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Zweite Auflage der Veranstaltung »Knast kulinarisch«

Häftlinge zaubern ein Menü

Herford (WB). Zehn Fleischsorten in 13 Variationen, unzählige Dips und Beilagen und liebevoll gestaltete Tischdekorationen in ungewohnter Kulisse haben am Freitagabend 20 Gäste genießen können. Bei der zweiten Auflage der Veranstaltung »Knast kulinarisch« durften sie sich hinter Gitter begeben und dort gemütlich dinieren.

Annika Tismer

Angenehme Düfte verbreiteten sich bei der zweiten Auflage der Veranstaltung »Knast kulinarisch« hinter den Mauern der JVA. Auf diesem Grill wurden zehn Sorten Fleisch in 13 Variationen zubereitet, die die Gäste anschließend kosten durften. Foto: Annika Tismer

Kein Alkohol in der JVA

Für das kulinarische Spektakel unter dem Motto »Rodizio« hatte Friedrich Waldmann, Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA), die Türen ausnahmsweise einmal für Außenstehende geöffnet – selbstverständlich unter Passieren der Schleuse und mit Abgabe von Handy und Personalausweis.

Nachdem sich das letzte große Tor geöffnet hatte, wurden die Gäste mit einem Cocktail empfangen. »Da es in der JVA grundsätzlich keinen Alkohol gibt, ist dieser natürlich auch alkoholfrei«, erklärte Waldmann, während im Hintergrund bereits der Grill angeheizt wurde.

Kamelfleisch und Eisbombe

Denn von dort aus sollten einige der Gefangenen, die in der JVA aktuell eine Lehre zum Koch absolvieren, ihre Gäste mit feinsten Leckereien versorgen. »Natürlich ist da auch etwas Lampenfieber dabei«, sagte Waldmann. Immerhin kommt es nicht alle Tage vor, dass Außenstehende in den Räumen der JVA Platz nehmen, um dort ein mehrgängiges Menü zu genießen.

Dieses wurde mit einer brasilianischen Vorsuppe aus schwarzen Bohnen und einigen Informationen zur JVA eröffnet. Denn nicht nur kulinarisch sollten die Gäste einiges geboten bekommen, auch von der Arbeit im Gefängnis erfuhren sie viel. Unter anderem, warum Veranstaltungen wie der »Knast kulinarisch« so wichtig sind. »Wir sind eine Einrichtung für jugendliche Straftäter. Da ist klar, dass sie alle wieder in die Gesellschaft zurückkehren werden. Für uns ist es deshalb wichtig, ihnen dabei zu helfen, dafür eine Perspektive zu haben«, sagte Waldmann. Diese Zukunftschancen erhielten die jungen Männer auch dadurch, dass sie eine Lehre machten und ihr erlerntes Wissen in der Praxis umsetzten. An diesem Abend durften sie dabei nicht nur die Speisen – darunter Süßkartoffel-Pommes, Kamelfleisch, Büffelfleisch und eine Eisbombe zum Dessert – mit zubereiten, sondern diese auch servieren oder nach Getränkewünschen fragen.

Tolle Veranstaltung

»Ich bin bereits beim ersten Mal dabei gewesen und fand die Veranstaltung so toll, dass wir uns direkt wieder angemeldet haben«, sagte Marianne Kiel. Essen und Service seien auch diesmal wieder ausgezeichnet. »Außerdem ist es spannend, so viel über die JVA zu erfahren«, ergänzte Gast Günter Poussit, der erstmals dabei war.

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