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Künstler Draffoh Rheinmann mit Resonanz am Lübbertor zufrieden

Herforder sprechen über Flüchtlinge

Herford (WB). Zu einer Diskussion über die aktuelle Flüchtlingssituation hatte der Künstler Draffoh Rheinmann geladen. Und es kamen mehr Leute, als er erwartet hatte.

Raphael Steffen

Draffoh Rheinmann spricht mit Passanten über das Flüchtlingsthema. Ort des Gesprächs war die Skulptur Melilla-Mauerspringer, die von Fernando Sánchez Castillo stammt. Foto: Raphael Steffen

Eine Klopapierrolle an einem Laternenmast ? Wer am Samstag beim Warten auf den Bus oder das grüne Ampelmännchen am Lübbertor diese verwunderliche Entdeckung machte und sich den Mast genauer ansah, konnte auf seiner Spitze eine sitzende Figur entdecken: Den Melilla-Mauerspringer. Und davor saß Draffoh Rheinmann mit Tischchen und zwei Stühlen und lud zum Gespräch ein.

Der Künstler, der mit bürgerlichem Namen Reinhard Hoffmann heißt, suchte am Samstag den Kontakt zum sprichwörtlichen »kleinen Mann« auf der Straße. Rheinmann treibt die erhitzte Debatte über die deutsche und die europäische Flüchtlingspolitik um.

»Ein echter Dialog ist nicht mehr vorhanden«, fand Rheinmann, zwischen »Gutmenschen« und »Nazis« scheine es keine vermittelnde Position mehr zu geben. Das wollte Rheinmann ändern – und wählte aus Ausgangspunkt die Skulptur des Mauerspringers.

Das Werk des spanischen Künstlers Fernando Sánchez Castillo ist ein Teil des Projekts »Fünf Tore – fünf Orte« und wurde 2017 in Herford eingeweiht. Es soll an die Situation afrikanischer Migranten in der spanischen Exklave Melilla in Marokko erinnern.

»Die meisten wollen sich nicht setzen«

»Doch kaum jemand nimmt die Figur richtig wahr«, bedauert Rheinmann. Um sie wieder in den Mittelpunkt zu rücken, wählte er sie als Standort für seine Aktion. Zwischen 11 und 14 Uhr sprach er Passanten auf das Kunstwerk an und nutzte die Klopapierrolle als Blickfänger.

Eins merkte er recht bald: »Die meisten wollen sich nicht setzen. Da fühlt man sich zu sehr auf dem Präsentierteller.« Kein Problem, also fanden die Unterhaltungen im Stehen statt. »Der Dialog ist das wichtigste von allem, weil er Ängste abbaut«, meinte Rheinmann: »Das hat die Politik versäumt.«

Später zog der Künstler ein positives Fazit: »Es haben viel mehr teilgenommen, als ich erwartet hatte. Die Zeit verging wie im Flug.« Ein Dialog zwischen Befürwortern und Kritikern – Rheinmann nahm stets die Rolle des jeweiligen Widerparts ein – sei möglich. Auch wenn viele Menschen die Flüchtlingspolitik kritisch sähen, seien sich alle in einem Punkt einig: »Es kann nicht sein, dass wir Menschen im Mittelmeer ertrinken lassen.«

Mikro-Installation schon wieder abgebaut

Seine Mikro-Installation mit der Klopapierrolle musste Rheinmann übrigens wieder abbauen, weil sie doch nicht die Zustimmung von Sánchez Castillo fand – »ein Missverständnis«, glaubt Rheinmann, denn seine Aktion sei sicher im Sinne des Künstlers.

Um dem Mauerspringer anderweitig wieder mehr Aufmerksamkeit zu sichern, regt er eine Ergänzung des Masts an. Etwa durch eine Stacheldrahtrolle, die sich herabwindet und auf Augenhöhe in einen Weg übergeht.

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