Heimische Experten begrüßen neue Regelung – in Herford bislang nur wenige Anträge

Giftige Tiere sind jetzt meldepflichtig

Herford (WB)

Skorpione, Vogelspinnen, Schlangen – giftige Haustiere sind in den vergangenen Jahren schon mal zum Problem geworden. So war im September 2016 am Westring eine ausgewachsene Boa Constrictor aus ihrem Terrarium ausgebüxt und hatte zu einem Feuerwehreinsatz geführt.

Bernd Bexte

Völlig harmlos: Stefan Schäfer vom Terraristik-Fachgeschäft Terra Base mit zwei australischen Gespenstschrecken. Foto: Moritz Winde

​ In Herne war 2019 nach dem Entweichen einer Monokel-Kobra sogar ein ganzes Mehrfamilienhaus evakuiert worden. Das Land NRW hat wegen der wachsenden Zahl solcher Fälle zum Jahreswechsel das Gifttiergesetz in Kraft gesetzt.

Die Neuanschaffung bestimmter Tiere ist nun verboten, wer sie bereits besitzt, muss hohe Auflagen erfüllen, unter anderem ein Führungszeugnis und den Nachweis einer Haftpflichtversicherung vorlegen. Zudem muss er oder sie die Gifttiere bis Ende Juni unter Angabe von Art, Anzahl und Haltungsort dem Landesumweltamt (Lanuv) melden. Nur dann dürfen die Tiere weiterhin in den eigenen vier Wänden gehalten werden. Unter das neue Gesetz fallen alle Giftschlangenarten im engeren Sinne, bestimmte Skorpion- und Webspinnenarten sowie deren Unterarten und Kreuzungen.

„Ich halte das Gesetz für absolut richtig“, sagt Stefan Schäfer vom Terraristik-Fachgeschäft Terra Base an der Hohen Warth. „Diese hochgiftigen Tiere sind nichts, was man zu Hause halten sollte.“ Deshalb stünden bei ihm die im Gifttiergesetz aufgelisteten Arten auch gar nicht zum Verkauf.

So sieht es auch Gaby Jahn, die an der Oberen Talstraße in Hiddenhausen einen Terraristik-Shop betreibt. „Ich verkaufe keine Gifttiere.“ Komme es zu gefährlichen Situationen, seien die Halter das Problem. „Es gibt immer wieder Idioten, die mit den Tieren nicht richtig umgehen können.“ Die meisten Liebhaber solch exotischer Tiere hätten diese aber wegen der jetzt greifenden Auflagen bereits abgestoßen.

Allerdings müsse auch die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben. „In anderen Bundesländern gelten bereits Gifttiergesetze.“ In Hessen etwa falle jede Boa unter das Haltungsverbot, „auch die ungefährlichen Arten, die nur 30 Zentimeter groß werden“. Und in Bayern stehe die Hauswinkelspinne auf der Liste. „Da müsste eigentlich jeder Kellerbesitzer belangt werden.“ Denn wer unter das Gifttiergesetz fallende Arten unrechtmäßig hält, muss bei Entdeckung mit einem Bußgeld rechnen. Die örtlichen Veterinärämter sind für die Überwachung zuständig, teilt das Lanuv mit.

Allerdings dürfte die Zahl der Haltungen mit zu registrierenden Gifttieren nicht mehr allzu hoch sein. „Bislang liegen uns NRW-weit erst Meldungen im unteren zweistelligen Bereich vor“, sagt Lanuv-Sprecher Wilhelm Deitermann. Bis zum 30. Juni werde die Zahl aber wohl noch deutlich steigen.

Bei der Stadt Herford ist die Nachfrage nach Führungszeugnissen für Gifttierhalter überschaubar: „In der Bürgerberatung sind die Antragszahlen diesbezüglich völlig unauffällig“, teilt Stadtsprecherin Susanne Körner mit. Das lässt sich genau nachhalten: Die Antragsteller müssen angeben, wofür sie das Führungszeugnis brauchen. Die Bürgerberatung leite das Führungszeugnis direkt ans Lanuv weiter.

Eine Auflistung aller betroffenen Gifttierarten ist hier nachzulesen . Für die Anzeige der Haltung von Gifttieren gibt es unter www.gifttiergesetz.de ein Online-Meldeportal.

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