die Anzahl und auch die Altersstruktur der Fische negativ. Der Fischbestand in der Werre entspricht dem Bericht zufolge nur teilweise den Erwartungen. Die Werre zwischen Herford und Lage, der Düsedieksbach sowie der Tengerner Bach werden sogar mit „schlecht“ bewertet.

Die Saprobie, das ist ein Maß für den Gehalt von organischen, leicht unter Sauerstoffverbrauch abbaubaren Substanzen, wird in der Werre und ihren zwölf Nebengewässern dagegen als „gut“, in manchen sogar als „sehr gut“ bezeichnet. Als Folge chemischer Bela-stungen wird die ökologische Gesamtbewertung aller Gewässer im Einzugsgebiet der Werre als „mäßig“ bis „schlecht“ eingeschätzt. Die Belastungen stammten aus der Landwirtschaft (42 Prozent der Werre-Randflächen) und aus den Siedlungsgebieten (28,7 Prozent). Von dort gelangten Nährstoffe aus der Düngung, aus den Kläranlagen und aus den Regen-und Mischwassereinleitungen in den Fluss. Zu den in Herford untersuchten Nebengewässern zählen Düsedieksbach, Bramschebach, Johannisbach, Jölle und Kinsbeke.

Weil mehrere große Kläranlagen in die Werre und ihre Nebengewässer einleiteten, seien auch in erheblichem Umfang Mikroverunreinigungen vorhanden. Die Gewässer seien technisch ausgebaut worden und hätten deswegen eine schlechte Struktur. Es gebe auch noch viele Wanderhindernisse für die Fische in den Bächen. Die Gewässer in den Städten und bebauten Gebieten seien teilweise in Beton gefasst oder unter die Erde gelegt. Eine Renaturierung sei aus Platz-und Kostengründen nicht überall möglich. Durch die Siedlungsschwerpunkte entlang der Werre sei die Belastung aus der Stadtentwässerung hoch. Entlang des 117 Kilometer langen Verlauf des Flusses lebten gut 279.000 Menschen.

Aus kommunalen Kläranlagen würden die gereinigten Abwässer von etwa 600.000 Einwohnerwerten eingeleitet. Einige große Industriebetriebe leiteten direkt ins Gewässer ein. Eine weitere Reduzierung von Stickstoff und Phosphor sei durch Erweiterung oder Ausbau von Kläranlagen nicht mehr zu erreichen. Lediglich durch Betriebsoptimierungen und durch aktive Fremdwasserreduzierung gebe es noch Möglichkeiten, die Nährstofffrachten zu verringern.

Die Modernisierung der Herforder Kläranlage wird in diesem Jahr abgeschlossen. Der seit Jahren geplante Umbau des Bergertor-Wehres zu einem Halbwehr mit rauer Gleite soll sowohl einer besseren Durchgängigkeit als auch der Renaturierung dienen. Ein besserer Hochwasserschutz wird mit dem Umbau des Wehrs in der Radewig entlang der Aa angestrebt.

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