100 Apotheken-Beschäftigte sorgen seit 100 Tagen dafür, dass im Herforder Impfzentrum Vakzine gespritzt werden können

Gedreht, nicht geschüttelt

Herford (WB/bex)

Ohne sie ginge im Impfzentrum des Kreises nichts: Morgen, Dienstag, ist es 100 Tage her, dass die Einrichtung im Industriegebiet Bustedt erstmals ihre Pforten geöffnet hat. Genau so viele heimische Apotheker/innen und pharmazeutisch-technische Assistenten/innen (PTA) haben bislang dafür gesorgt, dass der heiß begehrte Impfstoff überhaupt verabreicht werden kann – im Zweischichtbetrieb an sieben Tagen in der Woche.

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Bei der Arbeit im sogenannten Reko-Raum im Impfzentrum des Kreises: Die pharmazeutischen Mitarbeiterinnen mischen den Impfstoff von Biontech mit einer Kochsalzlösung. Foto: Moritz Winde

Ihr Arbeitsplatz ist der sogenannte Reko-Raum. Die Apotheker nennen ihn „die Herzkammer des Impfzentrums“. Dort wird der hochsensible Corona-Impfstoff für die Verimpfung auf- und vorbereitet – rekonstituiert, wie es in der Fachsprache heißt. „Insgesamt haben wir 70.000 Impfdosen rekonstituiert und dem medizinischen Team zur Verfügung gestellt, ganz gleich ob Astrazeneca oder Biontech“, erklärt Edward Mosch.

Der Vlothoer Apotheker ist Pharmazeutischer Leiter des Impfzentrums. Er und seine Kolleg/innen machten die Impfung mit den neu entwickelten mRNA-Impfstoffen von Biontech (und Moderna) erst möglich, wobei Biontech den Löwenanteil ausmachte.

Gewissermaßen weckten sie das Vakzin aus dessen Winterschlaf: Gekühlt wird der Impfstoff, den das Land NRW vom Bund zugewiesen bekommt, angeliefert. Bei Raumtemperatur muss er dann unter keimarmen Bedingungen mit einer exakten Dosis Kochsalzlösung gemischt werden.

Das sei alles andere als trivial. „Mehrfach umgedreht, aber nicht geschüttelt“ laute die Mischungsanweisung, frei nach James Bond. Denn jeder kleine Fehler könne die Wirksamkeit gefährden. Daher gibt es ein genau vorgeschriebenes Verfahren. „Wird der Impfstoff in diesem Zustand auch nur einmal kräftig geschüttelt, muss er verworfen werden“, erläutert Mosch.

Ist das Vakzin aufbereitet, wird das Injektionsfläschchen auf Verunreinigungen geprüft. Anschließend werden aus jedem Fläschchen sechs, wenn möglich auch sieben Spritzen aufgezogen, mit einer Kappe versehen und mit großer Vorsicht dem medizinischen Personal zum Verimpfen übergeben. Auch hier ist eine ruhige Hand gefragt: „Schlagen die Spritzen beim Transport in einer Schale aneinander, kann der Impfstoff seine Wirkung verlieren.“

Das Impfzentrum im Industriegebiet Bustedt läuft an sieben Tagen in der Woche im Zweischichtbetrieb. Foto: Bernd Bexte

Daher kommen für den Transport keine normalen Behälter, sondern speziell angefertigte Schalen aus dem 3D-Drucker zum Einsatz, damit nichts klappert, wackelt oder aneinanderschlägt. Zudem werde der Gebrauch dokumentiert, da das Vakzin nach Aufbereitung nur zwei Stunden lang verimpft werden darf.

Ein jeweils vierköpfiges Team arbeitet pro Schicht morgens und nachmittags im Reko-Raum. Unter ihnen muss immer ein approbierter Apotheker sein. Die Apothekerkammer Westfalen-Lippe hat zur Organisation extra Mitarbeiter abgestellt. „Wir sind für diese Aufgabe im Auftrag des Landes verantwortlich“, erläutert ein Sprecher. Für die Bezahlung der Teams hat das Land ein Budget zur Verfügung gestellt. „Es hat keine Probleme gegeben, ausreichend Apotheken-Mitarbeiter zu finden“, betont er. „Es haben sich auch welche aus dem Ruhestand gemeldet.“

Die Zahl von 100 freiwilligen Apotheker/innen und PTA im Kreis zeige die hohe Motivation des Berufsstandes, betont auch Mosch. Bereits seit Mitte Dezember sei man „impfbereit“ gewesen. Kreisweit gibt es 52 Apotheken.

Zusätzlich zur Arbeit in den Impfzentren sorgen die Apotheken dafür, dass die Arztpraxen mit Impfstoff versorgt werden. Und sie stünden bereit, falls in den Apotheken gegen Corona geimpft werden könne.

Die Apotheken-Mitarbeiter haben bereits 70.000 Impfdosen am Impfzentrum aufbereitet. Foto: Moritz Winde
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