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Beim zweiten Verhandlungstermin riskiert der Angeklagte lieber keine Haftstrafe

Freibad-Randalierer gibt klein bei

Herford (HK). Im Freibad Elverdissen rumbrüllen, Schwimmeister und Badegäste beleidigen und bedrohen und anderen den Aufenthalt dort auf diese Weise vermiesen kostet 900 Euro, zahlbar in 60 Tagessätzen zu jeweils 15 Euro. Das hat ein 24 Jahre alter Herforder jetzt am Amtsgericht Herford erfahren.

Stephan Rechlin

So ruhig wie in diesem Jahr ist die Badesaison im Freibad Elverdissen im vergangenen Jahr nicht verlaufen. Foto: Jan Gruhn

Den Vorfall hat die Herforder Polizei unter dem Datum 30. Juni 2019 protokolliert. Damals wurde sie ins Freibad Elverdissen gerufen, weil die Angestellten dort nicht mehr mit dem rumpöbelnden Badegast fertig wurden. Durch das äußerst aggressive Auftreten des jungen Mannes fühlten sie sich sogar bedroht. „Halt die Fresse, du Penner!“ hatte er zum Beispiel dem Schwimmeister entgegen geschleudert. „Du dicke Kuh!“ musste sich eine Frau anhören, die dem Mann zu nahe gekommen war.

Der Polizeieinsatz führte zu einer Strafanzeige. Doch zum ersten Prozesstermin am Amtsgericht Herford erschien der Angeklagte einfach erst gar nicht. Die Richterin wollte es mit einem Bußgeld bewenden lassen, doch da spielte der Staatsanwalt nicht mit. I n jenem Sommer, als die Freibäder noch ohne Schutzmasken, Voranmeldungen und Registrierungen besucht werden durften, kam es immer wieder zu bedrohlichen, mitunter gewaltsamen Auseinandersetzungen in den Badeanstalten der Region.

Der Sommer der Pöbeleien

Vor allem junge, männliche Badegäste, die in größeren Gruppen gekommen waren, terrorisierten andere Badegäste, blockierten Rutschen und andere Spielgeräte und reagierten äußerst aggressiv, sobald sie von Aufsichtspersonen auf ihr Verhalten hin angesprochen wurden. Der Staatsanwalt wollte es darum nicht dabei bewenden lassen und ließ einen neuen Verhandlungstermin ansetzen, zu dem der Angeklagte notfalls von der Polizei vorgeführt werden sollte.

Das war offenbar doch nicht nötig. In der zweiten Verhandlung akzeptierte der junge Mann nicht nur das Urteil, er entschuldigte sich auch in aller Form bei den von ihm bedrohten und beleidigten Menschen. Diese überraschend aufblitzende Einsicht in das eigene Fehlverhalten mag mit einem vorausgegangenem Verfahren zusammenhängen. Wegen Fahrens ohne Führerschein und unter Alkoholeinfluss war er zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden. Nach dem Vorfall im Freibad fiel der Bericht der Bewährungshilfe alles andere als positiv aus. Bei einem erneuten Fehlverhalten vor Gericht drohte ihm also eine Haftstrafe.

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