1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Herford
  6. >
  7. Herfords neuer Superintendent

  8. >

Kreissynode: Lokalmatador Olaf Reinmuth siegt knapp im ersten Wahlgang

Herfords neuer Superintendent

Herford (WB). Seit Mittwochabend ist klar, wer neuer Leiter des evangelischen Kirchenkreises und damit Nachfolger von Superintendent Michael Krause (52) wird: Olaf Reinmuth. Der Pfarrer (56) der Gemeinde Herford-Mitte setzte sich im ersten Wahlgang durch.

Moritz Winde

Applaus für Sieger und Verlierer: Olaf Reinmuth (links) und Albrecht Philipps zollen sich per Ellbogen-Gruß gegenseitigen Respekt. Die Bewerber um das Amt des Superintendenten haben sich ein faires Duell geboten. Foto: Moritz Winde

Es war allerdings eine ganz knappe Entscheidung. Von den 143 anwesenden Mitgliedern – fünf davon waren digital zugeschaltet – votierten 80 für den Lokalmatadoren. Das waren gerade einmal drei Stimmen mehr, als die erforderliche Mehrheit (77), die es zum Sieg braucht. Auf dem Papier besteht die Kreissynode aus 153 Frauen und Männern. Philipps erhielt 58 Stimmen.

Beiden Kandidaten war die Anspannung im Alten Güterbahnhof anzumerken. Kein Wunder: Eigentlich sollte bereits im Juni klar sein, wer in den nächsten acht Jahren das Sagen im Kirchenkreis Herford haben wird. Doch dann kam Corona dazwischen und die Abstimmung wurde verschoben. Nach eigenen Angaben hat der Kirchenkreis 115.942 Mitglieder in 25 Gemeinden. Es gibt 17 Kreispfarrstellen, 72 Gemeindepfarrstellen sowie 1400 Angestellte (mit Pfarrerinnen und Pfarrern). Der Kirchenkreis ist Träger von 53 Kindertageseinrichtungen mit 3700 Plätzen in 179 Gruppen.

Amtsinhaber wechselt nach Bethel

Bekanntlich stand der amtierende Superintendent Michael Krause nicht zur Wiederwahl. Nach elf Jahren übernimmt er im September eine Aufgabe bei den von Bodelschwinghschen Stiftungen im Bereich „Bethel im Norden“.

Olaf Reinmuth machte keinen Hehl daraus, wie belastend die Situation für ihn persönlich gewesen sein muss. Er habe sich wie gepanzert gefühlt. Vorsorglich hatte er sich wohl diese „Schutzhaut“ zugelegt, denn mit dem Erfolg im Premieren-Wahlgang habe er nicht gerechnet. Sein Kontrahent wollte nach Bekanntgabe des Ergebnisses keine Minute länger als nötig bleiben. Fast schon fluchtartig verließ der Münsterländer den Güterbahnhof. Dabei habe er ein beachtliches Resultat erzielt, befand Michael Krause.

Vor der Abstimmung hatten die Bewerber noch einmal die Möglichkeit, in einer zehnminütigen Rede für sich zu werben. Dabei setzte Reinmuth auf den vermeintlichen Heimvorteil: „Es braucht frischen Wind, aber nicht von außen, sondern von innen, aus der Vertrautheit heraus.“ Als Superintendent wolle er das tun, was er seit Jahren in der Gemeinde tue: „die Kühe vom Eis holen“. Er wolle den Menschen aufs „Maul und ins Herz schauen“, er plädierte für die Nutzung neuer Medien und versprach, sich für Kirche vor Ort stark zu machen.

Gleichzeitig machte er deutlich, dass es bei sinkenden Mitgliedern und Einnahmen ohne Veränderungen nicht gehen werde. So will Reinmuth Gemeindehäuser und Kirchen anders nutzen – wie genau, ließ er am Abend offen. Doch seine Amtszeit hat ja gerade erst begonnen.

Infos zu Olaf Reinmuth

Dr. Olaf Reinmuth (56) wurde im baden-württembergischen Bad Wimpfen – eine Kurstadt am Neckar im Landkreis Heilbronn – geboren, ist verheiratet und hat drei Kinder. Evangelische Theologie studierte er in Tübingen, Münster, München und Wien.

1993 folgte seine Promotion zum Doktor der Theologie. Reinmuth ist seit 1996 Pfarrer, 1998 kam er nach Herford und ist Gemeindepfarrer in der heutigen Kirchengemeinde Herford-Mitte. Außerdem engagiert er sich in der Stadtkirchen- und Kulturarbeit der Offenen Kirche.

Im Kirchenkreis Herford ist Reinmuth seit 2011 Vorsitzender des kreiskirchlichen Finanzausschusses und beteiligte sich in seinem Amt aktiv an der Gestaltung der kreiskirchlichen Entwicklung. Er ist Mitglied der Landessynode und wirkt in landeskirchlichen Ausschüssen mit.

Olaf Reinmuth ist als Superintendent für die nächsten acht Amtsjahre gewählt und im Kirchenkreis Herford hauptamtlich tätig. Unter anderem vertritt der 56-Jährige die Kirche nach außen und ist Dienstvorgesetzter der Pfarrer, Pfarrerinnen und kreiskirchlichen Mitarbeitenden.

Blumen für den Gewinner: Olaf Reinmuth nimmt die Glückwünsche seiner Frau Silke und von Superintendent Michael Krause entgegen. Foto: Moritz Winde
Startseite