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Dr. Henning Fischer geht in Rente und hat keinen Nachfolger gefunden

»Hausarztmangel ist dramatisch«

Herford (WB/pjs). Dr. Henning Fischer ist einer der dienstältesten Hausärzte in Herford. Am 15. Dezember wird er seine Praxis schließen und in Ruhestand gehen. Einen Nachfolger hat der 67-Jährige nicht – ebenso wenig wie zwölf weitere Praxen in Herford, die nach seinen Angaben in den letzten Jahren ohne Nachfolger geschlossen haben: »Der Hausarztmangel ist mittlerweile dramatisch«, schreibt der 67-jährige in einem Brief an seine Patienten.

Ein Foto aus seiner aktiven Zeit als Hausarzt in Herford: Dr. Henning Fischer wird seine Praxis in der Scharnhorststraße 25 am 15. Dezember schließen. Foto: Moritz Winde

Seit drei Jahren habe er intensiv eine Praxisnachfolge gesucht, aber keine gefunden: »Es gibt so gut wie keinen Hausarzt-Nachwuchs mehr.« Dabei sei diese Entwicklung absehbar gewesen. NRW- und Bundesgesundheitsministerium, Kassenärztliche Vereinigung und Krankenkassen habe er vor mehr als fünf Jahren darauf hingewiesen, »ohne dass irgendetwas passiert wäre«. In anderen – besonders ländlichen – Bezirken sei die Lage ähnlich. »Herford ist nur die Spitze des Eisbergs«, ist Fischer überzeugt: »Auch in Großstädten beginnt der Ärztemangel bereits.«

»Honorarsituation im Kassenbereich ist unbefriedigend«

Als er sich 1985 niedergelassen habe, sei die Welt für Kassenärzte noch einigermaßen in Ordnung gewesen. In den 90ern seien jedoch infolge der von der Politik verordneten Budgetierung die Praxisumsätze um teils mehr als 20 Prozent gesunken. »Die Honorarsituation ist im Kassenbereich seit 30 Jahren unbefriedigend«, kritisiert Fischer. Eine Folge: Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit bei Hausärzten liege heute um die 50 Stunden, was junge Ärzte nicht mehr akzeptierten.

Honorare seien pauschaliert und brächten für einen schwerkranken älteren Patienten deutlich unter 100 Euro für drei Monate Betreuung: »Tierärzte können darüber nur lachen: Da kostet jede Konsultation meist zwischen 50 und 100 Euro – ein Haustier ist in Deutschland offensichtlich mehr wert als ein Kassenpatient«, wettert der Hausarzt.

Und im Bereich der Privatversicherung habe es in 35 Jahren keine Honorarerhöhung gegeben. Hinzu gekommen sei aber eine ausufernde Bürokratie. So erscheine der Hausarztberuf wenig attraktiv. Und Fischer sieht in der Politik auch keine Ansätze, daran etwas zu ändern.

Kritik an der Kassenärztlichen Vereinigung

Sein Fazit: »Wir haben alles versucht, die weitere Betreuung unserer Patienten sicherzustellen – keine Chance!« Der Kassenärztlichen Vereinigung wirft er vor, den Sicherstellungsauftrag im Hausarztbereich nicht zu erfüllen: »Es gibt keine konkreten Maßnahmen.« Das Nachfolgeproblem bleibt: »Meine Patienten haben teilweise schon bei mehr als zehn anderen Hausärzten angerufen, ohne angenommen zu werden...«

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