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250.000 Euro zur Beseitigung der Brandschutzmängel – Kritik am Informationsfluss

Herforder Stadtrat stimmt Theatersanierung zu

Herford (WB). Die Theaterfreunde in Herford können aufatmen. Es werden auch in diesem Jahr noch Aufführungen stattfinden können. Der Stadtrat hat am Freitag einstimmig beschlossen, dass die erforderlichen Brandschutzmaßnahmen umgesetzt werden können.

Ralf Meistes

Vor der Ratssitzung hatten sich Vertreter verschiedener Parteien mit Andreas Kornacki im Theater getroffen, um sich über die Brandschutzmängel zu informieren. Trotz Absprache war niemand von der Feuerwehr und der Bauaufsicht anwesend. Foto: Moritz Winde

Für 250.000 Euro werden jetzt Türen ausgetauscht beziehungsweise feuerfeste Türen angeschafft. Bereits seit 2015 ist immer wieder auf Mängel im Brandschutz hingewiesen worden. „Allerdings ist uns nie so deutlich gesagt worden, dass die Mängel so gravierend sind, dass dort kein Spielbetrieb mehr möglich ist“, sagte Herbert Even (Die Grünen).

Andreas Kornacki, Geschäftsführer der Kultur gGmbH, hatte mit Verweis auf Aussagen der Bauaufsicht und der Feuerwehr erklärt, er könne die Verantwortung für den Spielbetrieb nicht übernehmen, so lange die Mängel nicht beseitigt sind.

Neue Türen und Scheiben

Im Wesentlichen geht es um den Bereich zwischen Eingang und Garderobe. Sollte ein Feuer im Garderobenbereich ausbrechen, so würde dies auch den Eingangsbereich und somit den Fluchtweg verrauchen. Deshalb müssen hier die Türen und Glasscheiben erneuert werden. Auch durch feuerfestes Glas. Außerdem müssen im Bereich zwischen Foyer und Garderobe/Cateringbereich neue Türen installiert werden. Der Umbau wird einige Wochen in Anspruch nehmen.

Die Stadt will aber versuchen, dass auch die für September geplanten Vorstellungen stattfinden können. Dazu wird man auf den Garderoben- und Cateringbereich verzichten. Vielleicht kann das Problem mit der Garderobe mit einem Container gelöst werden. Zur zusätzlichen Sicherheit werden vermutlich zwei weitere Feuerwehrleute während der Vorstellungen vor Ort sein.

Bauaufsicht fehlt

Noch vor der Ratssitzung besichtigen einige Mitglieder das Theater. Dabei kritisierte Werner Seeger, dass außer Andreas Kornacki kein Verantwortlicher Rede und Antwort stand. „Wir hatten am Dienstag im Hauptausschuss beschlossen, dass Vertreter der Bauaufsicht, der Feuerwehr und des Architekturbüros an dem Treffen teilnehmen. Wo sind die?“, ärgerte sich Seeger. Kornacki, der selbst nicht im Hauptausschuss anwesend war, wusste von dem Beschluss nichts.

Nachdem Anfang Juni bei einem Treffen endgültig festgelegt worden war, dass ohne eine Sanierung das Theater nicht nutzbar sei, hatte es noch eine Veranstaltung des Ravensberger Gymnasiums gegeben. Hier habe man besondere Schutzmaßnahmen beachtet, man wollte die Schulveranstaltung aber auch nicht kurzfristig absagen, so Kornacki.

Die CDU sei immer für die Sanierung des Theaters und gegen ein OWL-Forum gewesen, deshalb stimmt man nun der Sanierung zu, sagte Wolfgang Rußkamp (CDU). Da die Bauaufsicht zur Verwaltung gehört, sah Rußkamp auch Bürgermeister Tim Kähler in der Verantwortung. Unter Bauchschmerzen stimme man der Sanierung zu, sagte Horst Heining (SPD).

Theater unter Denkmalschutz

Herbert Even (Die Grünen) betonte, seine Fraktion stimme zu, damit der Theaterbetrieb überhaupt wieder hochgefahren werden kann. Für die Grünen sei klar, dass das Theater sobald wie möglich saniert werden muss, falls sich die Lösung OWL-Forum nicht realisieren lässt. Even kritisierte die Informationspolitik der Verwaltung. Mitte Februar sei klar gewesen, dass die Brandschutzmängel gravierend seien.

Hinweise des Beigeordneten Dr. Peter Böhm, dass es mit Ausbruch der Corona-Pandemie auch zu Verzögerungen im Verwaltungsablauf gekommen sei, wollte Even nicht gelten lassen. „Es gibt auch die Möglichkeit der Telefonkonferenz, um Dinge zu regeln“, sagte das Ratsmitglied der Grünen. Als Konsequenz aus dem Theaterfall sollen jetzt alle städtischen Gebäude noch einmal unter Brandschutzaspekten untersucht werden.

„Brandschutz ist immer ein teures Thema“, sagte Thomas Helmerking. Das CDU-Ratsmitglied zählte etliche Sitzungen im Juni auf, in denen der Bürgermeister die Gelegenheit gehabt hätte, über die Probleme im Theater zu informieren. Lothar Wienböker (Bürger für Herford) wies darauf hin, dass das Theatergebäude unter Denkmalschutz stehe und als Aula vom Ravensberger Gymnasium genutzt werde. „Wir stimmen dem Beschluss zu, weil wir sowieso die Brandschutzauflagen erfüllen müssen.“ Eckhart Klemens (FDP) zweifelte die Sanierungskosten in Höhe von 250.000 Euro an.

Kommentar

Die wichtigste Botschaft vorweg: Durch den Ratsbeschluss können in diesem Jahr noch Veranstaltungen im Stadttheater stattfinden. Das ist erfreulich für die Besucher, die bereits Karten erworben haben, aber auch für die Mitarbeiter des Theaterbetriebs. Die Stadt will alles versuchen, dass in einer Art Sonderbetrieb auch die geplanten Aufführungen im September stattfinden können. Dass bei der Kommunikation rund um die Brandschutz-Mängel nicht alles glatt gelaufen ist, hat Andreas Kornacki, Geschäftsführer der Kultur gGmbH, eingeräumt. Seit Februar war bekannt, dass die Mängel so gravierend sind, dass ein Theaterbetrieb nicht möglich ist. Der Beschluss für die erforderlichen Brandschutzmaßnahmen wurde erst an diesem Freitag gefasst. Das lässt sich nicht nur mit den Folgen der Corona-Pandemie erklären, wie es Baudezernent Dr. Peter Böhm versucht hat. Kornacki hat sich der Kritik gestellt, andere haben sich weggeduckt. Beispiellos ist, dass am Dienstag im Hauptausschuss gefordert wird, dass bei der Begehung im Theater auch Vertreter von Feuerwehr und Bauaufsicht anwesend sein sollten und dann niemand kommt. Das ist respektlos gegenüber dem Rat. Ralf Meistes

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