1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Herford
  6. >
  7. Hier hängt die Zukunft am Haken

  8. >

Bei Hipp in Herford werden zwei neue Sprühtürme montiert

Hier hängt die Zukunft am Haken

Herford (WB). Mit 50 Metern Höhe wird der Neubau am Hipp-Werk an der Bielefelder Straße eines der höchsten Gebäude Herfords. Innen ist er bald komplett: Am Montag sind zwei neun Tonnen schwere Edelstahlzylinder in den viergeschossigen Bau gehoben worden.

Bernd Bexte

Wie ein riesiger Fingerhut hängt die obere Hälfte eines neuen Sprühturms, mit Schutzfolie ummantelt, am Kranhaken. Der Edelstahlkoloss wird in den Neubau (hinten) gehoben. Foto: Bexte

Turmkammern heißen die Stahlkolosse in der Fachsprache. Mit einem 110-Meter-Ausleger-Kran wurden sie behutsam jeweils auf den bereits in der vergangenen Woche montierten Turmkonus gesetzt: Aus diesen beiden Bauteilen bestehen die neuen, etwa 15 Meter hohen Sprühtürme, in denen künftig Pulver auf Milchbasis für die unterschiedlichen Produkte des Babynahrungsherstellers entsteht. »Das wird aber noch etwas dauern. Wir rechnen damit, dass die Produktion im Laufe des nächsten Jahres hier aufgenommen werden kann«, erläutert ein Unternehmenssprecher. Eine solch komplexe Anlage müsse schließlich erst »eingefahren« werden.

Vor Ort zusammengebaut

Die Turmkammern wurden von einem Fachunternehmen vor Ort zusammengebaut. Mit weißer Schutzfolie ummantelt, kamen sie gestern an den Haken. Die Sprühtürme

werden zwei alte ersetzen, in denen mittels eines anderen Verfahrens Milch zu Pulver wurde (Schleuderscheibentechnik), ein dritter aus dem Jahre 2011 bleibt in Betrieb. Trotz der unveränderten Zahl der Türme geht Hipp von einer möglichen Kapazitätssteigerung von 30 Prozent aus.

Und so funktioniert’s: Die zuvor – je nach Produkt – mit Pulver und Fetten eingedickte Milch wird durch Düsen in den Stahlturm gesprüht. »Ein seitlich eingeleiteter Luftstrom erzeugt im Innern eine Art Wirbelsturm, in dem die Tropfen zu Pulver werden und nach unten sinken«, erläutert der Unternehmenssprecher. Anschließend wird das Pulver im sogenannten Fließbett nachgetrocknet, dann gesiebt und weiterverarbeitet. »Zum Schluss hat das Pulver eine Restfeuchte von zwei bis vier Prozent.«

Millioneninvestition

Die Türme – sie sind übrigens für Kontrollzwecke begehbar – stehen ganz oben in dem neuen viergeschossigen Gebäude, die weiteren Produktionsschritte schließen sich in den unteren Ebenen an. Die Technik dort ist bereits weitgehend vorhanden: »Jetzt kann bald das Flachdach auf den Neubau gesetzt werden«, kündigt der Unternehmenssprecher an. Zur Höhe der Investition macht Hipp keine Angaben. In der Vergangenheit war stets von einem zweistelligen Millionenbetrag die Rede.

Zu dem gestrigen Termin hatte das Unternehmen auch Anwohner eingeladen, die sich ein Bild von dem Baufortschritt machen konnten. Die Reaktionen fielen gemischt aus: Aussagen wie »Es ist doch toll, wenn ein Unternehmen so viel in Herford investiert« wechselten mit Kritik an den Ausmaßen des Neubaus: »Vorsichtig ausgedrückt ist dieses Gebäude von städtebaulicher Dominanz« war unter anderem zu hören.

Seit 1950 Produktionsstätte von Babynahrung

Hipp-Babynahrung aus Herford wird weltweit exportiert. Produktgrundlage sind 200 Tonnen Milch, die täglich an der Bielefelder Straße angeliefert werden. »Wir verarbeiten nur Bio-Milch oder Milch aus gentechnikfreier Produktion«, betont das Unternehmen. Diese wird pro Woche zu 700 Tonnen Pulver verarbeitet. Vor Ort sind 600 Mitarbeiter beschäftigt. Der Babynahrungshersteller aus dem Pfaffenhofen (Bayern) hatte das Werk Ende 2016 übernommen. Seit 2007 gab es ein Joint Venture mit der Humana Milchunion. An dem Standort wird seit 1934 Milch verarbeitet und seit 1950 Babynahrung auf Kuhmilchbasis hergestellt – entwickelt vom Herforder Kinderarzt Dr. Heinz Lemke.

Was in luftiger Höhe klein aussieht, ist am Boden ganz schön groß. Hipp hatte Anwohner zu dem Termin eingeladen. Sie stehen vor einer in Folie verpackten Turmkammer. Foto: Bexte
Startseite