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Die 100 Jahre alte Commerzbank Herford genießt hohes Ansehen im Konzern

Gelbe Rose zum Jubiläum

Herford (HK). Falls die derzeit führungslose Commerzbank-Zentrale in Frankfurt am Main in noch tiefere Turbulenzen geraten sollte, bietet ihre Herforder Zweigstelle einen sicheren Hafen. Den hat sie ihrer Zentrale in ihrer 100 Jahre dauernden Geschichte schon einmal geöffnet. Als der Berliner Konzernstammsitz 1944 unter Bombenbeschuss geriet, wurde die Reichszentrale samt Vorständen kurzerhand nach Herford verlegt.

Stephan Rechlin

Thomas Münstermann und Heike Eickhoff arbeiten seit mehr als 40 Jahren für die Commerzbank in Herford. Sie haben beide am selben Tag im Jahre 1978 am Hauptsitz an der Kurfürstenstraße 10 angefangen. Foto: Stephan Rechlin

Die Hansestadt genießt hohes Ansehen im Konzern. Mitten in der Inflationskrise 1920 übernahm der Barmer Bankverein – das Vorgängerinstitut – die Herforder Discontobank. Seit dem 24. März jenen Jahres ist die Herforder Commerzbank in einer Villa an der Kurfürstenstraße ansässig. Die Familiennamen der Geschäftskunden, die hier in den zwanziger und dreißiger Jahren ihre Konten eröffneten, tauchen überwiegend noch heute in der digitalisierten Kundenkartei auf. Marktbereichsleiterin Nicole Kröhnert: „Die Commerzbank ist in dieser Stadt, in dieser Region ungeheuer tief verwurzelt.“ Darum werfe sie hier auch nichts so schnell um, auch keine Corona-Krise.

Der sichere Hafen für die Reichszentrale blieb eine Episode. Noch vor Kriegsende zog sie nach Hamburg weiter, weil auch Herford unter alliierten Bombenbeschuss geriet. In den fünfziger Jahren wuchs die Herforder Filiale mit dem „Wirtschaftswunder“ mit. Neben den zunehmenden Import- und Exportgeschäften gewann das Privatkundengeschäft erheblich an Bedeutung. Das Geschäftsvolumen stieg von 1950 bis 1965 auf das Zehnfache an. 35 Jahre nach der Eröffnung erfolgte 1955 ein erster Um- und Erweiterungsbau. In den Jahren 1967/68 wurde die Fassade gemäß dem damaligen Geschmack „modernisiert“, ein Fehler, der 1995 soweit wie möglich korrigiert wurde.

Die Lohntüte verschwindet

In den siebziger Jahren folgte ein weiterer Boom im Privatkundengeschäft. Das private Girokonto löste die „Lohntüte“ ab. Die Räume wurden den neuen Anforderungen entsprechend angepasst. An die Stelle des langen schweren Banktresens traten aufgelockerte Sitzgruppen. Großzü-gig gestaltete Beratungszonen boten nun den Kunden die Möglichkeit, alle finanziellen Angelegen-heiten mit ihrem Berater in ruhiger und persönlicher Atmosphäre zu besprechen. Zuvor hatte die Bank ihre Filiale bereits mit der Telex Maschine „Stockmaster“ ausgestattet. Das damals hochmo-derne EDV-System ermöglichte eine beinahe verzögerungslose Abfrage der amerikanischen Bör-senkurse.

An diese Phase können sich Heike Eickhoff (58) und Thomas Münstermann (61) noch besonders gut erinnern. Die beiden am längsten am Herforder Standort tätigen Mitarbeiter hatten beide am selben Tag im Jahre 1978 ihre Arbeit dort aufgenommen. Während einer offiziellen Feier können sie leider nicht nach Erlebnissen, markanten Kollegen und Kunden oder wichtigen Einschnitten im beruflichen Alltag befragt werden. Wegen der Corona-Krise verzichtet die Bank auf solch eine Feier und verschenkt statt dessen gelbe Rosen an Kunden, die in der Filiale vorbeischauen. Zum Marktbereich der Herforder Filiale zählen auch Bad Oeynhausen und Bad Salzuflen.

Fusion mit Dresdner Bank

Nach der Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank im Jahr 2009 wurden im März 2011 die Filialen Auf der Freiheit und Kurfürstenstraße zusammengelegt. Im September 2015 zogen Mitarbeiter und Kunden der Filiale Alter Markt an die Kurfürstenstraße. Heute sind hier außer den Privat- und Unternehmerkundenberatern Spezialisten für Finanzierung, Wertpapiere, Vorsorge und Versicherungen zu finden. Bei der Eröffnung vor 100 Jahren lautete der Anspruch: „Neuzeitliche Einrichtungen gewährleisten eine schnelle und zuverlässige Abwicklung sämtlicher Geschäftsvorfälle“. Das gilt Kröhnert zufolge noch heute: „Mein Team und ich bedanken uns bei unseren Kunden für ihr Vertrauen und ihre Treue.“

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